SVH-Neuzugang nach Profi-Rückzug

Thomik: "Das große Geld hätte ich nicht mehr verdient"

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Neues Gesicht in Heimstettens Trikot: Der Ex-Profi Paul Thomik ist zurück in München.

SV Heimstetten - Dieser Rekord ist so außergewöhnlich, dass ihn kaum einer je egalisieren, geschweige denn übertreffen wird. Zumindest nicht in Deutschland. Dreimal Deutscher Meister mit den A-, einmal mit den B-Junioren.

Dabei sprechen wir nicht von Bastian Schweinsteiger, nicht von Mario Götze. Wir reden von einem, dessen Name der großen Masse weitgehend unbekannt geblieben sein dürfte, denn ganz oben, in der Bundesliga, ist Paul Thomik nie angekommen. Blickt aber, inzwischen 32, hochzufrieden auf das, was er erreicht hat: „Der Fußball hat mein Leben geprägt. Ich durfte eine Karriere machen, um die mich viele andere beneiden.“

Paul Thomik ist zurück in München, da wo alles begonnen hat. Die Sache mit den vier Junioren-Titeln ist schon eine ganz spezielle. Thomik, im polnischen Zabrze geboren, ist mit 14 aus dem Westfälischen ins Jugendhaus des FC Bayern gekommen, nicht nur seine Schnelligkeit hatte die Scouts des Rekordmeisters beeindruckt. Und der Junge rechtfertigte die Vorschusslorbeeren. Man schrieb das Jahr 2001, am 30. Juni feierte Thomik seinen ersten großen Erfolg: Als jüngerer Jahrgang wurde er durch ein 4:0 gegen Borussia Dortmund Deutscher Meister der B-Junioren, an der Seite von Bastian Schweinsteiger und Christian Lell. Doch nicht die brachen unmittelbar nach der Siegerehrung Richtung Leverkusen auf, wo tags darauf die A-Junioren das Finale gegen Bayer 04 zu bestreiten hatten, Roman Grill, damals Trainer, wünschte sich Thomik. Und stellte beim 3:2 Sieg den schnellen B-Junior in die Startelf, zu Philipp Lahm, Zvedzdan Misimovic, Markus Feulner, Piotr Trochowski und Florian Heller, alles spätere Erstligaspieler. 

Schon dieses Meister-Double innerhalb von 24 Stunden war äußerst ungewöhnlich, doch es kam noch besser: Im Jahr darauf, noch immer nominell B-Junior, wurde Thomik wieder A-Jugendmeister, an der Seite von Schweinsteiger, Lahm und Trochowski. Und 2004 dann ein drittes Mal. „Der bisher letzte A-Jugend-Titel für die Bayern“, erinnert Thomik, Bayerns Rekordmeister wohl für die Ewigkeit.

Dass er jetzt nicht als vielfacher Nationalspieler, sondern „nur“ als 118-maliger Zweitligaspieler und 40-maliger Junioren-Nationalspieler nach München zurückgekehrt ist, macht ihn nicht traurig, sondern stolz: „Gut, für die Bundesliga hat es nicht gereicht, aber ich bin glücklich mit dem, was ich geschafft habe.“ Natürlich könnte Heimstettens jüngster Transfercoup jetzt grübeln, was wäre gewesen, wenn. Wenn er etwa früher als mit 14 zu den Bayern gekommen wäre, „mir fehlte bis dahin die technische Ausbildung, das kann man in dem Alter nicht mehr aufholen.“ Oder wenn er von einigen seiner schwereren Verletzungen verschont geblieben wäre. Thomik aber ist ein intelligenter und selbstkritischer Mensch, „ich habe immer gesehen, was ich kann und was ich nicht kann.“ 

Natürlich ist es nicht einfach für einen 17-Jährigen, dessen Leben voll auf den Fußball ausgerichtet war, wenn er von einem Hermann Gerland hören muss, „für ganz oben wird es bei dir nicht reichen“. Thomik war Gerland „dankbar für seine Ehrlichkeit“ und ging den Weg, der seinem Talent und seinem Können entsprach: Erst zu Unterhaching in die 2. Liga, dann zum VfL Osnabrück, auch 2. Liga. Osnabrück ist dann so etwas wie die zweite Heimat geworden, auch als Paul zu Union Berlin und dann sogar mal nach Polen zu Gornik Zabrze wechselte, hielt Gattin Ursula, eine Münchnerin aus der Au, die Stellung in Osnabrück und arbeitete im Controlling bei einem Verlagshaus. 

Paul brachte es in eineinhalb Jahren Berlin auf 25 Zweitligaeinsätze, über Thomas Sobotzik, den Thomik aus seiner Hachinger Zeit gut kannte, kam der Kontakt nach Polen zustande. Bei Gornik wollten sie nach Daniel Sikorski wieder einen aus der Bayern-Schule, der polnische Wurzeln hat. Anfangs lief es auch gut für Thomik: „Mein Konkurrent auf der rechten Abwehrseite war Pawel Olkowski“, heute beim 1. FC Köln, „gespielt aber habe ich in den ersten acht Spielen.“ Die Mannschaft hatte so hohe Qualität, „da kam ich später dann zu Recht nicht mehr zum Zug“. Thomik kehrte nach Osnabrück zurück, wurde dort unter „Pele“ Wollitz zum Rechtsverteidiger und Kapitän, lernte dann Maik Walpurgis kennen, den heutigen Trainer des FC Ingolstadt: „Ein fachlich hervorragender Mann, der viel dazugelernt hat.“

Für Paul Thomik kam die Zeit, in der er über seinen weiteren Lebensweg nachzudenken begann. Die Schnelligkeit, „meine Waffe“, war mit den Jahren ein bisschen auf der Strecke geblieben, mit 30 schloss er sich den Würzburger Kickers an, die gerade in die 3. Liga aufgestiegen waren. Dass seine Mannschaft direkt durchmarschierte in die 2. Liga, war für Thomik wie ein Wink des Schicksals. Sein Vertrag nämlich galt nur für die 3. Liga, das erleichterte ihm, gerade stolzer Vater eines Jungen geworden, die Entscheidung, sich nun auf die berufliche Karriere zu konzentrieren. Und die Rolle als Familienvater. „Vielleicht hätte ich noch ein paar Jahre professionell spielen können, aber das große Geld hätte ich nicht mehr verdient“, so seine Einschätzung.

Schon während seiner Fußballzeit hat Thomik BWL studiert und Management, die Zeit schien reif, zurück nach München zu gehen, dorthin, wo alles für ihn begonnen hat. Schon länger stand er in Kontakt zu Michael Matejka, dem Fußballchef des SV Heimstetten, „ganz aufhören“ wollte er nicht, „dazu bedeutet mir der Fußball zu viel.“ Bayernliga, das passte, denn an erster Stelle, das hat Thomik auch Matejka gesagt, „stehen Familie und Beruf.“ Seit Anfang des Jahres arbeitet Thomik im Controlling bei BMW, „Regionalliga“, sagt er, „wäre damit gar nicht vereinbar gewesen.“

Noch aber ist die Chance da, mit Heimstetten aufzusteigen, Thomik wird auch alles dafür geben: „Wenn ich auf dem Platz stehe, will ich gewinnen.“ Nüchtern betrachtet aber denkt er eher an einen Aufstieg im nächsten oder übernächsten Jahr: „Wir haben eine richtig gute Mannschaft, die weiter entwickelt, kontinuierlich aufgebaut werden sollte.“ Da käme ein Aufstieg im Sommer vielleicht sogar zu früh. Dass aber im Fußball alles möglich ist, weiß gerade Paul Thomik. Sogar zwei deutsche Meistertitel innerhalb von 24 Stunden und vier in vier Jahren. Wirklich ein spezieller Fall für die Rekordbücher.

FUSSBALL-AMATEURE Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de.

Quelle: fussball-vorort.de

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