„Ihm haben wir das alles zu verdanken“

TSV Farchant engagiert sich seit 12 Jahren im Mädchenfußball

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Bunt gemischt : die Frauen und Mädchen des TSV Farchant mit ihren Coaches Manfred Hamberger, Süleyman Genc und Fritz Dewald. 

Süleyman Genc zeigt mit dem Finger auf ihn. „Ihm haben wir das alles zu verdanken“, sagt er im forschen Ton – und lacht los. Ja, genau. Ihm haben sie es zu verdanken, die Farchanter:

VON CHRISTIAN FELLNER

Farchant – Fritz Dewald war’s. Vor zwölf Jahren kam der Jugendtrainer auf die Idee, die Frauen könnten im TSV Farchant eine fußballerische Heimat finden. 2007 gründete er eine Mädchen-Mannschaft. Viele schmunzelten. Er aber zog durch – bis heute. Zwölf Jahre sind es jetzt. „Immer hat es eine Mädchenmannschaft gegeben“, sagt Dewald stolz.

Ein Jahr später folgten die Damen. Ein Kleinfeld-Team gründete sich, das – im Gegensatz zum Nachwuchs – nicht in all den Jahren spielte. Dewald fand nicht immer Mitstreiter, wie er sie heute hat. Manfred Hamberger beispielsweise, der im Frühjahr die Abteilungsleitung der TSV-Fußballer abgegeben hat. Oder eben Genc, dessen Tochter selbst in Farchant kickt. Die beiden kümmern sich um die Frauen, sind mit ihnen 2018 aufs Großfeld gewechselt – in einer Spielgemeinschaft mit dem 1. FC Garmisch-Partenkirchen.

Der TSV Farchant stellt mit seinem Engagement so etwas wie eine Insel dar. Im weiten Ozean des Landkreis-Fußballs gibt es zwar einige Vereine, die den Frauen eine Heimat bieten, allerdings nur zwei Klubs, die etwas für die Nachwuchsarbeit tun: Farchant und die SG Seehausen/Uffing. „Früher waren es mehr Vereine – und andere“, sagt Dewald. Krün zum Beispiel und natürlich Oberau und Grainau, die Wiegen des Frauenfußballs in der Region. Heute sind weiterhin der FCO und der TSV Murnau die Aushängeschilder im Frauenbereich. „Aber sie haben keine Mädchen, keinen Unterbau“, betont Dewald.

Warum so wenige Vereine auf diese Karte setzen, in dieser Frage braucht Hamberger nicht lange zu überlegen. „Ich denke, der Hauptgrund ist, dass sich die Klubs nicht ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen. Es gibt zu wenige Trainer, die sich darauf einlassen, Mädchen und Frauen zu trainieren.“ In den meisten Vereinen spielen die Mädchen bei den Burschen mit. Bis zur D-Jugend dürfen sie es, mit einer Ausnahmegenehmigung noch in der C-Jugend. Lediglich Auswahlspielerinnen wird ermöglicht, in einer männlichen U17 kicken zu können. „Daher ist das Angebot relativ schnell zugedreht“, bedauert Hamberger.

Wie wenige Klubs es sind, zeigt der Blick auf die Ligen. Dewalds U17 (B-Juniorinnen) spielte bis zuletzt auf dem Kleinfeld. „Der nächste Gegner war Waakirchen, sonst sind wir nur in den Münchner Osten und bis hinter Fürstenfeldbruck gefahren.“ Das hat beim Trainer zu einem Umdenken geführt. Er wagt zur neuen Saison den Sprung auf den großen Rasenplatz. Elf gegen elf heißt es dann statt sieben gegen sieben. Neuland. „Das wird sicher nicht einfach“, vermutet der Coach. Aber: Die Liga ist weit interessanter. Seehausen spielt dort, Peiting, Münsing, Dießen – viele Teams liegen näher. „Und wenn es gar nicht geht mit der Umstellung, dann können wir im Winter zurückwechseln.“

Um das Engagement des TSV auch mehr nach außen hin zu demonstrieren, veranstalten die Farchanter am Samstag, 20. Juli, den Tag des Mädchenfußballs im Sportzentrum Föhrenheide (siehe Kasten). „Wir erhoffen uns einen kleinen Schub“, sagt Hamberger. Kapazitäten für mehr Spielerinnen und gar Mannschaften habe der TSV. 19 Mädchen umfasst aktuell das U17-Team, 20 Spielerinnen listet Hamberger in seinem Kader auf. „Wir haben fixe Trainingszeiten, zweimal in der Woche für beide Teams.“ Traumhafte Bedingungen, die wenige Klubs bieten können. „Wir lassen uns überraschen, was am Samstag passiert“, sagt Hamberger. Er sieht vor allem ein Problem, warum die Mädchen Berührungsängste haben: „Oft werden sie von den Burschen angegangen, wenn sie Fußball spielen.“ Auch ein Grund, warum der TSV sein Programm so forciert. „Wir freuen uns, wenn alle Mädchen kommen, die Lust aufs Kicken haben.“

Quelle: Merkur.de

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