TSV 1865 Dachau - TSV 1874 Kottern - 1:2

Orkun Tugbay macht dem TSV 1865 Dachau das Leben schwer 

Der Eindruck täuscht: Viel zu selten tauchten die Dachauer Bayernligakicker gefährlich vor Kotterns Tor auf.
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Der Eindruck täuscht: Viel zu selten tauchten die Dachauer Bayernligakicker gefährlich vor Kotterns Tor auf.

Die eigentliche Vorfreude auf die Vorweihnachtszeit hält nicht lange an beim TSV Dachau. Ein zu kleiner Kader und starker TSV Kottern bescheren weitere Niederlage.

DachauLangsam wird die Luft dünn für den TSV 1865 Dachau in der Bayernliga Süd, nach der 1:2-Heimpleite gegen den TSV Kottern haben die eingefleischten Fans der Lamotte-Elf enttäuscht den Heimweg angetreten. Ein Dachauer Anhänger brachte es auf den Punkt, als er beim Passieren den Kabinentrakts meinte: „Jetzt brennt hier der Baum.“

55 Minuten ansehnlicher Fußball und 35 Minuten seltsam anmutende Passivität - das war zu wenig, um gegen den Gast aus Kottern zu punkten. Der Vorsprung auf die Abstiegs-Relegationsplätze 14 bis 17 ist marginal, der Tabellenzwölfte von der Jahnstraße muss aufpassen, nicht noch in diesem Seuchenjahr aus der grünen in die gelbe Zone zu rutschen.

Zu kleiner Spielerkader in Dachau 

Ein Problem ist derzeit der doch arg dezimierte Spielerkader, so saßen am Samstag mit Florian Mayer, Nikoy Ricter und Metin Altunkaynak nur drei Feldspieler auf der Bank des gastgebenden Vereines. Kurzfristig war beim TSV Dachau auch noch Sturmführer Robin Volland ausgefallen, er meldete sich wegen eines Magen-Darm-Infekts ab. Dominik Schäffer, der im Sparkassenpokal-Halbfinalspiel gegen Arnbach noch ein vielversprechendes Comeback in der Ersten gefeiert hatte, wurde am Wochenende in der Zweiten eingesetzt (4:3-Sieg gegen Riedmoos in der Kreisklasse). Diese Entscheidung stieß bei vielen 65-Fans auf Unverständnis, sie hätten den Ex-Karlsfelder liebend gerne im Kader gesehen – zumindest als Joker. So fehlte im Bayernligateam aus Dachau der vielzitierte „aggressiv leader“, ein Mann, der die Mitstreiter in der entscheidenden Phase nach vorne pushen kann.

Aber die Spatzen pfeifen es schon vom Dach, das Kapitel TSV 1865 Dachau scheint für Dominik Schäffer eh schon nicht mehr so aktuell zu sein, er und der gut spielende Thomas Ettenberger werden mit der Karlsfelder Eintracht in Verbindung gebracht.

Nach dem Schlusspfiff sah man nur traurige Gesichter im Lager der Hausherren, manch einem standen Tränen der Wut (oder Enttäuschung) in den Augen.

Späte Entscheidung und frühe Führung

Der Gastgeber hätte einen Punkt verdient gehabt, doch am Ende machten die Gäste das entscheidende zweite Tor – fünf Minuten vor dem Abpfiff.

Noch vor drei Wochen sprach man an der Jahnstraße optimistisch vom anstehenden „Goldenen Oktober“, doch die Patina ist mittlerweile zum Edelrost mutiert. Nun gilt es, zu retten, was zu retten ist. Klar ist: der Tabellenstand entspricht nicht dem Potenzial, das im 1865-Team steckt.

Dachau begann gegen Kottern ungewohnt passiv, man wollte den aggressiv zur Sache gehenden Gästen nicht ins offene Messer laufen. Das Team um den überragenden Sturmführer Armin Rausch legte ein höllisches Tempo vor, die Dachauer hingegen waren in der ersten halben Stunde mental überhaupt nicht auf dem Platz.

So ging Kottern schon in der 13. Minute durch Armin Rausch in Führung. In der Szene zuvor hatte 1865-Keeper Maximilian Mayer einen Volleyschuss von Yazir Sezer phänomenal gehalten, aber den Rebound verteidigten die Hausherren zu verhalten. So hatte Torschütze Rausch keine Probleme, zu vollenden, obwohl sieben Dachauer um ihn herum standen.

In der 34. Minute vergab Yazir Sezer eine weitere Riesenchance für Kottern, er drosch die Kugel aus 16 Metern über das leere Tor. Vorausgegangen war ein Konter der Gäste über die rechte Außenbahn, Armin Rausch konnte gerade noch von Keeper Maximilian Mayer abgedrängt werden.

Das erste Lebenszeichen hab der TSV 1865 kurz nach Sezers Chance ab, in der 42. Minute wurde der Ball nach dem Schuss von Triumf Gudaci aus zwölf Metern gerade noch geblockt.

„Die waren einfach giftiger als wir“

Zur Halbzeit meinte ein da schon sichtlich angegriffener Dachauer Fußballboss Ugur Alkan: „In der Anfangsphase waren wir gar nicht da, deshalb ist die Führung für die Gäste verdient. Die waren einfach giftiger als wir. Ich hoffe, das ändert sich nach dem Seitenwechsel.“

Und tatsächlich präsentierte sich der TSV Dachau im zweiten Durchgang ganz anders, die Körpersprache nährte die Hoffnung der 65-Fans auf die große Wende. Offenbar hatte Trainer Fabian Lamotte in der Kabine die richtigen Worte gefunden. Hochengagiert, mutig und aggressiv gingen die Hausherren nun zur Sache. Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten, in der 55. Minute verwandelte Mario Maric einen völlig unumstrittenen Foulelfmeter. Sebastian Brey war zuvor nach einem Solo über die links Außenbahn von Kotterns Christian Geiger sehr rüde zu Fall gebracht worden. Der Gästespieler hatte Glück, dass Schiedsrichter Stefan Dorner den roten Karton in der Tasche ließ, Geiger hatte Brey direkt auf das Schienbein geholzt.

Nach diesem Ausgleichstreffer marschierte die Lamotte-Elf weiter nach vorne, aber richtig gute Torchancen blieben Mangelware. Die beste hatte der sehr gut spielende Orkun Tugbay in der 75. Minute, der Ball strich nach einem satten Schuss aus acht Meter knapp über das Gehäuse des Kotterner Keepers.

Und so kam es, wie es kommen musste: Der pfeilschnelle Armin Rausch wetzt in der 85. Minute auf und davon, er kann auch von Fabian Lamotte nicht mehr aufgehalten oder gefoult werden. Aus zehn machte Matchwinner Rausch aus zehn Metern alles klar.

Dachaus Spielertrainer Fabian Lamotte meinte nach dem Schlusspfiff: „Eigentlich hätten wir einen Punkt verdient gehabt, aufgrund der guten zweiten Halbzeit. Aber der Sieg für die Gäste ist auch nicht unverdient, weil wir zwar Druck gemacht haben, aber nicht zu hochkarätigen Möglichkeiten kamen. Das darf man gegen so einen Gegner auch nicht erwarten, der seine Qualitäten im Umschaltspiel hat. Uns fehlte wieder einmal die Gefährlichkeit vor dem Tor – und vielleicht auch etwas das Glück, um diesen Punkt mitzunehmen.“

Stenogramm

TSV 1865 Dachau - TSV 1874 Kottern 1:2 (0:1)

TSV 1865 Dachau: Maximilian Mayer, Thomas Ettenberger, Fabian Lamotte, Alexander Weiser, Orkun Tugbay (83. Florian Mayer), Sebastian Brey, Triumf Gudaci (68. Nickoy Ricter), Mario Maric, Hüseyin Ceker, Vendim Sinani, Marcel Kosuch

TSV 1874 Kottern: Tobias Heiland, Matthias Jocham, Christian Geiger, Roland Fichtl, Armin Rausch, Tobias Hochradner (55. Mirhan Kaya), Marcello Barbera (70. Achim Speiser), Tim Buchmann, Marco Miller, Sezer Yazir (70. Timo Lutz), Marco Schad (58. Stefan Liebert)

Schiedsrichter: Stefan Dorfner

Zuschauer: 100

Tore: 0:1 (13.) – Armin Rausch. 1:1 (55.) – Mario Maric (Elfmeter). 1:2 (85.) – Armin Rausch.

Robert Ohl 

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