CNN berichtet über grässliche Anfeindungen

Türkgücü München: Rassismus-Fälle erschüttern internationale Presse

Hasan Kivran (l.) und Max Kothny sehen sich immer wieder rassistischen Äußerungen ausgesetzt.
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Hasan Kivran (l.) und Max Kothny sehen sich immer wieder rassistischen Äußerungen ausgesetzt.

Türkgücü München ist innerhalb von drei Jahren der Weg von der Landesliga in die 3. Liga geglückt. Rassismus ist dennoch ein steter Wegbegleiter des umstrittenen Vereins.

München - „Es ist die typische Geschichte eines Immigranten“, erklärt Alban Zinsou bei CNN Sports seinen Werdegang. Der 41-Jährige kam 1995 aus dem Togo nach Deutschland und ist heute Nachwuchskoordinator bei Türkgücü München. 

„Meine Lebensaufgabe ist es, Fußball zu lehren“, beschreibt der Togolese seinen Job. Dabei spielte der Fußball auch eine bedeutende Rolle bei seiner Integration. „Beim Fußballspielen war das erste Mal, dass ich ein Lächeln auf meinem Gesicht hatte“, erinnert sich Zinsou an seine Anfangszeiten in Deutschland.

Mit seiner Geschichte steht der 41-Jährige sinnbildlich für das Motto von Türkgücü München: Traditionen bewahren, Kulturen verbinden. Der Aufstieg von Türkgücü München veranlasste nun sogar das US-amerikanische Nachrichtenportal dazu, über den Immigrantenverein zu berichten verfassen. Im Blickpunkt dabei: Der Aufstieg Türkgücüs mit dem ewigen Begleiter Rassismus.

Türkgücü München: Fans sehen Aufstieg kritisch

In Folge des Durchmarsches von der Landesliga bis in die 3. Liga rückte Türkgücü München* in Rekordzeit in den Fokus der Fußball-Branche. Das Projekt Türkgücü sieht sich seit jeher großer Kritik ausgesetzt. 

Der stete Austausch des Kaders und der Trainer, die Abhängigkeit von Präsident Hasan Kivran oder das fordernde Auftreten des Klubs sind nur einige Kritikpunkte der Gegner von Türkgücu. Durchaus berechtigte Kritik.

Dass im Laufe der Zeit teilweise über 80 Prozent des Kaders nach der Saison ausgetauscht wurde, bestreitet Geschäftsführer Max Kothny auch gar nicht. „Meine Vorgehensweisen unterscheiden sich vom Rest des Fußballgeschäfts, welche seit 20 Jahren dieselben sind“, erklärt der CEO den Weg von Türkgücü und befeuert damit einen anderen Kritikpunkt. 

Die Aussagen des Geschäftsführers werden von einem großen Teil der Fans als arrogant und überheblich empfunden. Zuletzt sah sich Kothny einem Shitstorm ausgesetzt, nachdem er dem Lokalrivalen TSV 1860 München die Zweitligatauglichkeit abgesprochen hatte. Die Retourkutsche von unter anderem Michael Köllner und Sascha Mölders ließ nach dem Derbysieg nicht lange auf sich warten. 

Ein viel größeres Problem sehen die Widersacher des Aufsteigers allerdings in der Abhängigkeit von Präsident Hasan Kivran. Der angekündigte, aber nicht durchgezogene Ausstieg des Geldgebers am Anfang des Jahres zeigte: Die Fans haben in diesem Punkt recht. Ein Türkgücü München ohne Hasan Kivran ist auf diesem Niveau nicht überlebensfähig. So weit, so gut. Vereine mit Investoren wie die TSG Hoffenheim, RB Leipzig oder VFL Wolfsburg sehen sich ähnlicher Kritik ausgesetzt.

Türkgücü München: Rassismus als ewiger Begleiter       

Doch bei Türkgücü München schwingt bei aller berechtigter Kritik oft auch ein Faktor mit, der keiner sein darf: Rassismus.

Beispiele gibt es genug. 

Im Verlauf der Saison tauchten Fotos der rechtsextremistischen Kleinpartei "Der III. Weg" auf, die Vermummte vor den Stadien des FSV Zwickau und des 1. FC Magdeburg zeigten. Dabei wurde jeweils ein Banner mit der Aufschrift "Türkgücü München nicht willkommen" gezeigt. 

Als Türkgücü München im Januar zu Gast beim 1. FC K‘lautern war, wurden in der Nähe des Fritz-Walter-Stadions rassistische und fremdenfeindliche Aufkleber und Flugblätter angebracht.

Im April 2020 wurde Türkgücü-Spieler Yi-Young Park von den Zuschauerrängen mehrfach rassistisch beleidigt.

„Wir waren leider schon darauf vorbereitet und wussten, dass solche Dinge passieren werden“, erklärt Geschäftsführer Kothny. „Manchmal ist es eine Bürde, die türkische Flagge im Wappen zu haben“. 

Dabei sind die Rassismus-Vorfälle, die im Stadion oder davor stattfinden, nur die Spitze des Eisbergs. „Die Transparente sind nicht das Brutalste, was ich gelesen habe. Wir bekommen Briefe von Leuten aus ganz Deutschland. Wir bekommen Mails, die brutal sind, die wirklich rechtsextrem gegen den Verein sind", erzählt Kothny. Nach dem Derby gegen die Münchner Löwen teilte der 24-Jährige einige dieser Nachrichten in seiner Instagram-Story. Der Grundtenor ist bei allen Mitteilungen überall der gleiche. 

Auch wenn sich die Klubverantwortlichen von jenen wenigen rassistischen Fans distanzieren, ist das Problem nicht wegzudiskutieren. Im Jahr 2021 darf es nicht vorkommen, dass ein Verein aufgrund seines kulturellen Hintergrunds diffamiert wird. Kritik am Projekt Türkgücü ist nachvollziehbar und teilweise auch berechtigt. Rassistische Anfeindungen haben damit aber natürlich überhaupt nichts zu tun und in keinem Teil der Gesellschaft irgendetwas verloren.

Geschäftsführer Max Kothny gibt sich optimistisch: „Wir versuchen immer die Antwort auf dem Spielfeld zu geben, denn das ist es, was im Sport zählt. Sobald wir uns in eine politische Richtung bewegen, wird das nicht gut für uns ausgehen." (Korbinian Kothny) * tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA"

Hinweis für alle Leser: Autor Korbinian Kothny ist nicht mit Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny privat bekannt, verwandt oder verschwägert. Er schreibt die Texte im Auftrag der Redaktion von Fussball Vorort/FuPa Oberbayern.

Quelle: Merkur.de

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