TSV-Chef Bohdan Kalwarowskyi im Interview

TSV Zorneding: 100-Jahr-Feier abgesagt, Festwoche wackelt

Kein Durchgang, kein Fest: Die Sportanlagen sind in Zorneding gesperrt, die Folgen sind auch fürs Jubiläum des TSV deutlich spürbar.
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Kein Durchgang, kein Fest: Die Sportanlagen sind in Zorneding gesperrt, die Folgen sind auch fürs Jubiläum des TSV deutlich spürbar.

Der TSV Zorneding hat wegen der Coronakrise seine 100-Jahr-Feier abgesagt. Der Vorsitzende Bohdan Kalwarowskyi äußerte sich nun zu der geplanten Festwoche.

Der TSV Zorneding musste reagieren. Und tat es, so sehr es die Vorstandschaft auch schmerzte. Der für den 24. April angedachte Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Turn- und Sportvereins in der Dreifeldhalle wurde am vergangenen Wochenende ersatzlos abgesagt. Die aktuelle Situation durch die Corona-Pandemie ließ dem Vorsitzenden Bohdan Kalwarowskyj (58) und seiner Führungsriege keine Wahl.

Über die Hintergründe und die Folgen der Absage für den 1400 Mitglieder starken Verein und wie es mit der für Mitte Juni geplanten Festwoche weitergeht, befragte die EZ den TSV-Chef.

Herr Kalwarowskyj, wie schwer fiel ihnen die Entscheidung, den Festakt zu streichen?

Bohdan Kalwarowskyj: Sehr schwer. Der Vorstand hat dies in seiner Sitzung am 18. März so beschlossen. Das ist natürlich sehr schade, aber wir kommen einfach nicht aus. Es wäre unverantwortlich. Die Gesundheit unserer Gäste, Mitglieder und Mitwirkenden hat für uns höchste Priorität.

Kurzfristige Absage hätte hohe Kosten verursacht

Eine Verlegung in den Mai oder Juni war für Sie keine Option?

Natürlich wägt man alle Optionen ab. Aber es war und ist für uns nicht absehbar, ob das bestehende Veranstaltungs- und Versammlungsverbot über den 19. April noch verlängert wird. Darum jetzt schon die Absage. Zumal uns eine kurzfristige Absage hohe Kosten verursacht hätte. Nächste Woche müssten wir die verbindliche Meldung der Anzahl der Teilnehmer an den Caterer abgeben, dann wären größere Kosten entstanden.

Aber es war doch viel für diesen Abend geplant, oder? Reden und Ehrungen und so weiter.

Ja, natürlich. Es sollte ja ein besonderer Abend mit geselligem Beisammensein für unsere Mitglieder werden. Der Festakt hätte zudem einen besonderem Charme gehabt, es ist schließlich der Tag der Gründungsversammlung vor genau 100 Jahren. Wir wollten uns bei allen verdienten Funktionären, Ehrengästen und Ehrenämtlern für ihre Unterstützung bedanken. Sieben Ehrenmitglieder wollten wir dazu auch noch an diesem Abend ernennen.

Das hätte man doch zur Festwoche in den Juni legen können.

Wegen der Ehrungen werden wir uns noch etwas überlegen. Aber diesen Festakt, so schnell er vielleicht scheinbar organisiert wäre, zusätzlich zu veranstalten, würde unsere Möglichkeiten und Kapazitäten deutlich sprengen. Vielleicht können wir Teile des Festakts in die Festwoche integrieren.

Fein-Planungen dauerten bereits zwei Jahre

Aber Sie haben doch sicherlich schon viel Zeit dafür aufgewendet?

Klar, es ist ein Haufen Arbeit, bis alles organisiert ist. Wir sind ja schon zwei Jahre an den Fein-Planungen dran. Du musst Strukturen schaffen, lange Vorlaufzeiten für Zelt und Ausstattung oder Künstler wie Django Asül einkalkulieren. Aber die Corona-Pandemie wirft zur Zeit neben dem Gesundheitsrisiko einfach zu viele finanzielle und personelle Fragen auf.

Betrifft das auch die Festwoche von 19. bis 21. Juni?

Ja, leider. Gerade die Festwochen mit dem tollen Rahmenprogramm hat besonders viel Arbeit gemacht. Da sind wir noch am Abwägen und wollen beziehungsweise müssen einfach die Entwicklung abwarten. Mit der Festwoche wollen wir ja die Zornedinger Bevölkerung dabei haben und mit vielen Aktionen begeistern.

Wann fällt hier eine Entscheidung?

Wir im Vorstand wollen uns am 15. April ein Bild über die Entwicklung machen und dann entscheiden. Für den TSV stellt sich dabei auch die Frage nach möglichen Schadensersatzforderungen der verpflichteten Stars und Firmen, wenn höhere Gewalt unsere Veranstaltung verhindern sollte. Mit Django Asül habe ich mich heute verständigt, Schweiger Bräu hat sich auch schon gemeldet und ist sehr kulant. Auch stellt sich die Frage, ob wegen der dramatischen wirtschaftlichen Auswirkungen der Ausgangssperre wichtige Helfer uns noch zur Verfügung stehen, oder eher um ihre Existenz kämpfen müssen. Wenn wir uns ein Bild gemacht haben, wird entschieden.

Das Fest fällt auch bei Absage nicht komplett aus

Und wenn der Negativfall wirklich eintritt: Fällt das Fest komplett aus?

Nein, darauf haben wir uns intern schön verständigt. Wenn die gesundheitlichen Risiken eine Durchführung unmöglich machen, wollen wir die Festwoche dann nur ein Jahr später durchführen – wie die bereits abgesagte Fußball-EM eben auch in 2021. Ein möglicher Ausweichtermin ist dafür aber noch nicht festgelegt. Juni 2021 würde bei Django Asül auch passen.

Die Fußball-Europameisterschaft wäre ja bei der Feier ein wichtiger Programmpunkt gewesen. Sie wollten ein Public Viewing für das Deutschland-Spiel gegen Portugal organisieren.

Ja, das ist auch so ein heikler Punkt. Nachdem ein Deutschlandspiel in unsere Festwoche reinfällt, haben wir mit Zustimmung der Ludwig-Thoma-Musikanten kurzfristig das Public Viewing eingebaut. Das hat uns bis jetzt schon immens Arbeit bereitet, allein schon wegen der Lichtverhältnisse. Spielbeginn ist ja 18 Uhr, und da ist es im Hochsommer noch sehr hell. Da reicht fürs Zelt kein normaler Zimmerbeamer oder gar ein 18 000-Lumen-Beamer aus. Um das Bild klar zu sehen, müssen man zusätzlich die Wände mit schwarzem Molton abdunkeln. Oder der Zeltbauer verwendet zwei lichtundurchlässigen Planen. Die muss der Zeltaufbauer auch extra besorgen. Es hängt also an allem ein kleiner Rattenschwanz dran.

Was passiert im Falle einer Absage mit den bereits gekauften Tickets für die Musikkapellen, Django Asül oder Verpflegung?

Wer sich bereits Tickets für Asül, Getränke, Essensmarken oder Tische für den Wies’n-Abend reserviert hat, erhält dann die Möglichkeit, die Reservierungen für den Nachholtermin in 2021 bestehen zu lassen oder sein Geld wieder zurückzuerhalten.

Und wenn die Festwoche doch heuer stattfinden könnte?

Dann würden wir uns sehr freuen. Auch wenn keiner von uns derzeit richtig abschätzen kann, was nach der Corona-Krise noch alles auf uns zukommt. Vielleicht weicht ja noch die Furcht vor einer Ansteckung, und die Leute wollen dann endlich mal wieder richtig feiern. Dann nicht nur unser 100-jähriges Jubiläum, sondern auch den Sieg gegen das Coronavirus. Ende April wissen wir mehr.

Das Gespräch führte
Olaf Heid

Quelle: Merkur.de

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