Jan Maisenhälder, TSV Hohenbrunn, über Erwartungen im Kinderfußball

Maisenhälder: „Manche Eltern meinen, ihr Kind muss Profi werden“

Jan Maisenhälder lässt sich von überehrgeizigen Eltern nicht beeinflussen.
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Jan Maisenhälder lässt sich von überehrgeizigen Eltern nicht beeinflussen.

Jugendtrainer Jan Maisenhälder vom TSV Hohenbrunn spricht über die Erwartungshaltung von Eltern im Kinderfußball und über die abgebrochene Saison. 

HohenbrunnJan Maisenhälder trainiert die U11 des TSV Hohenbrunn und lässt sich von überehrgeizigen Eltern nicht auf der Nase herumtanzen.

Überschätzen manche Eltern ihre Kinder?

Das gab es schon, dass Eltern meinten, ihre Kinder sind wichtiger und müssen mehr spielen. Diese Spieler haben aber die Mannschaft verlassen, denn wir als Trainer fahren eine klare Linie: Wir gewinnen als Mannschaft und auch wenn wir verlieren, gibt es keine Vorwürfe an einzelne Spieler. Und jeder bekommt seine Einsatzzeiten, abhängig vom Engagement im Training.

Gibt es von manchen Eltern auch Kritik an anderen Kindern?

Das habe ich bei uns noch nicht erlebt. Da bin ich ganz happy, wir haben da gute Eltern. Bei manchen Gegnern habe ich das aber schon mitbekommen.

Besteht die Gefahr, dass die Kinder eine solche Haltung Ihrer Eltern übernehmen?

Bei den Kindern habe ich nicht den Eindruck. Manche Eltern meinen eben, ihr Kind muss Profi werden. Wir hatten einen Spieler, der ist jetzt bei einer Münchner Fußballschule(nicht bei der MFS - d. Red.). Ich habe das mal gesehen, die sind wie kleine Soldaten, spielen sich durch und wenn sie ein Tor schießen, nehmen sie es einfach so hin. Unsere freuen sich über jedes Tor wie kleine Kinder. Ich glaube, dieser Spieler, der wirklich gut war, wäre lieber bei seinen Kumpels geblieben.

Welche Rolle spielen Freundschaften innerhalb einer Mannschaft? Gibt es da auch Grüppchenbildung, sodass die einen die anderen für eine Niederlage verantwortlich machen?

Wir haben Spieler von vielen Schulen und sowohl Viert- als auch Fünftklässler. Außerdem haben wir auch Spieler aus der Nachbargemeinde aufgenommen. Das ist gut verteilt. Da haben wir kein Problem. Und Vorwürfe untereinander lassen wir nicht zu. Da sind wir als Trainer auch ziemlich streng.

Können sich die Kinder selbst vielleicht sogar besser einschätzen als sie von ihren Eltern beurteilt werden?

Das würde ich jetzt auch nicht sagen. Manche überschätzen sich auch. Da gibt es alle Charaktertypen. Aber es hält sich bei uns schon in Grenzen. Die Spieler meckern sich gegenseitig nicht an und wir haben es im vergangenen Jahr gegen eine vorher ungeschlagene Mannschaft gesehen, was das bringt. Wir hatten total Respekt, aber dann ist es bei den anderen nicht so gelaufen, sie haben angefangen zu meckern und wir haben gewonnen.

Was sagen Sie zum Saisonabbruch im Juniorenbereich?

Das war notwendig. Wir hatten ja auch noch kein Spiel im Frühjahr, sodass es praktisch keine Saison gab, die man hätte fortsetzen können.

Besteht die Gefahr, dass Kinder aufhören, weil der Spielbetrieb so lange ausgesetzt ist?

Maisenhälder: Das sehe ich nicht. Von 17 Spielern in unserem Kader sind 15 völlig fußballverrückt. Bei den anderen zwei verstehe ich, dass sie jetzt vielleicht nicht immer ins Training kommen.

Hatten Sie denn schon wieder Training?

Maisenhälder: Ja, wir haben, gleich, als es möglich war, in vier Trainingsgruppen angefangen, weil schon vorher ein gutes Gesundheitskonzept entwickelt wurde. Da muss man der Gemeinde und dem Vereinsvorstand danken, denn das bedeutet viel Extraarbeit. Bei uns auf dem Kunstrasen trainieren ja zurzeit nicht nur die Fußballer, sondern alle, zum Beispiel auch Schwimmer und Schwertkämpfer. Das ist ganz witzig, auch wenn es natürlich schwierig ist. Aber wir sind froh, dass hier alle an einem Strang ziehen.

Das Gespräch führte
Umberto Savignano.

Quelle: Merkur.de

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