Geliehene Idee funktioniert auch in Murnau 

TSV Murnau mit neuem Ausbildungsprogramm: Der etwas andere Kindergarten

Beim TSV Murnau wird viel Wert auf den Kinderfußball gelegt, und das nicht erst ab der F- oder D-Jugend.
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Beim TSV Murnau wird viel Wert auf den Kinderfußball gelegt, und das nicht erst ab der F- oder D-Jugend.

Beim TSV Murnau setzt man auf ein Ausbildungsprogramm für die Kleinsten. Das Ganze ist als Kinderbetreuung mit Ball ausgelegt, zweimal pro Woche wird trainiert. 

Murnau – Nehmen wir einmal den Jahrgang 2014 als Beispiel. Der verlässt gerade gesammelt den Fußball-Kindergarten desTSV Murnau. Zehn Spieler, die schon kicken können. Alles, was ihnen noch fehlt, ist ein Pass, zugestellt vom Bayerischen Fußballverband. Im Herbst, so das Virus will, geht’s los: F-Jugend, Ligaspiele, die kleine oder große Karriere. Ansonsten muss man mit den Zwergen nicht mehr machen als mit allen anderen Mannschaften.

Fußballkindergarten in zweifacher Ausführung 

So oder ganz ähnlich hatte sich das Michael Adelwart vorgestellt, als er im Oktober 2019 eine Idee umsetzte, die er sich geliehen hat. Die Klubs aus Starnberg und Grünwald unterhalten seit Jahren ein Ausbildungsprogramm für die Kleinsten, das natürlich in diesem Alter in erster Linie auf Spaß und Bewegung abzielt. Praktisch eine Kinderbetreuung mit Ball, die sich nun Fußballkindergarten nennt und die es beim TSV sogar in zweifacher Ausführung gibt. Nikos Lotos, Chef des Hauptvereins, hat etwa zeitgleich die Kindersportschule, kurz KISS, mit angestoßen. Dort trainieren parallel Kinder zwischen drei und zehn Jahren, allerdings nicht Sportarten-spezifisch.

Um den Vorurteilen vorzubeugen: Nein, beim TSV hofft man nicht, den nächsten Messi unter den Vier-, Fünf- oder Sechsjährigen zu sichten – gemäß dem Motto immer jünger, immer früher. Abteilungsleiter Adelwart geht es um einen roten Faden, den er seit weit über zehn Jahren in der Sparte zu verweben versucht. „Das Stressigste“, sagt er, „war immer, die neuen Mannschaften aufzustellen“. Kinder fand man meist ziemlich schnell. Aber Trainer? Fragte man die Besten aus der Gegend, ob sie denn Lust auf Arbeit im F- oder E-Jugend-Bereich hätten, lehnten sie meist höflich ab. Nein, danke. Viel zu oft erbarmten sich dann Väter, die den Jahrgang zwangsläufig als ihr Heiligtum betrachteten, was dann nur zu noch mehr Komplikationen führte. Also machen sie es in Murnau nun wie in Starnberg und Grünwald. Sie geben Geld aus. Qualität kostet – lohnt sich aber auch.

Mit Annika Doppler unterstützt ehemalige Bayern-Spielerin das Projekt 

Mit Dennis Destek leitet ein geschätzter Trainer den Kindergarten, zuletzt hat Adelwart mit Martin Kindermann „einen Fußballfachmann“ sowie mit Annika Doppler eine ehemalige Bundesliga-Spielerin des FC Bayern München für das Projekt gewonnen. Manche Minis fragen seitdem ganz ehrfürchtig, ob das denn stimmt, was ihnen Destek erzählt hat, dass sie für die Bayern gespielt hat, erzählt Doppler am Telefon. Ja stimmt, antwortet sie ihnen. „Die sagen dann: Wow, cool.“ Bislang hat Doppler eher mit Älteren gearbeitet, übernahm zur Corona-Zeit etwas das Athletiktraining von U19 und Erster Mannschaft. „Ich bin selbst noch dabei herauszufinden, was man mit ihnen machen kann“, sagt sie. Ein Vierjähriger unterscheide sich ja wahnsinnig von einem Siebenjährigen, der körperlich viel weiter ist. Überfordern wolle man keinen. Ein bisschen Schießen, ein bisschen Technik und viel Koordination hält die Sport-Ökonomin, die gerade ihre Masterarbeit schreibt, für ein wohldosiertes frühkindliches Sportprogramm. „Alles, was man mit dem Ball machen kann, ist nie verkehrt“, findet auch der Spartenchef.

„Jeder kann bei uns Fußball spielen, der Fußball spielen will“

Zweimal pro Woche je eine Stunde üben sie sowie Lucas Halmburger und Maximilian Ott, die ein Freiwilliges Soziales Jahr beim TSV absolvieren, mit den Kleinen – also sobald das wieder reibungslos funktioniert im Chaos zwischen Inzidenzen, Impfstoff und Verordnungen. Ab diesem Sommer führt der TSV im Fußball-Kindergarten die Jahrgänge 2015, 16 und 17 an den Sport heran. Etwa 20 haben sich schon angemeldet, ein paar mehr sind es bei der KISS, die ebenfalls Destek betreut. Alle kommen aus Murnau und der Umgebung, manche aus Eberfing und Weilheim. „Die haben mitgekriegt, das hier etwas passiert, was es nicht überall gibt“, sagt Adelwart. An der Ausrichtung der Murnauer Fußballer ändert sich nichts. Weiterhin gilt: „Jeder kann bei uns Fußball spielen, der Fußball spielen will.“ Und das schon im frühesten Kindesalter.

Wer sich für den Fußballkindergarten oder etwa die Kindersportschule beim TSV Murnau interessiert, kann sich bei Trainer Dennis Destek unter der Telefonnummer 0151/11 15 04 17 oder per E-Mail dd-events@gmx.de melden.

(ANDREAS MAYR)

Quelle: Merkur.de

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