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Finanzexperte: „Ich kann niemanden zur Türkgücü-Aktie raten, der damit Geld verdienen will“

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Von: Nico-Marius Schmitz

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Bescheren sie Anlegern eine Hausse? Die Spieler des ambitionierten Drittligisten Türkgücü.
Bescheren sie Anlegern eine Hausse? Die Spieler des ambitionierten Drittligisten Türkgücü. © Eibner Pressefoto / Heike Feiner via www.imago-images.de

Türkgücü München hat zuletzt mit dem geplanten Gang an die Börse überrascht. Finanzexperte Michael Heimrich erklärt, ob ein Kauf der Aktie wirtschaftlich sinnvoll ist.

München – Michael Heimrich, 54, arbeitet als Direktor bei der TOP Vermögen AG. Der Fonds TOP Sport Global Equity investiert in Unternehmen aus der Sportwelt. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Heimrich, wie er den geplanten Börsengang von Türkgücü München einschätzt, ob er als Bayern-Fan Dortmund-Aktien besitzt und wie es um Unterhaching an der Börse steht.

Herr Heimrich, wie haben Sie auf den geplanten Börsengang von Türkgücü reagiert?

Ich war zunächst mal sehr überrascht. Das war ich damals auch schon bei Unterhaching. Zunächst soll bei Türkgücü Kapital eingesammelt werden; ob sie das Listing dann später wirklich machen, ist ein zweiter Schritt. Klar ist aber jetzt schon – da Hasan Kivran auch nach der Kapitalerhöhung die Mehrheit behält, haben die anderen Aktionäre nur ein geringes Mitspracherecht.

„Es ist mehr etwas für Gönner, für Fans.“

Michael Heimrich rät von einem Kauf von Türkgücü-Aktien aus rein finanziellen Gründen ab.

Ist ein Aktienkauf bei Türkgücü aus Expertensicht zu empfehlen?

Empfehlungen sind schwierig, Risiko gibt es nämlich bei jedem Aktienkauf. Aber grundsätzlich kann man sagen, dass ein Investor investiert, um eine Rendite zu erwirtschaften. Oder er erwartet einen Kursgewinn. Das ist bei Türkgücü kurzfristig kaum abzusehen. Ich als Vermögensverwalter kann also niemandem zur Aktie raten, der damit Geld verdienen will. Es ist mehr etwas für Gönner, für Fans, die emotional mit dem Verein verbunden sind und keinen großartigen Gewinn erwarten.

Michael Heimrich investiert in Unternehmen aus der Sportwelt.
Michael Heimrich investiert in Unternehmen aus der Sportwelt. © Ptivat

Der Unternehmenswert wurde auf 30 Millionen Euro geschätzt. Ist das realistisch?

Mit dem Kaderwert von 6,75 Millionen liegt Türkgücü im oberen Drittel der 3. Liga. Es gibt jedoch keine Immobilienwerte und noch sehr viele Baustellen im Verein. Die 8 Millionen Euro, die eingenommen werden sollen, reichen niemals aus, um die infrastrukturellen Lücken zu schließen. Das Geld müsste also erst einmal genutzt werden, um in Spieler zu investieren. In der 2. Liga wird aber ein Nachwuchsleistungszentrum zur Pflicht, dann gäbe es also wieder Einbußen beim Kader. Es wird also auf jeden Fall weitere Finanzierungsrunden geben müssen, um die Kosten zu decken und die ambitionierten Ziele zu erreichen.

„Aktuell ist die Dortmund-Aktie für mich als Investor wieder sehr interessant.“

Michael Heimrich über den Kauf von Borussia-Dortmund-Aktien.

Andere Vereine sind bereits an der Börse. Wie steht es um Dortmund?

Ich habe in meinem Fonds die Dortmund-Aktien vor zwei Jahren mit Gewinn verkauft. Das war kurz bevor Hansi Flick übernommen hat und die Bayern dann wieder Meister geworden sind. Durch die aktuelle Kapitalerhöhung sollen die Corona-Lücken und Finanzschulden gedeckt werden. Die Aktien können zu 4,70 Euro gezeichnet werden, das ist sehr preisgünstig. Mittlerweile ist Dortmund auch wirtschaftlich wirklich ein fantastischer Verein. Zudem hat man die Supertalente um Erling Haaland und Jude Bellingham im Kader, die hohe Transfererlöse bringen werden. Aktuell ist die Dortmund-Aktie für mich als Investor und sogar Bayern-Fan wieder sehr interessant. Wenn es keinen sportlichen Erfolg gibt und Dortmund dann im Dezember wieder gegen Bayern verliert, wird der Aktienkurs aber natürlich abgestraft. (Interview: Nico-Marius Schmitz)

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