Nach 30 Jahren Einsatz für den TSV Oberpframmern übergibt Thomas Silbereinsen an die nächste Generation

TSV Oberpframmern: Vereinslegende Thomas Silbereisen tritt ab

Verabschiedung mit dickem Dankeschön: Thomas Silbereisen (Mitte) wurde von der Führungsriege des TSV Oberpframmern mit Andreas Lutz (links, 1. Vorsitzender) und Korbinian Heinzeller (Stellvertreter) in Anerkennung seiner langjährigen Verdienste mit einer Urkunde und der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet.
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Verabschiedung mit dickem Dankeschön: Thomas Silbereisen (Mitte) wurde von der Führungsriege des TSV Oberpframmern mit Andreas Lutz (links, 1. Vorsitzender) und Korbinian Heinzeller (Stellvertreter) in Anerkennung seiner langjährigen Verdienste mit einer Urkunde und der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des TSV Oberpframmern hat sich Thomas Silbereisen, nach 30 Jahren Einsatz für den Verein, zur Ruhe gesetzt.

Oberpframmern – Es wird vermutlich ein Sonntag sein. Irgendwann, wenn auch auf der Sportanlage am Kreuzerweg, kurz vor der Ortseinfahrt, wieder Normalität herrscht und der Ball rollt. Vielleicht scheint sogar die Sonne. Dann freut sich Thomas Silbereisen, 62, darauf, entspannt seinen kleinen Enkel Luis im Kinderwagen den Gehweg in Richtung der Fußballplätze runterzuschieben und sich das erste Punktspiel der Pframmerner anzuschauen, ohne dabei offizielle Funktionärsaufgaben erfüllen zu müssen.

30 Jahre lang hat der ehemalige Landesliga-Libero beim TSV Oberpframmern so gut wie alle ehrenamtlichen Ämter bekleidet: Spielertrainer, Jugendcoach, Platzwart, Betreuer, Sportlicher Leiter. „Nur Vorstand war ich nie und Kassier war auch nie mein Metier. Aber außer dem Andi und Sepp Lutz kennt keiner den Verein so gut wie ich.“

Kicker-Akquise im Kinderfasching

Kurz nach Silbereisens Umzug aus München hat ihn der heutige Vorstand Andreas Lutz zwischen dem tobenden Nachwuchs im Kinderfasching angesprochen, ob er sich nicht gleich dem örtlichen TSV anschließen wolle. „Da musste ich nicht überlegen“, erinnert sich Silbereisen noch heute an den unterzeichneten Aufnahmeantrag vom 8. März 1990. „Mir war es egal, ob ich mit über 30 Jahren nochmal unterklassig spielen würde und bin sogar gleich im September Spielertrainer geworden.“ Aber nur für ein Jahr, „weil wir bloß Dritter geworden sind und ich noch richtig unter einem anderen Trainer spielen wollte“.

Damit folgte das Münchner Kindl Silbereisen einer kleinen Tradition an fußballerisch bestens ausgebildeten Pframmerner Spielertrainern wie dem ehemaligen Bayernspieler Herbert Stöckl. Nach seiner aktiven Herren-Karriere verhalf Silbereisen Pframmerns Senioren zu einem Höhenflug mit diversen Aufstiegen und „Titeln ohne Ende in der Halle“.

Durch seinen Sohn entdeckte er die Leidenschaft für das Nachwuchstraining

Durch seinen Sohn Daniel (34, Torwart in der Ersten) entdeckte Silbereisen seine Leidenschaft für das Nachwuchstraining und sagt rückblickend: „Meine größten sportlichen Erfolge habe ich nicht als Spieler, sondern als Trainer mit meinen A- und D-Junioren gefeiert, von denen letztlich auch die erste Mannschaft profitiert hat.“

Daniel Silbereisen ist „praktisch beim TSV aufgewachsen“, längst ebenfallsVerien als Jugendtrainer tätig und tritt nun als neu bestellter Sportlicher Leiter auch auf Funktionärsebene die Nachfolge seines Vaters an. „Diese Übergabe hat sich schon länger in meinem Kopf abgespielt“, sagt Thomas Silbereisen, „weil ich auch aus privaten Gründen mehr Zeit für die Familie haben will.“

Ehrennadel in Gold

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung bekam er die Ehrennadel in Gold von seinem langjährigen Weggefährten Andreas Lutz verliehen. An nennenswerte sportliche Tiefpunkte, so Silbereisen, könne er sich in den letzten 30 Jahren nicht erinnern. „Gerade im Jugendbereich hat es unter den Spielgemeinschaften natürlich immer mal wieder Unstimmigkeiten gegeben, aber ich habe nicht einmal an einen Wechsel oder Abschied gedacht.“ Auch seinen Rückzug aus der Funktionärsebene will Silbereisen nicht als Abschied verstanden wissen. „Ich bin ja nicht weg und stehe für Fragen immer bereit. Nur die Pflichttermine will ich jetzt nicht mehr so haben.“

Bevor er bald der dritten Silbereisen-Generation im TSV-Dress zujubeln kann, – „der Luis ist erst zwei Monate alt, aber zur Geburt habe ich ihn schon im Verein angemeldet“ – wird sein Herzensverein vermutlich ein paar neue Herausforderungen bewältigen müssen, glaubt Thomas Silbereisen: „Das Ehrenamt an sich hat sich in den letzten 30 Jahren nicht verändert. Aber anders als vor 20 Jahren ist es durch das veränderte Arbeitswesen viel schwieriger geworden, ehrenamtliches Engagement zu bekommen, besonders Jugendtrainer zu engagieren. Auf Dauer wird es der Verein schwer haben, eine eigene Jugend zu stellen.“

In Oberpframmern beim Turn- und Sportverein werde inzwischen stark auf die Fortpflanzungsgeschicke der aktiven Fußballherren gesetzt. „Über den eigenen Sohn oder die Tochter kann man die dann als Trainer wiedergewinnen.“ Thomas Silbereisen hat‘s vorgemacht und kann den nächsten sonnigen Fußballsonntag in Pframmern (nach der Corona-Krise) kaum mehr abwarten. Der 62-jährige Ex-Funktionär: „Wenn du da runtergehst und Spieler siehst, die du kennst und selber trainiert hast, keine Legionäre, die nur Geld einstreichen, darauf bin ich stolz. Diese einmalige Kameradschaft und Geselligkeit machen unseren Verein so einzigartig.“ 

Text: JULIAN BETZL

Quelle: Merkur.de

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