BFV berät sich heute 

Toto-Pokal steht am Scheideweg: Schafft Videokonferenz Klarheit? 

Die Fortsetzung des Toto-Pokal-Wettbewerbs steht auf tönernen Füßen. Viele Vereine sehen in den BFV-Plänen enormes Konfliktpotenzial.
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Fragen über Fragen: Die Fortsetzung des Toto-Pokal-Wettbewerbs steht auf tönernen Füßen. Viele Vereine sehen in den BFV-Plänen enormes Konfliktpotenzial.  

Im Kampf um den DFB-Pokal Einzug über den Toto-Pokal herrscht immer noch keine Klarheit für die Amateurvereine. Die heutige Videokonferenz des BFV soll Antworten liefern. 

DachauWie geht es im Toto-Pokal weiter? Diese Frage stellt sich nicht nur dem Bayerischen Fußball-Verband, sondern auch den noch im Wettbewerb befindlichen Mannschaften. Derzeit sind offiziell noch 39 Mannschaften im Wettbewerb. Wie und wann der Toto-Pokal durchgezogen wird, entscheidet sich wahrscheinlich am heutigen Donnerstag in einer Videokonferenz des BFV.

Um das Viertelfinale bestreiten zu können, bedarf es allerdings noch einiger Spielrunden. Aus den 24 Teams ab der Bayernliga abwärts sollen drei Mannschaften am Ende ins Viertelfinale einziehen, von den 14 Regionalligisten vier. Türkgücü München hat sich in der Runde der Drittligisten durchgesetzt und ist für das Viertelfinale gesetzt.

Der „Tag der Amateure“ soll am Samstag, 29. Mai, steigen, an jenem Tag also, an dem alle Landespokal-Finalspiele sämtlicher Fußball-Verbände in Deutschland stattfinden sollen; zudem werden die Finals in den Dritten Programmen der ARD live übertragen.

„Die Verantwortung wird hier einfach an die Vereine weitergegeben“ 

Wie dieses Ziel speziell, für die Teams unterhalb der Regionalliga, erreicht werden kann, weiß momentan niemand – oder doch? Vor rund zwei Wochen fand zur Pokal-Problematik ein erstes Brainstorming mit den betroffenen Amateur-Vereinen statt. Die Vereine wurde dabei vom Verband aufgefordert, bei ihrem zuständigen Gesundheitsamt eine Ausnahmegenehmigung zum Toto-Pokal und Training zu beantragen. In diesem Zusammenhang wurde den Vereinen ein Schreiben des Innenministeriums zugestellt, das den Antrag unterstützen soll, Diese Schreiben liegen der Redaktion vor.

„Die Verantwortung wird hier einfach an die Vereine weitergegeben“, so der Präsident desFC Pipinsried, Roland Küspert. Zusätzlich sollen die Vereine, wenn die Genehmigung erteilt worden ist, Selbsttests durchführen – auf eigene Kosten, aber nur mit Tests von jener Firma, mit der der BFV einen Vertrag abgeschlossen hat. „Was der BFV vor hat, ist schlichtweg verantwortungslos. Zudem wird den Vereinen das Messer auf die Brust gesetzt. Getreu dem Motto: euer Gesundheitsamt hat Nein gesagt, also dürft ihr auch im Pokal nicht mehr mitspielen. So etwas geht gar nicht“, zeigt sich der Abteilungsleiter Fußball des TSV Landsberg, Sebastian Gilg, völlig enttäuscht vom Verband. „Da wir verantwortungsvoll mit unseren Spielern umgehen werden wir unter diesen Umständen nicht spielen. Ein solcher Kaltstart ist verantwortungslos“, sagt Gilg mit einem deutlichen Wink in Richtung Verband.

Verbandsspielausschuss-Vorsitzender Janker in der Kritik

BeimBFV will man augenscheinlich den Wettbewerb mit allen Mitteln durchziehen. „Von ambitionierten Fußballern ab Bezirksliga aufwärts kann man verlangen, dass sie sich fit halten. Dazu dienen auch die Videos vom Verband. Zudem sind sich unsere Experten darin einig, dass mindestens drei Wochen Vorbereitung ausreichend sind“, meint der Verbands-Spielausschuss-Vorsitzende Josef Janker.

Mit dieser Meinung spaltet Janker die Community. Einige sehen es ähnlich wie der Verbands-Spielausschuss-Vorsitzende, andere haben für diese Argumente nach einer Spielpause von rund sechs Monaten nur ein müdes Lächeln und Kopfschütteln über. Oder, wie es Sebastian Gilg, formuliert: „Eine deplatzierte Äußerung.“

Der Vorstandsvorsitzende des FC Eintracht Bamberg, Jörg Schmalfuß, möchte mit seiner Mannschaft, wenn es denn vom Gesundheitsamt erlaubt wird, auf jeden Fall am Wettbewerb teilnehmen. „Wir haben mit den Jungs gesprochen. Alle sind einfach nur heiß darauf, wieder Fußball zu spielen. Alle haben sich fit gehalten und wir denken, dass es auch in der Kürze machbar wäre. Allerdings werden wir niemandem böse sein, wenn er sagt, dass das Verletzungsrisiko für ihn zu hoch ist“, so Schmalfuß zum Gefühlszustand seiner Kicker.

Antrag des BFV gibt Amateurvereinen Rätsel auf 

Im Antrag des BFV an das Innenministerium ist unter anderem folgendes niedergeschrieben: „Der BFV beabsichtigt, die Ermittlung der bayerischen Teilnehmer an der 1. DFB-Pokalhauptrunde sportlich unter Beteiligung der noch im BFV-Totopokal-Wettbewerb und im Ligapokal-Wettbewerb der Regionalliga Bayern befindlichen und spielwilligen Vereine durchzuführen und beantragt hierfür eine Genehmigung gemäß § 10 Abs. 2 BayIfSMV für die Wettbewerbe und den dafür notwendigen Trainingsbetrieb.“

Interessant ist hier die Formulierung „spielwillige Vereine“ im Schreiben des BFV, das von Präsident Rainer Koch unterzeichnet ist. „Spielwillig“ sind mit Sicherheit alle Amateurvereine, nur dürfen sie vom Gesetz her nicht. Allerdings scheint das den Präsidenten des BFV, Rainer Koch, kaum zu interessieren, anders ist eine solche Formulierung gegenüber den Amateurvereinen nicht zu erklären. Heißt im Umkehrschluss: Bringt du keine Ausnahmegenehmigung, bist du raus. Das Innenministerium weist in seinem Antwortschreiben darauf hin, dass sich die Amateurvereine an die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzt zu halten haben. Das wiederum bedeutet unter anderem, dass bei einer Inzidenz über 100 Mannschaftssport verboten ist. Wie also sollen da die Amateure eine Chance erhalten, sich im sportlichen Wettkampf zu messen?

Amateure außen vor - auch gerichtliche Anordnung wird kritisch beäugt 

„Diese Chance haben wir nicht“, meinen Küspert und Gilg unisono. Eine Möglichkeit besteht, wenn die entsprechend zuständige Person im Gesundheitsamt die Sonderregelung erteilt.

Für die Regionalligisten soll hier eine Tür aufgemacht werden, die es dann den Teams der Regionalliga Bayern erlaubt, in den Toto-Pokal, aber auch in den Liga-Pokal einzusteigen. Hintergrund: Der Sieger des Liga-Pokals der Regionalligisten soll den zweiten Startplatz im DFB-Pokal erhalten. Für den höchst wahrscheinlichen Fall, dass die Amateure keine Ausnahmegenehmigung erhalten, hat der BFV vorgesorgt. So steht im Schreiben an das Ministerium: „Sollte eine Ausnahmegenehmigung für die noch im Wettbewerb befindlichen 24 Amateurfußballvereine nicht erteilt werden können, beantragt der BFV hiermit eine Genehmigung gemäß § 10 Abs. 2 BayIfSMV für die noch im Wettbewerb befindlichen und spielwilligen Berufssport ausübenden Vereine der Regionalliga Bayern und der 3. Liga (hier nur noch Türkgücü München). Die genaue Anzahl der insoweit auszutragenden Spiele hängt von der Anzahl der noch spielwilligen Vereine und in Verbindung damit von der konkreten Ausgestaltung des BFV-Toto-Pokal-Wettbewerbs und des Ligapokal-Wettbewerbs der Regionalliga Bayern ab.“

Dann wären ab diesem Zeitpunkt die Regionalliga-Teams Berufssportler. Ob die Regionalligisten aus Garching, Memmingen, Buchbach usw. plötzlich wirklich nur noch Berufssportler haben? Oder läuft es unter dem Motto: „Ist ja eigentlich nicht so, aber jeder weiß wie es gemeint ist“?

Regionalligisten sicher, Amateurvereine müssen abwarten 

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass der BFV den Regionalligisten in Sachen Toto-Pokal alle Türe offen halten will und die Amateure ab Bayernliga abwärts müssen sich selbst um ihre Belange kümmern und müssen dazu noch Kosten tragen, die sie vom BFV aufgebürdet bekommen. Der Verband verlangt eine Sondergenehmigung zur weiteren Teilnahme von den Vereinen, die sie per Gesetz gar nicht bekommen dürfen. Einfacher wäre es gewesen, mit den Amateuren zu sprechen und zu sagen: Passt auf, es geht leider nicht. Wir müssen auf Grund der Pandemie das mit den „Profis“ durchziehen. Für offene und ehrliche Worte hätten sicherlich viele Verständnis…

(BRUNO HAELKE) 

Quelle: Merkur.de

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