Torhüter muss seine Spielerkarriere aufgrund eines Bandscheibenvorfalls beenden

TSV Murnau holt „Wunschkandidat“ Schwinghammer für sein Trainerteam

Die Torhüter-Karriere muss Stefan Schwinghammer aufgrund eines Bandscheibenvorfalls beenden. Zukünftig betreut er das Kreisliga-Team des TSV Murnau als Co-Trainer.
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Die Torhüter-Karriere muss Stefan Schwinghammer aufgrund eines Bandscheibenvorfalls beenden. Zukünftig betreut er das Kreisliga-Team des TSV Murnau als Co-Trainer.

Der TSV Murnau verpflichtet Stefan Schwinghammer junior als neuen Co-Trainer. Der 26-Jährige war in der abgelaufenen Saison noch Stammtorwart in der Landesliga.

Murnau/Ohlstadt – In Murnau wissen sie sehr wohl, wie das Umland auf den TSV blickt. „Der Herrenbereich wird von außen ein bisschen belächelt“, sagt Michael Adelwart – Abteilungsleiter der Drachen und Verfechter des radikalen Jugendwegs. Doch längst sind aus den Kleinen von damals Männer geworden. Der Seniorenbereich ist nicht mehr die Nebenstelle des Nachwuchszentrums, er rückt zunehmend in den Fokus.

TSV Murnau will sich mit Schwinghammer „breiter und stärker aufstellen“

„Breiter und stärker aufstellen“ möchten sich die Murnauer, betont ihr Abteilungsleiter und untermauert seine Ambitionen mit einer ersten, hochkarätigen Verpflichtung: Stefan Schwinghammer, also der Junior, wechselt vom 1. FC Garmisch-Partenkirchen – dort war er bislang Stammtorwart in der Landesliga – an die Poschinger-Allee und übernimmt den Posten des Co-Trainers. „Mein Wunschkandidat“, betont Adelwart.

Die beiden halten seit Jahren Kontakt. Eine Zeit lang hat Schwinghammer die Nachwuchs-Torhüter in Murnau mitbetreut. Aber seinen Platz sah er im Tor des 1. FC. Nun passieren im Sport Dinge, die nicht vorherzusehen sind, erst recht wenn eine solche wertvolle Ressource wie der eigene Körper im Mittelpunkt steht. Diesen Winter erhielt Schwinghammer, gerade 26 Jahre alt, die unangenehme Diagnose: Bandscheibenvorfall, ausgelöst von einem Mix an körperlichen Unannehmlichkeiten, eine leichte Fehlstellung der Wirbelsäule, schwächeres Bindegewebe, eine weniger ideale Tiefenmuskulatur. „Es sind viele Faktoren zusammen gekommen“, berichtet der Ohlstädter.

Stefan Schwinghammer wechselt zum TSV Murnau - „Das war kein einfacher Schritt“

Er beriet sich mit Ärzten, Physiotherapeuten, Osteopathen und entschied, das mit dem Toreverhindern fürs Erste sein zu lassen. Mit Mitte 20 könne man noch ganz viel reparieren, aber auch viel falsch machen. Dieses Risiko ist ihm zu groß. Momentan arbeitet er ohne Schmerzen. Das soll so bleiben. Sich ins Tor zu zwingen, „würde mehr kaputt machen, als dass es gut tut.“ Zudem bietet der Trainerjob in Murnau logistische Vorteile. Der Meister der Orthopädietechnik ist in Ohlstadt beschäftigt, fährt aber mehrmals die Woche nach Murnau ins Unfallklinikum. Die Wege werden ein wenig kürzer, die freie Zeit wird ein bisschen mehr.

Natürlich verlässt er den 1. FC Garmisch-Partenkirchen nicht ohne Wehmut. Dieser Verein, diese junge Mannschaft, fühlt sich nach vier Jahren an wie „eine kleine Familie“. Sie haben viel zusammen erlebt: Aufstieg, Klassenerhalt via Relegation, eine irre wie höchst erfolgreiche Corona-Saison samt Platz vier. „Das war kein einfacher Schritt“, betont Schwinghammer. Zumal ihm die FC-Verantwortlichen einen Posten im Trainerstab angeboten haben. Doch die Ausgangslage sagte ihm in Murnau mehr zu. Weite Auswärtsfahrten durch ganz Süd-Bayern spart er sich in der Kreisliga. Zudem könne er beim TSV „wirklich bei Null losstarten“, vielleicht nicht die schlechteste Situation für ein neues Kapitel in der Fußballkarriere des Ohlstädters. Als die FC-Kollegen von seinem Abschied erfuhren, schrieben ihm viele. Niemand verliert gerne einen Torwart und Mitspieler wie ihn. „Das hat’s mir nicht einfach gemacht.“ Sie forderten ein Ausstandsfest ein – und bekommen es. „Das lass ich mir nicht nehmen.“

TSV Murnau freut sich auf neuen Co-Trainer - Schwinghammer „ist ein Typ, der eine eigene Meinung hat

In Murnau freuen sich die Verantwortlichen, den Mann für ihr Anforderungsprofil gefunden zu haben. „Stefan ist ein Typ, der eine eigene Meinung hat, der ehrgeizig und trotzdem ein Teamplayer ist“, sagt Adelwart. Zudem müsse er die A-Jugend – in der Landesliga aktiv – im Blick haben, sozusagen als Vermittler in den Seniorenbereich. Da dürfte es kaum einen geeigneteren Fußballer geben als Schwinghammer, der mit 15 Jahren bereits bei den Bayernliga-Männern in Wolfratshausen trainiert hat. Beim BCF hat er früh sein Profil als mitspielender Torwart geschärft, immer wieder auch auf dem Feld ausgeholfen. Später, in Geretsried beim TuS, schoss er gar drei Tore in zwei Einsätzen. „Das Torwartspiel hat sich gewandelt. Offensiv gesehen, bist du ein Feldspieler.“ Mit Andreas von Mücke, seinem Stellvertreter und nun Nachfolger beim 1. FC, hat er viel in diesem Bereich gearbeitet. Schwinghammer staunte, „was der Anda (von Mücke; Anm. d. Red.) für Schritte gemacht hat“. Entsprechend freut es ihn, dass von Mücke nun seine Chance in der Landesliga bekommt. Ein Schwinghammer-Comeback gibt es, wenn überhaupt, auf dem Feld. Vorsorglich hat er seinen Pass zum TSV mitgenommen. Allerdings konzentriert er sich auf den Assistenzposten neben Coach Tim Schmid. Was den fußballerischen Part angeht, denken sie gleich. Der Rest wird sich mit der Zeit regeln. „Ich muss in die Position reinwachsen“, sagt der 26-Jährige. So gesehen erleichtert der Neustart nach Corona vieles. Am gestrigen Dienstag hatte das neue Trainer-Tandem seine erste offizielle Einheit. In Murnau sieht er die Chance, „mit einer jungen Mannschaft etwas zu bewegen“. Und wenn er einmal einen Rat benötigt, braucht er ja nur seinen Papa zu fragen: Stefan Schwinghammer senior, der Speedy, gehört zu den Trainerikonen des Landkreises – und hat bis voriges Jahr noch die U19 des TSV betreut.

(Andreas Mayr)

Quelle: Merkur.de

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