Erst geht Donbeck, jetzt ist auch Listl weg

Fußball-Bezirksligist TSV Dorfen steht ohne Trainer und Sportlichen Leiter da

Macht’s gut, Jungs: Nach sechsjähriger Tätigkeit als Sportlicher Leiter beim TSV Dorfen verlässt Markus Listl (r.) den Fußball-Bezirksligisten.
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Macht’s gut, Jungs: Nach sechsjähriger Tätigkeit als Sportlicher Leiter beim TSV Dorfen verlässt Markus Listl (r.) den Fußball-Bezirksligisten.

Eine Woche, nachdem Trainer Christian „Wiggerl“ Donbeck hingeworfen hat, hat sich der Fußball-Bezirksligist jetzt auch von seinem Sportlichen Leiter Markus Listl getrennt.

Dorfen – Die Abteilungsleitung hatte Trainer Donbeck und dem Sportlichen Leiter Listl vorige Woche mitgeteilt, dass der Etat zur neuen Saison um 20 Prozent gekürzt werden müsse, was der Coach als „Vertrauensbruch“ wertete und die Konsequenzen zog.

Er habe Anfang der Woche ein Gespräch mit der Abteilungsleitung geführt und den Verantwortlichen erklärt, „dass wir uns mit dem reduzierten Budget von drei Leistungsträgern trennen müssen und dass die Suche nach einem geeigneten Trainer schwer werden würde“, erzählt Listl, der über sechs Jahre die Position des Sportlichen Leiters beim TSV bekleidet hatte. „Ich wollte daher einen Teil des eingesparten Geldes vom Wiggerl in die Mannschaft beziehungsweise den neuen Trainer investieren“ – was jedoch abgelehnt wurde. Er habe schon gute Gespräche mit potenziellen Kandidaten geführt, das sei aber nun hinfällig. Er hätte die Herausforderung gerne angenommen, das sei unter diesen Bedingungen aber nicht möglich.

Dabei habe es Anfang der Woche noch so ausgesehen, als würde er bis zum 30. Juni weitermachen. Er hatte sich dazu bereit erklärt, und die Abteilungsleitung habe ihm gesagt, man würde sich darüber freuen. Einen Tag später aber habe es geheißen, der Verein wolle die Planungen selbst in die Hand nehmen, mit den Spielern sprechen und einen Trainer suchen.

Der Abschied fällt Listl nicht leicht

Dass er den TSV Dorfen nach sechs Jahren nun verlasse, falle ihm nicht leicht, gesteht Listl. „Ich habe die Spieler geholt, und es tut mir im Herzen weh, dass wir uns trennen müssen.“ Er prophezeit: „Der Verein wird im Sommer mehr Spieler verlieren, denn unsere Jungs sind begehrt.“ Der TSV Dorfen habe sich in den vergangenen Jahren „zu einem sehr guten Verein entwickelt, auch von der Außendarstellung her“. Er habe sehr gerne hier gearbeitet, betont der scheidende Sportliche Leiter. Viele Spieler hätten ihn schon angerufen, nachdem durchgesickert war, dass er den Verein verlassen werde, und seien fassungslos gewesen.

Er könne nicht hinter dem neuen Konzept stehen, stellt Listl fest. „Die Zuschauer interessiert das Budget nicht, die wollen Siege sehen, und dafür bin ich verantwortlich“, sagt er. Dennoch blicke er positiv zurück und möchte „kein böses Wort“ über den TSV Dorfen verlieren.

Ex-Trainer Donbeck ist fassungslos

Fassungslos ist auch Donbeck. „Mich wundert es, dass man so einen verdienten Mann nach sechs Jahren so gehen lässt“, sagt der Ex-Trainer. „Ich habe ihn als unglaublich loyalen Sportlichen Leiter kennengelernt, der sich mit viel Herzblut, ja fast profihaft, um die Mannschaft gekümmert hat.“ Listl sei Tag und Nacht erreichbar gewesen – auch im Urlaub. „Er war immer zuverlässig, fachlich top und verfügt über ein super Netzwerk.“ Er sei stets mit einer unglaublichen Leidenschaft dabei gewesen und habe daneben ja auch Beruf und Familie. „Unglaublich, wie er das alles hingekriegt hat.“ Donbecks Fazit: „Das ist ein ganz großer Verlust für den Dorfener Fußball.“

„Wir hätten gerne mit dem Markus weitergemacht, aber da war eben das Problem mit der Budget-Kürzung“, erklärt Vize-Abteilungsleiter Bernhard Schöberl. „Es war nicht ersichtlich, dass er hinter dem neuen TSV-Konzept steht. Er wollte mehr, aber man kann halt nur ausgeben, was man hat.“ Der Verein habe ja auch eine soziale Verantwortung. Er wolle Listl ausdrücklich für alles danken, was er in den letzten sechs Jahren geleistet habe: „Er hat Trainer und Spieler geholt, und wir stehen in der Bezirksliga gut da.“ Nun aber habe der TSV ein neues Konzept, das vor allem auf die Jugend baue. „Das wollen wir durchsetzen.“

Schöberl übernimmt den Posten kommissarisch

Wie es nun weitergeht? „Priorität hat, dass wir mit der Mannschaft reden und ihr Halt geben, denn sie hat ihre beiden wichtigsten Bezugspersonen verloren“, betont Schöberl, der ab sofort kommissarisch die Position des Sportlichen Leiters übernimmt und nun auf Trainersuche geht. Danach werde sich die Abteilung in Bezug auf die Sportliche Leitung neu aufstellen. Er blicke jedenfalls zuversichtlich in die Zukunft. „Ich sehe nicht so schwarz“, betont Schöberl. „Wir haben eine super Mannschaft und gehen beim Etat ja nicht auf Null runter.“ Für den Abteilungs-Vize und kommissarischen Sportchef ist klar: „Es geht weiter bei uns. Da habe ich keine Bedenken.“

Quelle: Merkur.de

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