Famose Rückrunde lässt die Konkurrenz alt aussehen

Dominanz pur: Murnauer Fußballerinnen steigen auf

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Meistergrüße aus Prag: Die Fußballerinnen des TSV Murnau haben ihren Last-Minute-Aufstieg gebührend gefeiert – und sind dafür spontan für ein Wochenende in die tschechische Hauptstadt gefahren.

Die Fußballerinnen des TSV Murnau steigen dank einer überragenden Rückrunde in die Bezirksoberliga auf.

VON SIMON NUTZINGER

Murnau – Gute Laune soll ja bekanntlich ansteckend sein. Wer dieser Tage also ein wenig Aufheiterung gebrauchen kann, dem ist ein Treffen mit Edi Koller zu empfehlen. Denn ob beim Bäcker, in der Arbeit oder beim Redaktionsbesuch – der Edi, der strahlt. „Das Gefühl ist einfach überragend“, sagt der Trainer der Murnauer Fußballerinnen über sein nun schon knapp zwei Wochen anhaltendes Stimmungshoch

So lange ist es nämlich her, dass der Ohlstädter mit „seinen Mädels“, wie er das Team immer wieder liebevoll nennt, die Bezirksliga-Meisterschaft und somit den Aufstieg in die Bezirksoberliga klargemacht hat. Und das, betont er, „hat sich niemand so sehr verdient wie sie“.

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, war lange Zeit nicht zu erwarten. Bis zum letzten Spieltag hechelten die Murnauerinnen Spitzenreiter Neuried hinterher. Zwei Punkte betrug der Abstand. Wie hoch sie auch Woche für Woche gewannen – er schmolz nicht. Vergeblich wartete der TSV auf einen Patzer der Konkurrenz. Die Erlösung kam erst am Saisonabschluss. Während Murnau einmal mehr einen Kantersieg feierte – 10:0 in Geroldshausen –, stolperte Neuried im letztmöglichen Moment über den FFC Wacker München III. Plötzlich standen Koller und Co. ganz oben. „Völlig irre“, sagt der Coach. Dass Wacker im Abstiegskampf auf seine starke U17 zurückgriff, die für gewöhnlich in der Bayernliga kickt, sorgte bei den Neuriedern für reichlich Unmut. Koller zeigt dafür zwar Verständnis, nennt das Verhalten des FFC aber „völlig legitim“. Und außerdem, stellt er klar: „Wir hätten gegen Wacker gewonnen.“

Selbstbewusstsein, das Koller aus einer famosen Rückrunde speist. Kein einziges Mal ging seine Mannschaft als Verlierer vom Platz. Neun Siegen steht lediglich ein Unentschieden gegenüber. Die Torbilanz: 58:8. Dominanz pur. Und das Produkt harter, zielstrebiger Arbeit. Als Koller das Team vor zweieinhalb Jahren übernommen hatte, stand es im Niemandsland der Bezirksliga. Spielerische Glanzlichter – Mangelware. „Da war viel hoch und weit dabei“, erinnert er sich. Doch der Ohlstädter erkannte das Potenzial der TSV-Damen, stellte um auf Viererkette, trainierte Kurzpassspiel. Mit Erfolg. Heute staunen die Zuschauer an der Poschinger-Allee nicht schlecht, was die Murnauerinnen auf den Rasen zaubern. „Das sieht nach Fußball aus.“

Worauf der diesjährige Meister-Coup basiert? Koller muss nicht überlegen: Die Wintervorbereitung samt Trainingslager am Gardasee nennt er als entscheidenden Faktor. „Da haben wir uns spielerisch noch mal einen Schritt weiterentwickelt.“ Als dann auch noch Annika Doppler zum Team stieß, wusste Koller, „dass uns erst einmal einer schlagen muss.“ Die ehemalige Junioren-Nationalspielerin, die dank ihres Freundes aus Ohlstadt den Weg zum TSV fand, ist das zuvor fehlende Puzzlestück in der Erfolgsgeschichte der Murnauer. Im Mittelfeld zieht sie die Fäden und glänzt mit 14 Toren auch als Vollstreckerin. „Sie hat unser Spiel eine Stufe höher gehoben“, sagt Koller. Technisch sieht er in der Liga niemanden, der ihr das Wasser reichen kann. „Da fehlt es weit.“ Neben Top-Torjägerin Franziska Fischer (31 Saisontreffer), Kapitänin Luiza Schmidt-Cabrera („Ein Vorbild auf und neben dem Platz“) und der „überragenden Innenverteidigerin“ Laura Fischer zählt er sie zu den „Säulen der Meisterschaft“.

Doch vergisst Koller neben seinen Aushängeschildern diejenigen nicht, die oft nur neben dem Rampenlicht stehen. „Aufzählen könnte ich sie alle“, betont er. Doch hebt er vor allem Annabell Zekl hervor, die auf der Sechser-Position unermüdlich Räume zuläuft und Zweikämpfe führt. „Sie macht die Drecksarbeit – und lässt dadurch die anderen gut aussehen.“ Auch die jungen Wilden wie Antonia Hoppe und Stefanie Niggemann haben sich durch viel Trainingsfleiß und Lernbereitschaft Schritt für Schritt ins Team gekämpft. „Ihnen gehört die Zukunft.“

Eine Zukunft, der Koller freudig entgegenblickt. Von der Meistermannschaft wird der Großteil auch im kommenden Jahr auf dem Platz stehen. Mit Lilia Dotzer, die ein Kind erwartet, hat sich bisher lediglich eine Stammspielerin abgemeldet. Auch Doppler soll bleiben. „Obwohl sie mit regelmäßigem Training vermutlich sogar in der Bundesliga spielen könnte.“ Koller selbst hängt ebenfalls noch ein Jahr dran als Trainer des TSV. Kurzzeitige Gedanken an ein Ende seiner Tätigkeit hat er längst verworfen. Sorgen, ob sich seine Arbeit abnutzt – abgelegt. „Die Mannschaft glaubt immer noch, was ich erzähle.“ Und Spaß mache es ihm mit seinen Mädels sowieso „viel zu viel, um jetzt aufzuhören“, sagt er, der Edi – und strahlt.

Quelle: Merkur.de

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