„Was hier los ist, habe ich noch nie erlebt“

Ein Verein – vier Baustellen: Was muss bei Türkgücü München besser werden?

Dienstanweisung? Türkgücü-Präsident Hasan Kivran brüllt im Derby gegen 1860 Richtung Spielfeld. 
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Dienstanweisung? Türkgücü-Präsident Hasan Kivran brüllt im Derby gegen 1860 Richtung Spielfeld. 

Die erste Saison von Türkgücü München im Profi-Fußball neigt sich dem Ende entgegen. Der Verein polarisiert und hat für die Zukunft einige Aufgaben zu lösen.

München Die erste Saison im Profifußball von Türkgücü München neigt sich dem Ende zu. In der 3. Liga stehen noch die Partien gegen Dynamo Dresden mit Ex-Trainer Alexander Schmidt (Sonntag, 14 Uhr) und Viktoria Köln (22.5, 13:30 Uhr) an, im Hintergrund laufen die Planungen für die neue Saison auf Hochtouren. Welche Baustellen gibt es noch beim Verein von Präsident Hasan Kivran? Wir geben einen Überblick.

Kaderplanung für die Saison 2021/22: Türkgücü plant mit 20 bis 22 Feldspielern und drei Keepern

Zwölf Spieler aus dem aktuellen Kader haben einen Vertrag für die nächste Spielzeit, als Neuzugänge stehen bislang der 19-jährige Luis Jakobi (Greuther Fürth II) und Torwart Michael Wagner (FC Bayern*) fest. „Es wird ein schwieriger Transfersommer, da die Zeit zwischen Saisonende und Vorbereitungsstart (15. Juni, Anm. d. Red.) sehr kurz ist“, sagt Geschäftsführer Max Kothny im Gespräch mit dem Münchner Merkur. 

Zur neuen Saison plant Türkgücü München* mit 20 bis 22 Feldspielern plus drei Torhütern. Ein überfüllter Kader wie in der aktuellen Saison – teilweise gab es zwei verschiedene Trainingsgruppen – soll vermieden werden. Kothny: „Wir haben bereits betont, dass wir vier bis fünf richtig gute Spieler verpflichten wollen, die uns voranbringen, aber ebenfalls weiterhin auf ambitionierte Talente setzen möchten. Klar ist auch, dass wir Schnellschüsse vermeiden wollen.“

Infrastruktur: Türkgücü hofft auf Gespräche mit der Stadt München

Die Trainingsbedingungen an der Heinrich-Wieland-Straße entsprechen keinen Profibedingungen, Athletikeinheiten werden teilweise in der Kabine absolviert. Im April berichtete der Münchner Merkur, dass sich Türkgücü bei der Suche nach einem Grundstück, auf diesem ein Nachwuchsleistungszentrum entstehen kann, von der Stadt alleine gelassen fühlte. 

Aber mittlerweile habe Kothny das Gefühl, „dass wieder Schwung in die Sache kommt und wir mittelfristig die Infrastruktur bekommen werden, die wir uns wünschen.“ Derzeit befinde man sich in „konstruktiven und vertrauensvollen“ Gesprächen mit der Stadtspitze.

Die Unruhe bei Türkgücü München: Max Kothny will „sportliche wieder für Schlagzeilen sorgen“

Die DFB-Pokal*-Posse inklusive erbittertem Streit mit dem Bayerischen Fußball Verband, die Entlassungen von Alexander Schmidt sowie Serdar Dayat und jüngst der Zwist mit Sercan Sararer: Türkgücü hat in den vergangenen Monaten vor allem neben dem Platz für Unterhaltung gesorgt. Die Umstände wirken sich auch auf die Mannschaft aus, wie man aus Spielerkreisen hört und an den Ergebnissen der letzten Wochen deutlich ablesen konnte. „Was hier los ist, habe ich noch nie erlebt“, heißt es aus der Mannschaft, zahlreiche Spieler würden auf den Urlaub hinfiebern. 

Kothny betont, dass der Weg in den Profifußball für alle eine neue Erfahrung gewesen sei: „Wir haben sicherlich nicht alles richtig, aber auch nicht alles falsch gemacht. Ansonsten würde Türkgücü nicht in der 3. Liga spielen.“ Teilweise habe man sich den „ungeschriebenen Gesetzen des Profifußballs“ nicht gebeugt. „Wir sehen natürlich Ansätze, wo wir uns verbessern müssen. Ziel ist, dass wir sportlich wieder für Schlagzeilen sorgen“, sagt Kothny.

Türkgücü München: Präsident Hasan Kivran nimmt Einfluss auf die Trainer

Klar, der Mann, der nach eigenen Angaben mehrere Millionen in den Verein investiert hat, will auch mitreden. Die beiden Ex-Trainer Reiner Maurer und Schmidt klagten aber, dass die Einflussnahme Kivrans zu extrem sei

Auch Dayat soll der Mannschaft in der Halbzeitpause gegen Uerdingen laut Augenzeugen gesagt haben, dass der Präsident ihn „mehrfach pro Minute“ während des Spiels anrufe, um taktische Anweisungen zu geben oder Auswechslungen zu fordern. Dayat soll zudem in der Kabine geklagt haben, dass ihn die Arbeitsweise und der Druck bei Türkgücü „depressiv“ machen. (NICO-MARIUS SCHMITZ)

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Quelle: Merkur.de

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