Bezirksligist TSV Ebersberg kritisiert BFV-Vorgehen scharf 

Christian Kebinger: „Unfähige Leute wie Rainer Koch müssen gehen“

Schon am Boden? Die Bezirksliga-Kicker müssten im Falle eines Saison-Abbruchs und des Umsetzens der Quotientenregel absteigen
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Schon am Boden? Die Bezirksliga-Kicker müssten im Falle eines Saison-Abbruchs und des Umsetzens der Quotientenregel absteigen

Christian Kebinger vom TSV Ebersberg kritisiert das BFV-Vorgehen in Pandemiezeiten stark. Bei einem möglichen Abstieg könnte es zur Klage kommen.

Ebersberg - Im Falle eines Saisonabbruchs nach § 93 der BFV-Spielordnung (wir berichteten) wäre die zweite Herrenmannschaft der Fußballer des TSV Ebersberg in der Kreisklasse 6 sportlich fein raus. Ein Pünktchen mehr auf ihrem Konto – dank der Quotientenregelung – würde die „kleinen“ Eber vor dem Abstieg bewahren, den dann den FC Falke Markt Schwaben gemeinsam mit der Reserve des SC Baldham-Vaterstetten antreten müsste.

Für die Erste der Kreisstädter wäre das kein Trostpflaster. Mit 18 Punkten aus 23 Partien rangiert der TSV Ebersberg als Vorletzter auf Tabellenplatz 14 in der Bezirksliga Ost, weit weg vom rettenden Ufer. Der „Bezirksliga-Dino“ würde nach einem Abbruch und zehn Spielzeiten in Folge wieder auf Kreisebene antreten müssen. Im Interview mit der Ebersberger Zeitungerklärt Christian Kebinger als Mitglied der sechsköpfigen Abteilungsleitung, warum die Eber dieser Absturz „inzwischen eigentlich nicht mehr interessiert“.

Kebinger: „Wie die Saison weitergeht, interessiert doch keine Sau“

Wie wird das potenzielle Abbruch-Szenario aktuell in der Herren-Sparte des TSV Ebersberg diskutiert, Herr Kebinger?

Christian Kebinger: Meine persönliche Meinung ist seit eineinhalb Jahren, dass man es sich viel leichter hätte machen können, wenn man sich an den anderen Landesverbänden orientiert hätte. Jetzt wird es eine große Anklagewelle geben, egal, wie man es macht. Überhaupt frage ich mich auf allen Entscheidungsebenen in Politik und Verband, ob die selbst schon einmal Sport gemacht haben. Nach allem, was da passiert ist, interessiert das Thema, wie es mit der Saison weitergeht, bei uns doch keine Sau mehr.

Gibt es zu einem Abbruch der Spielzeit 2019/21 aus Ihrer Sicht jetzt überhaupt noch eine realistische Alternative?

Die Alternative gäbe es, die haben sie sich aber selber verbaut. Die wäre gewesen, sich den anderen Verbänden anzuschließen und letzten Sommer abzubrechen. Ein einheitliches Vorgehen wäre wünschenswert gewesen. Jetzt können sie sich ihr scheinheiliges Meinungsbild sparen. Vielleicht muss ein Umdenken stattfinden, damit, meiner Meinung nach, unfähige Leute wie Rainer Koch (BFV-Präsident, Anm. d. Red) ihr Amt räumen.

Ich nehme an, die in einem Abbruchfall entscheidenden Punkte-Quotienten haben Sie längst für beide Herrenteams ausgerechnet?

Eigentlich gar nicht ernsthaft, weil uns dieses Szenario nicht mehr interessiert. Bei uns fällt weder das Wort Bezirksliga noch Kreisliga. Wir planen generell nicht mehr für die eine oder andere Liga, sondern versuchen, die Leute mit Spaß an der Freude irgendwie bei der Stange zu halten. Das ist nur noch Schadensbegrenzung.

TSV Ebersberg: Aufsteiger sollen aufsteigen, keine Absteiger

Inwiefern wären ein solcher Saisonausgang und Abstieg angesichts der Gesamtperformance im Falle der Eber gerecht?

Gut, vielleicht war für uns nicht mehr drin. In den letzten Spielen wäre es auch verdammt schwierig für uns mit dem Klassenerhalt geworden. Aber wir haben den jüngsten Trainerwechsel nicht vollzogen, um auf Biegen und Brechen die Klasse zu halten. Die fairste Lösung wäre für mich nicht nur aus TSV-Sicht gewesen: Aufsteiger sollen aufsteigen, keine Absteiger. Da fehlt Weitsicht in puncto Klagen-Hagel.

Würde der TSV Ebersberg versuchen, den Klassenerhalt einzuklagen?

Wir haben noch nicht diskutiert, ob wir uns an solchen Klagen beteiligen würden, sondern nur die Weichen für eine vernünftige Vereinsplanung gestellt.

Welche konkreten Auswirkungen für Ihre Abteilung lassen sich denn bereits heute aus einem Abstieg in die Kreisliga ableiten?

Gar keine, Null Komma Null. Nur die Jugendspieler werden sich leichter tun, ihren Weg in unsere Erste zu gehen. Genau diesen Weg wollen wir aber auch weitergehen: Auf unsere eigene Jugend und vielleicht weniger auf sportlichen Erfolg setzen.

Ob Bezirksliga oder Kreisliga ist für Ebersberg künftig also egal?

So würde ich das nicht sagen. Für die Ausrichtung der Abteilungsleitung ist es eigentlich egal. In der Bezirksliga weiterzumachen, wäre aber schon ’Nice to have’. Denn die Bezirksliga ist ein Zugpferd für Jugendspieler, die natürlich lieber dort als in der Kreisliga spielen. Gerade wenn die Jugend unsere einzige Chance ist, weil wir auch keine Gehälter zahlen.

TSV Ebersberg: Timi Tepedelen ist keine Interimslösung

Wäre in der Kreisliga ein personeller Umbruch denkbar oder bleibt der aktuelle Kader des TSV Ebersberg beisammen und müsste sich demnach auf Anhieb wieder in die Bezirksliga hochschießen?

Aufsteigen ist immer schwieriger als nicht abzusteigen. Wir haben mit den Spielern gesprochen und die meisten sagen: Wo soll ich aktuell auch sonst hin? Auch unsere Alteingesessenen schwenken gerade um, sodass der Kader zu 90 Prozent mit punktuellen Veränderungen aus dem Nachwuchs zusammenbleiben wird.

Wird die neue Interimslösung für die Erste, Timi Tepedelen, im Abstiegsfall zur Dauerlösung auf der Trainerbank?

Das wird sich zeigen, aber eigentlich ist Timi keine Interimslösung. Wir setzen uns im Sommer wieder zusammen, aber er ist grundsätzlich genauso wie wir an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert. Wir als Abteilungsleitung wollen diese Baustelle möglichst schnell begraben. Und Timi wäre dafür eine geile Lösung. Er ist ein sehr gut ausgebildeter Trainer und kann sehr gut mit jungen Leuten.

Wo würden Sie – in pandemiefreien Zeiten – das sportlich natürliche Habitat der Eber verorten?

Ein Kreisstadtverein wie wir gehört ganz klar in die Bezirksliga. Es muss als Verein TSV Ebersberg mit Unterstützung der Stadt kurz- und langfristig das Ziel sein, sich in der Bezirksliga zu etablieren. Und wenn dieser Haufen zusammenbleibt, bin ich guter Dinge, dass wir im Abstiegsfall sehr schnell wieder dort anklopfen werden.


Das Interview führte
Julian Betzl

Quelle: Merkur.de

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