„Aus is’ und gar is’ und schad’ is’, dass’ wahr is’“

TSV Gräfelfing: Schmidt-Ära ist vorbei - Neue Führung gewählt

Einige Veränderungen gab es nach der Mitgliederversammlung des TSV Gräfelfing zu verzeichnen.
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Einige Veränderungen gab es nach der Mitgliederversammlung des TSV Gräfelfing zu verzeichnen.

Beim TSV Gräfelfing hat sich in der Vereinsspitze nach der gestrigen Mitgliederversammlung einiges verändert. Stefan Schmidt dankte ab und seine Nachfolger wurden anschließend gewählt.

Gräfelfing – Es ist 20.08 Uhr, als Stefan Schmidt seine sechseinhalbjährige Amtszeit als Fußballabteilungsleiter des TSV Gräfelfing mit einem Spruch beendet, den – wie er erzählt – seine Oma gerne zu sagen pflegte: „Aus is’ und gar is’ und schad’ is’, dass’ wahr is’.“ Tatsächlich wird Schmidt erst eine Minute später von seinen Pflichten entbunden, nachdem ihn die über 80-köpfige anwesende Mitgliederschar bei der Jahresversammlung der Fußballer in der TSV-Halle per Akklamation entlastet hatte.

TSV Gräfelfing: Reibungsloser Ablauf bei der Mitgliederversammlung

Dass dies am Dienstagabend so einmütig und unproblematisch vonstattenging, passte zum gesamten Abend. Im Vorfeld hatte es Verwirrung gegeben, nachdem Schmidt im Gespräch mit dem Münchner Merkur angekündigt hatte, nicht mehr kandidieren zu wollen – mehr oder weniger aus dem Nichts. Christian Stigloher war sich bis zur Wahl unsicher, ob er wirklich der einzige Anwärter auf den Abteilungsleiter-Posten sein würde, schließlich habe Schmidt ihm noch am vorigen Donnerstag mitgeteilt, „dass er wieder antritt“ (wir berichteten). Aber nein, der Spartenchef blieb seiner Aussage von Montag treu und verzichtete. Details zum Hintergrund dieser Entscheidung blieb der im Verein nicht unumstrittene Schmidt auch am Dienstag schuldig. Er hielt sich bedeckt: „Sechseinhalb Jahre – das langt.“ Als letzte Amtshandlung ehrte er acht Mitglieder für langjährige Abteilungszugehörigkeit, allen voran Christa Schmidt für 25 Jahre. Auf das Überreichen der Anstecknadeln und Urkunden verzichte man coronabedingt, die Ehrungen würden per Post verschickt, so Stefan Schmidt.

Dann wünschte er seinem Nachfolger viel Glück, setzte sich ins Publikum und machte den Weg frei für einen Mann, mit dem er seit 2018 im Führungsgremium zusammengearbeitet hatte. Als Schriftführer hatte Christian Stigloher (51) zweieinhalb Jahre in die Vorstandsarbeit hineingeschnuppert, künftig ist er der Hauptverantwortliche. An seiner Seite hat er mit seinem 35-jährigen Stellvertreter Andreas Gries („Ich kenne den Verein wie meine Westentasche, der Posten ist mir eine Ehre“) und Kassier Sascha Polecki (33) zwei Spieler aus der Gräfelfinger Kreisliga-Elf. Das Quartett komplettiert Jan Konarski (52) als Schriftführer. Er war bei der Wahl vor zweieinhalb Jahren gegen Schmidt angetreten und hatte in einer Kampfabstimmung knapp den Kürzeren gezogen. Konarski bekam diesmal zwar den geringsten Zuspruch in der neuen Abteilungsleitung, 67 Ja-Stimmen bildeten aber dennoch über 80 Prozent der Wählenden ab.

TSV Gräfelfing: Neue Führungsriege will in Zukunft finanzielle Verluste vermeiden

In seiner Antrittsrede dankte Stigloher seinen vormaligen Vorstandskollegen – Stefan Schmidt, dessen Frau Sabine Schmidt (Kassierin) und Christian Kaminsky (stellvertretender Vorsitzender) – für die Arbeit der vergangenen Amtsperioden und versprach, die guten Ansätze fortzuführen. Zugleich wolle das neue Gremium aber auch einige Sachen verändern, teilte Stigloher mit. Wichtig sei ihm das Thema Finanzielle Unterdeckung. Seit Jahren schreibt die Fußballabteilung der Wölfe rote Zahlen, die Verluste im fünfstelligen Bereich müssen stets vom Hauptverein übernommen werden. Im Jahr 2019 standen Einnahmen von gut 64 000 Euro Ausgaben von über 102 000 Euro entgegen, was einem Minus von 38 000 Euro entspricht. Um die Verluste zu reduzieren, „müssen und werden“ Stigloher und sein Team den Bereich Sponsoring aktiver angehen, erklärte der neue Abteilungsleiter. Ein weiteres Anliegen sei der Führungsriege, die ehemals über die Gemeindegrenzen hinaus bekannten Faschingsbälle oder ähnliche Aktionen wieder ins Leben zu rufen.

Insgesamt verstehe sich die neue Abteilungsleitung als Teamplayer. Man lege Wert auf einen respektvollen Umgang, sagte Stigloher. „Wir müssen auch daran denken, dass wir Vorbilder für die Kinder sind“, ergänzte der Familienvater. Mit einem in Corona-Zeiten fast schon obligatorischen „Bleibt’s g’sund“ entließ der neue Fußballabteilungsleiter die Mitglieder in den Abend. Seine Arbeit hatte da gerade erst begonnen.

(MICHAEL GRÖZINGER)

Quelle: Merkur.de

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