Serie: Legendäre Entscheidungsspiele

TSV Eching: Ein Jahr mit Willi Bierofka

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Gebührender Abschied: Willi Bierofka war nur eine Saison lang Trainer beim TSV Eching, bevor er die Löwen in der Bayernliga übernahm. Nach dem Aufstieg in die Landesliga feierten ihn seine Spieler noch auf dem Spielfeld.

Das FT blickt im Rahmen seiner Serie zurück ins Jahr 1988, als der frühere Bundesliga-Fußballer Willi Bierofka den TSV Eching zurück in die Landesliga führte.

Eching – Der TSV Eching hatte zwei nervenaufreibende und schwierige Jahre hinter sich. 1985/86 wollte es der Club nach seinem zweiten Bayernliga-Aufstieg besser machen als beim ersten Versuch. Doch anstatt des anvisierten Klassenerhalts rutschte der ganze Verein in eine Krise. Im Winter wurde Toni Plattner entlassen, im April musste auch Clubchef Willi Frömel, dem man das Zerwürfnis mit Plattner anlastete, gehen. Frömel hatte mit Erich Beer, dem Ex-Nationalspieler von Hertha BSC und ehemaligen Löwen-Profi, einen großen Namen an die Dietersheimer Straße geholt, wohl aber unterschätzt, dass die meisten Spieler weitgehend hinter Plattner standen. Der Wechsel von Wolfgang Leitl zu den Löwen in der Winterpause schwächte die Mannschaft zusehends – am Ende stieg der TSV als Tabellenletzter ab.

Nicht viel mehr Glück bei den Trainerverpflichtungen hatte Günther Bockisch, der im April 1986 das Amt des Vorsitzenden übernommen hatte. Erich Meidert, Sigi Bönig, ein relativ unbekannter Jugoslawe und zuletzt Michael Widhopf – in der Landesliga verschliss man gleich vier Übungsleiter und stieg trotzdem im Jahr 1987 in die Bezirksliga ab.

Die Null stand: Torhüter Andi Alter und seine Vorderleute hielten im Entscheidungsspiel im Dantestadion ihren Kasten sauber – und legten damit den Grundstein für den Erfolg.

Dann gelang der neuen Führung um den Vorsitzenden Hans Lang und vor allem Fußball-Abteilungsleiter Robert Hofmeier ein Coup: Sie holten für die Saison 1987/88 Willi Bierofka – und mit ihm genau den richtigen Mann für einen Neuaufbau mit vielen, jungen Spielern und Eigengewächsen wie Witzl, Alter, Wolf, Portner, Schiller und Lantenhammer. Bierofka half aber nicht nur bei der Kaderplanung mit, ihm gelang es, das Umfeld mitzunehmen.

Und doch gab es gegen Ende der Saison viel Knatsch: Die Löwen wollten ihn als neuen Trainer – ausgerechnet seine alte, große Liebe. Dorthin war er 1973 als 20-Jähriger gewechselt, dort wurde er unter Max Merkel Stammspieler in der 2. Bundesliga. In der Saison 1976/77 hatte er maßgeblichen Anteil am Aufstieg in die 1. Liga. Lange Zeit dementierte er Berichte in den Boulevard-Zeitungen – letztlich ging er nach nur einer Saison doch.

Das Duell der Trainer mit dem großen B

Bevor er den Dienst an der Grünwalder Straße antrat, bescherte ihm sein Echinger Team noch einen gebührenden Abschied. In der Liga setzte sich der TSV knapp vor der SpVgg Feldmoching, einer ehemaligen Mannschaft Bierofkas, als Meister durch. Es war die Saison, als die Bezirksoberliga eingeführt wurde, Erster und Zweiter konnten diese aber überspringen.

Die drei Meister der oberbayerischen Ligen ermittelten zwei Landesligisten. Es kam zum Duell der Trainer mit dem großen B: Bierofka traf zuerst auf Beer (TSV Grünwald), Bönig (FC Moosinning) wartete auf den Verlierer – alle drei waren aktuell oder in der Vergangenheit Trainer des TSV Eching.

Das Goldene Tor erzielte Jürgen Meisen. Der gebürtige Dürener war Abwehrchef des Teams. Links vorne der schon verstorbene Stefan Reich, rechts der damalige Echinger Bürgermeister Joachim Enßlin.

Die Echinger bangten vor der Partie am Mittwoch, 8. Juni 1988, um ihren Mittelstürmer Michael Witzl. Der hatte am drittletzten Spieltag die Rote Karte gesehen, blieb allerdings trotz aller Interventionen der Echinger auch für die Partie im Dantestadion gesperrt. Es kamen Zweifel im eigenen Lager auf, der Kader war nach Verletzungen arg geschrumpft. Doch Bierofka vertraute den Jungen in seiner Elf.

Echings Abwehrchef macht das entscheidende Tor

Die 90 Minuten gegen Grünwald wurden zu einer zähen Angelegenheit. Die rund 800 Besucher sahen bereits in der 37. Minute das Goldene Tor. Erzielt hatte es mit Jürgen Meisen der Abwehrchef – eine imposante Erscheinung auf und neben dem Spielfeld, die zweite neben dem unvergessenen, jedoch viel zu früh verstorbenen Stefan Reich, dem Lenker im Mittelfeld.

Damit hatte die Konsolidierung nach dem zweimaligen Abstieg einen guten Abschluss gefunden. Bierofka wurde auf dem Spielfeld und später im Sportheim gefeiert. Er selbst empfand den Sieg als verdient („Wir sind geschlossen aufgetreten“) und seinen Abschied aus Eching als „phänomenal“. Und irgendwie tat es ihm leid, dass er nun ging. Sein Nachfolger in der Landesliga wurde Louca Moussa Baba, ein ehemaliger Spieler bei den Amateuren des FC Bayern München.

TSV Eching – TSV Grünwald 1:0 (1:0) 

(Mittwoch, 8. Juni 1988, Dantestadion München)

TSV Eching: Alter – Lantenhammer, Meisen, Portner, Botzang – Wolf, Reich, Kowalczyk, Schiller (30. Möller), Böhlert (75. von Rützen) – Leutner.

TSV Grünwald: Thiel – Härtl, Böhm, Buchenberger, Hochmuth, Seidl, Maier, Doppler, Mayer, Schenk, Adam.

Tor: 1:0 Meisen (37.).

Schiedsrichter: Scheurer (München).

Zuschauer: 800.

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Quelle: Merkur.de

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