Torwarttrainer Marc Lamberger

„Meine Leidenschaft brennt fürs Training“

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Trainiert die Löwen-Jugend: Marc Lamberger.

Wenn Marc Lamberger bei den Löwen Torwarttalente coacht, springt der Funke der Begeisterung ganz leicht über

„Schon als Kind habe ich mich im Garten meiner Großeltern zwischen die Apfelbäume gestellt und Freunde gebeten, aufs Tor zu schießen. So ist an der Stelle in Laufe der Zeit eine riesige Dreckfläche entstanden“, erzählt Marc Lamberger. Auch die angrenzenden Blumenbeete und der Zaun wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Oma protestierte, förderte ihren Enkel aber schließlich doch. So war es kein Zufall, dass der Bub bereits in der E-Jugend in seinem Heimatverein im Landkreis Donau-Ries in den Kasten ging und ihn bis heute nicht mehr verlassen hat – aber mittlerweile mit ganz neuer Motivation.

„Als ich aus der A-Jugend herauskam, habe ich bereits die nächsten A-Jugend-Torhüter trainiert, weil sie kein regelmäßiges, torwartspezifisches Training hatten“, erinnert sich Lamberger. Aus diesem Elan, sein Wissen und Können weiterzugeben, ist für den jetzt 26-Jährigen seit diesem Sommer seine Profession geworden: Neben seinem Sportmanagement-Fernstudium in Wismar, einer sogenannten Partnerhochschule des Spitzensports, hat er sich mit Haut und Haaren dem Torwarttraining verschrieben: Bei den Löwen ist er angestellt, um Torhüter der U9, U10 und U11 im Nachwuchsleistungszentrum und in der Fußballschule zu coachen sowie als Co-Trainer für die U14 mitzuwirken. Außerdem hat ihn der Bezirksligist DJK Pasing darum gebeten, den Keepern bei den Männern und Frauen unter die Arme zu greifen.

Wöchentlich kommt Lamberger, der sich selber als Trainerlehrling sieht, im Durchschnitt auf zehn Übungseinheiten: „Mir macht es wahnsinnig viel Spaß, die jungen Spieler zu trainieren, weil sie so motiviert bei der Sache sind. Daher gibt es für mich nichts Schöneres, als jeden Tag auf den Platz zu gehen. Für mich ist das ein Lebensgefühl, denn meine Leidenschaft brennt dafür, ins Training zu gehen.“ Das spüren die jungen Kicker. Vor allem ist es auch die richtige Mischung aus Härte und Wohlwollen, die ihn bei seinen Buben so beliebt macht. Der Begeisterungsfunke springt daher ganz leicht über: „Die Kleinen sind so bei der Sache, dass mir kürzlich ein Junge bei einer Reaktionsübung zugerufen hat, ich soll ihm noch fünf weitere Bälle zuwerfen. Dann bleibe ich natürlich auch dran.“

Dieser unbändige Eifer, vorrangig Kinder und Jugendliche zu fördern („Die Arbeit mit Erwachsenen ist primär noch nicht mein Ziel“), hat eine spezielle Vorgeschichte. Denn in seiner Jugend hätte Lamberger sich nichts sehnlicher gewünscht, als gezielter herangenommen zu werden: „Die meisten Trainer konnten mir sagen, was ich besser machen soll – aber nicht wie.“ In dieses Dilemma sollen seine Schützlinge nicht kommen. Er tüftelt immer wieder neue Übungen für die zukünftigen Kahns, Köpkes und Buffons – seine Torwart-Vorbilder – aus.

Viel Mühe verwendet er auch auf die Spielanalyse: „Gute Übungen zu finden, ist nicht die Kunst, sondern einen Torwart zu entwickeln, also Details zu sehen, die er verbessern kann.“ Da gibt es viele Ansätze: „Passt die Fangtechnik? Ist der Absprungfuß richtig gesetzt? Stimmt der Bewegungsablauf? Ist die Hüfte gestreckt? Schwingt der Keeper das Knie zu stark nach? Antizipiert er hohe Bälle richtig? Wie baut er ein Spiel auf? Beherrscht er die Hechtbewegungen in die Ecken und den Abschlag aus der Hand?“ Außerdem müsse ein guter Torwart auch immer ein guter Fußballer sein. Selbstbewusstsein und Mut gehören ebenfalls zum Job, aber gar nicht so sehr beim Elfmeter. „Wer Angst hat, ist der Schütze, nicht der Torwart. Der freut sich vielmehr auf den Schuss, denn er will ja der Held werden“, lautet Lambergers Begründung.

Aber dann ist da noch etwas, was ihm so am Herzen liegt, dass er es gleich mehrmals wiederholt: das Talent Arbeit. „Wer keinen Trainingsfleiß zeigt und sich nicht schindet, mit dem bekomme ich ein Problem.“ Lamberger verlangt Härte von sich selbst, körperlich an die Grenze zu gehen, Konzentration bis zur Schlussminute zu zeigen, immer „zu Null“ spielen zu wollen – und keines von all diesen Kriterien auszulassen.

Von anderen Vereinen bekommt Lamberger immer wieder mit, dass das Torwarttraining dort häufig stiefmütterlich behandelt wird. Wenn das bei den Löwen auch völlig anders ist, weiß er aber doch um das Schattendasein seines Jobs. Das hat für ihn auch Vorteile: „Ich schätze die Arbeit im Hintergrund sehr, weil man dadurch ganz ruhig und vor allem in einer kleinen Gruppe sehr individuell trainieren kann.“

Trotzdem hat er seine eigene Karriere als aktiver Fußballer noch nicht ganz abgeschrieben, sich dabei aber auf Beach Soccer spezialisiert, Denn: „Im Sand fällt man doch etwas leichter“. Grund für diesen Anflug von „Weichlichkeit“ ist sein Verletzungspech in diesem Jahr. Er hatte sich dreimal – Anfang und Ende Mai bei Bundesligaspielen seiner Bavarian Beach Bazis und im Oktober beim Training im Nachwuchsleistungszentrum – die linke Schulter ausgekugelt. Hart im Nehmen, renkte er sie sich beim zweiten Mal, als kein Mitspieler richtig anzupacken wusste, mit zwei, drei kräftigen Remplern gegen eine Eisenstange selbst wieder ein. Danach hatte er dann aber zu früh wieder mit dem Training begonnen. Jedenfalls ist ihm eine Blockade im Kopf beim Abtauchen in die Torecken geblieben, wenn er auf Rasen oder Kunstrasen beim Training im Fußballtor steht. Er hat daraus gelernt: „Jetzt würde ich nichts mehr machen, was meine Trainertätigkeit gefährdet.“ Und wie sieht es mit der Perspektive Profi-Torwarttrainer aus? „Wenn sich die Chance ergibt, sagt niemand nein“, betont der Jugendtrainer, aber das sei noch sehr, sehr weit weg.

Quelle: Merkur.de

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