Füßball in Erding

Türk Gücüs Pioniere: Das ist aus ihnen geworden

+
Die Vor-Gründungsmannschaft von Türk Gücü Erding (hinten, von links): Yunuz Pala, Deniz Aksu, Ahmet Yalcin, Adnan Özalan, Ibrahim Yavuz, Tuncay Akk oc, Özcan Tezcan sowie (vorne, von links) Cemal Aydin, Demircan Öztürk, Rüstü Aydin, Cemal Yavuz und Kenan Pala.

1988 wurde der Verein gegründet, aber schon sechs Jahre vorher wurde gekickt. Und einige mischen heute noch fleißig mit.

VON MAYLS MAJURANI

Erding – Der Türk-Gücü-Trainingsplatz an der Rotwandstraße wird von der türkischen Communtiy Erdings liebevoll „Türkgücü-Arena“ genannt. Laut Google Maps heißt das Fußballfeld auch so. Dort steht ein alter Materialcontainer, mit einer besonderen Verzierung im Inneren: das erste Mannschaftsfoto der Vereinsgeschichte. Wobei das Wort Vereinsgeschichte ein bisschen weit hergeholt ist. Denn es wurde 1982 geschossen – sechs Jahre vor der Vereinsgründung.

„Die Waschstraße Krause am Rennweg hatte uns die Trikots geschenkt“, erinnert sich Yunuz Pala, der ganz links auf dem Foto steht, „Cemal Yavuz arbeitete dort, so ist das zustande gekommen.“

Es war der erste Versuch der anatolischen Einwanderer Erdings, einen eigenen Verein zu gründen. Das klappte damals aber nicht. „Die meisten gingen dann zum FC Cosmos Azzuri“, erinnert sich Pala.

Der Erdinger Taxiunternehmer ist nach eigener Aussage der Mann, der am Öftesten beim FCTG für das Amt des Vorsitzenden kandidiert hat. Sein Bruder Bilgehan, aktueller Vorsitzender der Türken, bestätigt das schmunzelnd: „Bei gefühlt jeder zweiten Wahl stellte er sich auf.“ Niemand in der Vereinsgeschichte habe so viele Wahlen verloren wie Yunuz. Die Motivation und die Vereinsliebe ließ sich der Taxler aber nie kaputt machen. „Wenn ich mal verloren habe, wartete ich zwei Jahre und kandidierte noch mal“, sagt er.

Am längsten Vorstandsmitglied war dagegen Adnan Özalan, der auf dem Foto in der Mitte steht. Pala sagt: „Er war immer irgendwie dabei. Manchmal als Vorsitzender, manchmal in einer anderen Rolle.“

Insgesamt acht der elf Fußballer auf dem Foto waren sechs Jahre später auch an der Vereinsgründung beteiligt: Yunuz Pala, Adnan Özalan, Ibrahim Yavuz, Tuncay Akkoc, Özcan Tezcan, Demircan Öztürk, Cemal Yavuz und Kenan Pala. Letzterer spielte aber nie für den Verein, sondern war nur als Funktionär tätig. „Cemal Aydin spielte und pfiff damals für Oberding, aber er hat uns auch unterstützt, vor allem in bürokratischen Sachen“, bemerkt Yunuz Pala.

Kurzzeitig war Türk Gücü allerdings nicht so gut auf den damaligen Oberdinger zu sprechen: „Er hat mal ein Spiel von uns gepfiffen. Da gab es Zoff zwischen seinem Namensvetter Cemal Yavuz und einem Gegenspieler. Beide haben Rot bekommen“, sagt Pala. Mittlerweile muss der Unternehmer lachen, wenn er die Geschichte weitererzählt: „Ich weiß nicht mehr was Aydin in den Spielbericht geschrieben hat, aber Yavuz war danach für ein halbes Jahr gesperrt.“

Mittelpunkt einer tragischen Geschichte war dagegen Cemals Cousin Rüstü. „Ein sehr netter und höflicher junger Mann und sehr talentierter Fußballer“, wie sich Pala erinnert. Noch bevor der FCTG gegründet war, verstarb er 1985 bei einem Verkehrsunfall, im Alter von gerade einmal 23 Jahren. Den Namen Rüstü Aydin konnte man Jahre später trotzdem auf einigen Spielberichten des Vereins lesen, als der nach ihm benannte Neffe für die Zweite kickte.

Auch andere Spieler auf dem Foto gaben ihre Vereinsliebe weiter in die nächste Generation: Ibrahims Sohn und Cemals Neffe Emre spielt heute in der Ersten, Tuncays Nachwuchs Atakan in der Zweiten. Und Ismail Öztürk, der Erstgeborene von Demircan gilt schon seit Jahren als Leistungsträger bei den Türken. Cemal Aydin war lange Zeit als Schriftführer tätig, heute macht den Job sein Junge. Und der 2. Vorsitzende Özkan Tezcan ist der Sohn von Özcan.

„Wenn du ein Erdinger Türke bist, dann landest du irgendwann ganz sicher bei Türk Gücü“, lässt der 35-Jährige wissen, und ergänzt schmunzelnd: „Wenn dein Papa bei der Gründung dabei war, dann musst du auch in den Vorstand. Da kannst du dich vor der Verantwortung nicht drücken.“

Auch wenn der Verein mittlerweile von der zweiten Generation getragen wird: Denjenigen Männern vom Foto, die noch immer in Erding leben, begegnet man weiterhin bei jedem Spiel. Das wird sich auch am Sonntag nicht ändern, wenn es zum Kellerduell nach Hallbergmoos geht. Die Türken sind aktuell mit fünf Niederlagen Schlusslicht der Liga, der VfB mit einem Punkt Vorletzter. Den Humor lässt sich der FCTG trotzdem nicht nehmen. In einem Facebook-Beitrag hieß es: „Es kann nur noch besser werden.“

Quelle: Merkur.de

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

TSV 1865 Dachau nimmt Saisonsieg Nummer sieben ins Visier 
TSV 1865 Dachau nimmt Saisonsieg Nummer sieben ins Visier 
Trotz Unterstützung der Mannschaft: SpVgg Langenpreising feuert Trainer Hösl
Trotz Unterstützung der Mannschaft: SpVgg Langenpreising feuert Trainer Hösl
TSV Buchbach mit großer Personalmisere gegen den VfR Garching
TSV Buchbach mit großer Personalmisere gegen den VfR Garching
Nominierung dank Kiosk-Kamera: Florian Bacher für den Bayern-Treffer des Monats nominiert
Nominierung dank Kiosk-Kamera: Florian Bacher für den Bayern-Treffer des Monats nominiert

Kommentare