Interview

Alexander Lungwitz hat den Sprung in den Profifußball geschafft – auch dank des Merkur CUP

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Er hat sich stetig weiterentwickelt: Alexander Lungwitz (r.) ist zuversichtlich, dass er bei der SpVgg Greuther Fürth bald sein Zweitliga-Debüt feiern wird.

Einst Merkur CUP-Kind, heute Profifußballer: Alexander Lungwitz (19) wechselte vor einem Jahr zur SpVgg Greuther Fürth – und hat diesen Schritt nie bereut.

Fürth/Günzenhausen – Einst als Bub mit dem TSV Eching beim Merkur CUP aktiv, zog es Alexander Lungwitz aus Günzenhausen über die sportlichen Stationen SE Freising und FC Bayern München vor einem Jahr zur SpVgg Greuther Fürth. Über seine Erinnerungen an das größte E-Junioren-Fußballturnier der Welt, den bisherigen Verlauf seiner Karriere und seine jüngsten Eindrücke aus der Zeit des Corona-Lockdowns spricht der 19-jährige Abwehrspieler im großen FT-Interview.

Herr Lungwitz, können Sie sich noch an Ihre Auftritte beim Merkur CUP erinnern?

Ja, klar. Zweimal durfte ich als Spieler des TSV Eching an diesem tollen Turnier teilnehmen. Die klassischen Gewinner hießen aber schon damals immer FC Bayern oder 1860, weil sie einfach qualitativ überlegen waren.

Trotzdem dürfte der Merkur CUP stets einen besonderen Platz in Ihrem Fußballerherz behalten, ebneten doch Ihre damaligen Leistungen den Weg zum großen FC Bayern. . .

Während des Turniers vor Ort ist keiner auf mich zugekommen, aber damals lief ja auch viel über die Eltern. Tatsächlich gab es anschließend Kontakt zu den Scouts von Bayern und 1860, die mich zu Probetrainings einladen wollten. Aus dem Merkur CUP gingen weitere Beobachtungen hervor, und schließlich wurde mein Vater von Jan Pienta direkt angesprochen, der hat danach auch öfter zugeschaut. Aber gerade, wenn man als E-Jugendlicher weiß, unter den Blicken der Scouts zu spielen, ist man nervös und mega aufgeregt, speziell vor den Duellen gegen die größeren Vereine. Pienta war es auch, der mir den Rat gegeben hat, möglichst schnell zu einem größeren Verein wie dem SE Freising zu wechseln, bevor ich dann zum FC Bayern gegangen bin (Jan Pienta ist für den FC Bayern München als Scout tätig, er entdeckte unter anderem künftige Weltstars wie Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm und lotste sie zum FCB, Anm. d. Red.).

„Als junger Spieler nicht aufzugeben – das ist wichtig.“

Wie wichtig ist dieser nicht unerhebliche Schritt, möglichst früh zu einem größeren Club zu wechseln?

Früher oder später ist es natürlich wichtig, um sich als junger Spieler weiterentwickeln zu können. Wenn man merkt, qualitativ weit über den Mitspielern seines Dorfvereins zu stehen – und das ist bitte nicht falsch oder gar negativ zu verstehen –, dann wird es meiner Meinung nach Zeit für den nächsten Schritt. Das muss ja nicht gleich das Nachwuchsleistungszentrum sein, schließlich entscheiden über die Aufnahme dorthin die Proficlubs selber. Aber als junger Spieler dranzubleiben an seinem Traum vom Profifußball und nicht aufzugeben – das ist wichtig. Das Zeitfenster wird mit zunehmendem Alter natürlich kleiner. Wer sich erst mit 17 Jahren entscheidet, der hätte es schon brutal schwer.

Gab es denn auf Ihrem sportlichen Weg Momente, in denen Ihr Traum zu scheitern drohte?

Die gab es definitiv! Es läuft zwischendurch mal nicht, weshalb man durchaus an sich zu zweifeln beginnt. Diese Phase durchläuft gewiss jeder Sportler mal. Bei mir war es im ersten Jahr bei den Bayern so, in dem ich es ganz, ganz schwer hatte: kaum Einsatzminuten und fast nur auf der Bank gesessen. Dabei wollte ich doch nur spielen. Abgekürzt als Resümee aus der Zeit: Ich war einfach nicht gut genug. Aber das muss man erstmal kapieren und diesen selbstkritischen Ansatz finden, um härter an sich zu arbeiten und bessere Leistungen zu zeigen. Das müsste im Jahr 2013 gewesen sein. Da war ich phasenweise echt am Boden und wusste nicht mehr weiter.

„Meine Familie stand immer hinter mir.“

Wie gelang es Ihnen, diese Phase nicht nur zu überstehen, sondern sogar gestärkt daraus hervorzugehen?

Meine Familie stand immer hinter mir, das war für mich das Wichtigste. Meine Eltern haben mich entscheiden lassen und keinerlei Druck ausgeübt. „Wenn du aufhören willst, kein Problem“, sagte mein Vater damals, „ansonsten bleib’ dran, versuche es ruhig weiterhin.“ Dieses Vertrauen habe ich gespürt und ich konnte viel Kraft daraus schöpfen. Dazu kam dann die Einsicht, dass es bei den Top-Clubs nur darum geht, die besten Spieler herauszufiltern – und wer da nicht herausragt oder positiver auffällt als die anderen guten Spieler, der spielt halt nicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass die übrigen Spieler seitens des Vereins vernachlässigt werden. Aber wenn man dann seine Chance bekommt, muss man sich beweisen, auch wenn man den immensen Druck spürt.

Im vergangenen Sommer wechselten Sie von der Isar zum Kleeblatt nach Fürth. Wie kam es dazu? Und was gab den Ausschlag für den Zweitligisten?

Grundsätzlich läuft so etwas ja über die Berater, mit denen es in der U 16 oder U 17 meist anfängt. Als ich im zweiten Jahr mit dem FC Bayern in der U19-Bundesliga gespielt habe, machte ich mir Gedanken, wie es weitergehen soll. Vom FCB kam dann auch ein Angebot für die U 23, die zu dem Zeitpunkt allerdings noch in der Regionalliga spielte – der Aufstieg war ja nicht garantiert. Doch ich wollte unbedingt probieren, einen Schritt weiterzugehen, und habe daher meine Berater beauftragt, sich nach entsprechenden Möglichkeiten umzuhören. Auch dank meiner Auftritte in der Jugendnationalmannschaft lagen mir dann einige Angebote vor. Meine Wahl ist allerdings sehr schnell auf die SpVgg Greuther Fürth gefallen, da mich die Philosophien des Vereins und des Trainers überzeugt haben – und mit meiner Entscheidung bin ich immer noch glücklich.

Alexander Lungwitz hofft auf baldigen Zweitliga-Einsatz

Wie lief es für Sie im ersten Jahr in Franken?

Auf dem Papier schaut es nicht so rosig aus, weil ich ja noch keine Einsatzminute in der 2. Liga hatte. Aber ich habe mich weiterentwickelt, bin näher an den Zweitliga-Kader herangerückt und zuversichtlich, bald zum Einsatz zu kommen. Schließlich war es das Wechseljahr vom Jugend- in den Herrenbereich. In den Vorbereitungsphasen im Sommer 2019 und Winter 2020 durfte ich bei den Profis spielen und habe auch gutes Feedback bekommen. Ansonsten war ich stets Teil der Ersten Mannschaft, habe dort auch trainiert, war einige Male im Aufgebot für eine Zweitliga-Partie und habe regelmäßig in der U 23 in der Regionalliga Bayern gespielt.

Das war von der Spielweise her bestimmt eine große Umstellung zwischen der A-Jugend-Bundesliga und der Regionalliga Bayern, oder?

Bei der Fürther U 23 hatte ich anfangs tatsächlich Schwierigkeiten reinzukommen. Im Vergleich zum FCB wurde viel mehr mit langen Bällen operiert. Bei Bayern lernte ich ja, praktisch alles spielerisch und eher „schön, schön“ zu lösen, während nun auch mal der befreiende lange Ball gefragt war. Bei den Profis ist mir aufgefallen, dass viel körperlicher und temporeicher als im Unterbau gespielt wird, was man als junger Spieler natürlich erstmal lernen muss.

Wie bei Tausenden weiteren Fußballern von der vierten Liga abwärts datiert Ihr letzter Pflichtspieleinsatz noch aus dem Jahr 2019. Wie machten sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Ihrem Arbeitsalltag als Fußballprofi bemerkbar?

Kurz vor dem Spiel gegen Hamburg erfuhren wir von der plötzlichen Absage. Als Mannschaft haben wir uns da natürlich gefragt, wie und wann es wohl weitergehen würde. Der Verein reagierte aber recht schnell auf den dann folgenden Lockdown und ließ uns Spinning-Bikes nach Hause liefern. Dazu sollte sich jeder auch individuell durch Jogging und beim gemeinsamen Cyber-Training bestmöglich fit halten. Und dann blieb uns nur zu warten, wann es wieder losgeht. Es war ein komplett verdrehter Alltag, den der Verein aber durch die Betreuung vom Ablauf her gut gemeistert hat.

Zwischen Trainingsfleiß und Corona-Test

Der Re-Start erfolgte dann unter strengen Auflagen. Wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt?

Für uns war es ein großer Schritt, als wir auf den Platz zurück und in Kleingruppen trainieren durften. Denn wir alle haben den Fußball vermisst, und es war echt schön, sich wiederzusehen. Wir waren ja an unsere Wohnungen gebunden, jeglicher Kontakt zu Freunden war untersagt. Die DFL hat ganz klare Vorgaben gemacht und Richtlinien rund um die Quarantäne und das private Verhalten veröffentlicht. Wir wurden regelmäßig vor und nach den Spielen auf Corona getestet – und so wird es auch weitergehen, wenn die Sommerpause vorbei ist.

Können Sie denn jetzt irgendwie Urlaub machen, insbesondere mit Blick auf die erwähnten Richtlinien der DFL?

Urlaub zu machen, ist nicht verboten. Jeder sollte jedoch zum Beispiel größere Veranstaltungen und Menschenansammlungen meiden. Weil ja im Fall von positiven Testergebnissen zum Trainingsstart Quarantäne droht.

Vor allem im Jugendbereich steigen deutschlandweit die Abmeldezahlen. Auch die Kinder müssen sich bis zum nächsten Merkur CUP-Turnier weiterhin gedulden. Warum lohnt es sich dennoch, zu warten und nicht die Sportart zu wechseln?

Alle, die Fußball mit Leidenschaft spielen, wissen genau, was sie am Fußball haben. Trotz der langen Pause kann ich nur empfehlen, einfach hungrig zu bleiben und sich auf den Tag zu freuen, wenn es mit den Freunden endlich in gewohnter Form zurück auf den Platz geht. Ich bin da wirklich zuversichtlich, dass es bald soweit ist. Andererseits kann ich aber auch verstehen, wenn man sich jetzt Gedanken über eine andere Sportart macht, bevor man nur zu Hause rumsitzt. Aber das wäre für so einen tollen Sport wie den Fußball schade.

Lesen Sie auch: Telekom Cup in Düsseldorf: Lungwitz debütiert bei den großen Bayern

Quelle: Merkur.de

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