Trotz Angebot aus der Bayernliga

Sieben Wunsch-Spieler sagen BCF Wolfratshausen ab

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Eines der größten Talente im Landkreis-Fußball: Der Lenggrieser Jakob Gerg.

BCF Wolfratshausen - Sieben Kandidaten aus dem Oberland, keine Zusage. Stefan Schwinghammer, Co-Trainer beim Bayernligisten BCF Wolfratshausen, ist nach der gescheiterten Talent-Sichtung frustriert.

von Patrick Staar

Sieben Kandidaten aus dem Oberland, keine Zusage. Stefan Schwinghammer, Co-Trainer beim Bayernligisten BCF Wolfratshausen, ist nach der gescheiterten Talent-Sichtung frustriert. Er unterstellt den Kandidaten eine „gewisse Trägheit und Bequemlichkeit“ und sagt: „Früher wären wir mit dem Rad zum Training gefahren, wenn wir solch eine Chance bekommen hätten.“ Trainer Steffen Galm wiederum kritisiert seine Trainerkollegen, die einen Wechsel aus Eigeninteresse unterbinden. Dies sei der Entwicklung der jungen Spieler „wenig zuträglich“.

Walter Lang Trainer des Lenggrieser SC

Der Großteil der Wunschspieler stammt aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Ein Kandidat kam aber aus dem Isarwinkel: Der Lenggrieser Jakob Gerg. Der 19-Jährige absolvierte ein Probetraining beim BCF, entschied sich dann aber für einen Verbleib in Lenggries. Dies habe aber mit Trägheit gar nichts zu tun, sagt Trainer Walter Lang: „Der Jakl ist ein wuider Hund. Der würde am liebsten sieben Mal in der Woche Fußball spielen.“ Bei jungen Burschen gebe es viele Gründe, die gegen einen Wechsel sprechen. Bei Gerg seien diese vor allem beruflicher Natur: „Er kann in der nächsten Saison wochenlang nicht richtig trainieren.“

Lang: „Der Gerg Jakl würde am liebsten sieben Mal pro Woche Fußball spielen.“

Diese Aussage bestätigt Gerg, der bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen arbeitet. „Ich mache bis zum 31. Dezember ein Selbststudium, und bin im nächsten Jahr sechs Wochen in Landshut. Zusammen mit dem Fußball wird mir das einfach zu viel.“ In ein, zwei Jahren könne er sich einen Wechsel zum BCF „durchaus vorstellen“. Natürlich hätten die Lenggrieser versucht, ihn „ein bisserl zum Verbleib zu überreden“, aber dies habe für ihn bei der Entscheidungsfindung „überhaupt keine Rolle gespielt“.

Kein wirklich ernsthaftes Interesse des BCF

Walter Lang bestätigt die Gespräche mit dem Talent und sagt: „Wenn man weiß, dass ein anderer Verein an einem Spieler dran ist, ist es doch legitim, dass man sich mit ihm darüber unterhält.“ Seiner Meinung nach habe der BCF kein wirklich ernsthaftes Interesse gehabt: „Der Jakl hätte sich innerhalb von einer Woche entscheiden müssen. Es ist nicht in Ordnung, dass man einen Spieler so unter Druck setzt.“ Grundsätzlich würde Lang einem wechselwilligen Spieler niemals einen Stein in den Weg legen. Beispiele dafür seien Karl Murböck und Werner Schuhmann, die beide beim LSC das Fußballspielen lernten und dann zum BCF wechselten.

Hans Demmel 18 Jahre Vorsitzender des SV Wackersberg

„Wo ein Wille ist, da ist ein Weg“, brummelt Schwinghammer. „Als ich Trainer in Ohlstadt war, habe ich meinen Spielern einen Arschtritt gegeben, wenn sie die Chance bekommen haben, beim BCF zu spielen. Und in Ohlstadt ist es trotzdem weitergegangen.“ Ob sich in einem Jahr noch mal die Chance bietet, könne niemand abschätzen: „Wer weiß, ob ich und Steffen Galm dann noch Trainer in Wolfratshausen sind?“

Hans Demmel war 18 Jahre lang Vorsitzender des SV Wackersberg. Er kennt das Spannungsverhältnis, in dem Vorstände und Spieler stehen. Früher habe er mit Engelszungen auf Sepp Kaltenhauser eingeredet, damit dieser weiter beim SVW bleibt: „Man will schließlich eine gute Mannschaft haben.“ Spätestens bei einem Spiel der Kreisauswahl gegen den FC Bayern München setzte bei ihm jedoch ein Umdenken ein. Kaltenhauser trumpfte groß auf, und Bayern-Ikone Mehmet Scholl sagte anschließend: „Mensch Sepp, was hast Du in der Jugend gemacht? Mit Deinem Talent hättest Du Bundesliga-Spieler werden können.“ Demmel räumt ein: „Wenn man so etwas hört, gibt einem das schon zu denken.“ Heutzutage sehe er als neutraler Beobachter einfach nur gerne rasanten Fußball: „Und das geht besser, wenn ein paar Gute beinand’ sind. Wenn die Spieler aus der Region kommen, ist es umso besser.“

Letztlich sei aber eines sicher: „Man kann die Spieler beraten. Entscheiden müssen sie sich selbst.“

Quelle: fussball-vorort.de

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