Der alte Spruch vom schwächsten Glied

Trainerkarussell bei den Amateuren nimmt weiter Fahrt auf

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Thomas Seethaler war das viel zitierte "schwächste Glied in der Kette". F: Leifer

Ein schlechter Saisonstart bringt den Trainer oft in die Bredouille. Steckt die Mannschaft erst einmal in einer Abwärtsspirale, wird oft der Coach ausgetauscht. In den letzten Wochen mussten einige Übungsleiter ihre Koffer packen. 

Der Kapitän bemüht eine alte Fußballerfloskel: „Der Trainer ist immer das schwächste Glied.“ Andreas Brandstetter zeigt damit Verständnis für die Entscheidung des FC Unterföhring, sich nach 13 Spielen ohne Sieg von Thomas Seethaler zu trennen. Aber hatte der Coach überhaupt eine Chance?

„Ich kenne in Deutschland kein zweites Team, das in die höchste Amateurliga aufsteigt und dann acht Spieler ersetzen muss“, wusste Trainer Seethaler von Beginn der Saison an von der Schwierigkeit, vielleicht sogar von der Unmöglichkeit seiner Aufgabe, den Aufsteiger, der allein fünf Spieler an den Landesligisten Türkgücü-Ataspor verloren hat, in der Regionalliga zu halten.

Seethalers Aus war in dieser noch jungen Saison bereits der vierte Trainerwechsel in der Regionalliga Bayern, schon Anfang August trat beim FC Augsburg II Ex-Nationalspieler Christian Wörns zurück, in Ingolstadt wurde Stefan Leitl zum Chef der Zweitligamannschaft befördert, Memmingen trennte sich wegen anhaltender Erfolglosigkeit von Stefan Anderl. In Unterföhring soll nun Peter Faber sein Glück versuchen, neben Präsident Franz und Spielmacher Andreas der dritte Faber im Verein.

Gerade Aufsteiger haben es schwer, wenn aus der Euphorie zu schnell Frust wird. Eine Etage tiefer trat nun Erfolgscoach Jochen Reil zurück, der den Fusionsverein SB Chiemgau Traunstein im Sommer erstmals in die Bayernliga geführt hat: „Der Aufstieg war ein tolles Erlebnis. Aber wir haben einige Probleme, das haben die letzten Wochen gezeigt.“ Als nun die Mannschaft auf den letzten Platz abrutschte und bei Reil auch private Sorgen dazukamen, zog er die Konsequenz und stellte sein Amt zur Verfügung. Es war der zweite Trainerwechsel der Saison in der Bayernliga Süd, eine Woche zuvor musste in Schwabmünchen Stefan Tutschka nach der 0:6-Pleite gegen Heimstetten seinen Stuhl räumen.

Die branchenüblichen Reflexe haben längst auch den höherklassigen Amateurfußball erreicht, zumindest was die Trainerwechsel betrifft stehen Regionalliga Bayern und die Bayernliga Süd kaum hinter den Profis zurück. In der ersten Bundesliga mussten bisher Andries Jonker in Wolfsburg und Carlo Ancelotti beim FC Bayern gehen, in der zweiten Liga wechselten Erzgebirge Aue, der FC Ingolstadt, Greuther Fürth, der 1. FC Kaiserslautern und zuletzt der VfL Bochum ihre Übungsleiter.

Ob es was bringt? Ein Forscherteam hat mal 150 Trainerwechsel in der Bundesliga untersucht und kam zu dem Schluss: Eine Mannschaft, die einen Negativlauf hat, kann nicht dauernd nur Pech haben. Ob mit oder ohne neuen Trainer – nach einer ganzen Reihe unterdurchschnittlicher Spiele wendet sich das Blatt von ganz allein. Doch den Vereinen fehlt wohl meist der Glaube.

Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor der heutigen Ausgabe ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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