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TSV Gräfelfing: „Wille kann Berge versetzen“ - Aus der Krise zum gestandenen Kreisligisten

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Von: Christian Heinrich

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Gut lachen: Hat Sascha Polecki, nachdem er den Klassenerhalt mit den Wölfen eingetütet hat.
Gut lachen: Hat Sascha Polecki, nachdem er den Klassenerhalt mit den Wölfen eingetütet hat. © Dagmar Rutt

Der TSV Gräfelfing hat eine große Krise überwunden. Sascha Polecki hat das Team zu einem echten Kreisligisten geformt. So soll es weitergehen.

Gräfelfing – Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hätte, dass neue Zeiten an der Hubert-Reißner-Straße angebrochen sind, dann war der 5:0-Erfolg des TSV Gräfelfing im Derby beim SV Planegg-Krailling wie geschaffen dafür. „Das war ein großes Ausrufezeichen in die Region, dass der Wille Berge versetzen kann“, sagt Sascha Polecki bezüglich des Sieges in der finalen Partie dieser Kreisliga-Saison, der den Wölfen den Klassenerhalt bescherte.

„Das war ein großes Ausrufezeichen in die Region, dass der Wille Berge versetzen kann.“

Sascha Polecki, Trainer von Fußball-Kreisligigst TSV Gräfelfing über den abschließenden 5:0-Sieg beim SV Planegg-Krailling.

Der TSV-Trainer hatte die ganze Saison über an seine Mannschaft geglaubt, obwohl dieser Glaube immer wieder erschüttert wurde.

So gab es vor allem im vergangenen Herbst nicht wenige, die eindringlich an ihn appellierten, „dass wir Verstärkungen brauchen“. Aber der Coach ließ sich nicht beirren, weil er vom Potenzial seines Kaders überzeugt war: „Ich wusste, was in der Mannschaft steckt.“

Als Polecki im vergangenen Sommer das Kommando von Konstantin Schachtner übernahm, der noch während der Vorbereitung vor die Tür gesetzt worden war, wusste man nur, dass der TSV eigentlich keine Mannschaft hatte, die diesen Namen verdiente. Zu einem Testspiel erschienen einmal nur sieben Kicker. Es schien Wichtigeres zu geben für das Team, als sich auf eine harte Saison in der Kreisliga vorzubereiten. Die Premiere gegen den FC Wacker ging denn auch mit 0:6 in die Binsen. Rückblickend macht Polecki diese Pleite aber zum Ausgangspunkt für den Neustart. „An sich war das im allerersten Spiel die Trendwende.“ Es folgten zwar dann noch ein paar Niederlagen, doch der Übungsleiter hatte den Eindruck, dass seine Elf nicht mehr völlig chancenlos war. „Wir hätten auch gewinnen können“, konstatierte er nach der zweiten Niederlage gegen den N.K. Hajduk München.

In den folgenden Monaten vollzog sich eine nicht immer lineare Entwicklung innerhalb der gesamten Mannschaft. Es war ein Wandel durch Handel. Polecki machte es teuer, in seinem Team trainieren zu dürfen. Ein Strafenkatalog füllte nicht nur die Kasse, er gab den Spielern auch Orientierung, was von ihnen erwartet wird. „Wir haben versucht, den Jungs Pünktlichkeit beizubringen“, erklärt der Coach. Manche mögen in antiautoritären Zeiten bei viel eingeforderter Disziplin die Hände über den Kopf zusammenschlagen, für die Gräfelfinger war sie ein Segen. Denn sie ging damit einher, dass den Fußballern noch ein klar strukturiertes Spielsystem an die Hand gegeben wurde, das auch etwa die Ausführung von Standards regelte. „Die Jungs haben sich an etwas klammern können“, sagt Polecki.

Die Kicker sahen aber auch, dass sich im Rudel eine Rangordnung entwickelte, die mit dazu beitrug, dass in der Rückrunde 24 Punkte erstritten wurden. Mit dieser Bilanz schlossen die Wölfe, nur die Phase nach der Winterpause betrachtet, als Fünfte ab, davor waren sie mit elf Zählern an 13. Stelle gelandet. Hinter den Zahlen verbirgt sich ein verblüffender Prozess. Obwohl sich der Kader aus mehreren Generationen zusammensetzt, gibt es keine Grenzen zwischen den verschiedenen Jahrgängen mehr. „Wir haben eine homogene Truppe“, verkündet Polecki mit berechtigtem Stolz, und er spricht von „Freundschaft“, die auf und neben dem Platz zu spüren ist.

Man darf gespannt sein, was von dieser Atmosphäre übrig ist, wenn der TSV Gräfelfing am 2. Juli die Vorbereitung auf die kommende Saison beginnt. Fehlen werden dann Emre Yalcin, der zum FC Fürstenried wechselt, und Jeremy Stubhan, der sein Glück beim TSV Großhadern versucht. Ansonsten bleibt der Kader aber zusammen, der durch Vincent Hellbig verstärkt wird, den es aus Halle ins Würmtal verschlagen hat. Ob sich noch weitere Spieler dem TSV anschließen, wird sich in den kommenden Wochen bis zum Transferschluss weisen.

Die Ehemaligen, die den Verein einst verließen, weil sie die Zustände im Verein als unerträglich empfanden, sollen den Neuaufbau des Klubs mit Wohlwollen registrieren. Auch vom eigenen Nachwuchs ist noch einiges zu erwarten, weil A-Jugend-Coach Michael Bittner kollegial mit Polecki zusammenarbeitet. „Diesen Weg möchte ich weitergehen“, verkündet der Trainer der Ersten. „Wir haben ein tolles Team und tolle Jungs.“

„Diesen Weg möchte ich weitergehen. Wir haben ein tolles Team und tolle Jungs.“

Sascha Polecki soll auch in der kommenden Saison als Cheftrainer beim TSV Gräfelfing an der Seitenlinie stehen.

Auch in der kommenden Saison wird er wieder die Verantwortung tragen. In seinem ersten Jahr als Coach hat der Lehrling seinen Job hervorragend gemacht. „Man lebt von der Praxis“, sagt der gelernte Banker und Filialleiter. So manches, was in seinem Geldinstitut gang und gäbe ist, übernahm er in den Verein, und das waren sicherlich nicht nur die Strafzinsen. Kredit sollte er nach dem Klassenerhalt und Tabellenplatz acht jedenfalls genug von seiner Abteilungsleitung bekommen. Allein schon, weil sich für diesen Job im vorigen Sommer wohl kein anderer Trainer zur Verfügung gestellt hätte. Und unter welchem Coach hat der TSV Gräfelfing denn schon mit 5:0 das Derby in Planegg gewonnen? (Christian Heinrich)

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