Alexander Schmidt als Opfer der hohen Erwartungen

Türkgücü München: Pummer wegen fehlender Lizenz nur Interimstrainer

Schätzten die Zusammenarbeit: Andi Pummer (r.) an der Seite von Alexander Schmidt im Olympiastadion.
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Schätzten die Zusammenarbeit: Andi Pummer (r.) an der Seite von Alexander Schmidt im Olympiastadion.

Türkgücü München ist auf der Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen Alexander Schmidt. Andreas Pummer kann den Aufsteiger nur vorübergehend betreuen.

  • Nach der Trennung von Alexander Schmidt ist Türkgücü München auf der Suche nach einem neuen Trainer. 
  • Andreas Pummer fehlt die in der 3. Liga notwendige A-Lizenz und kann deshalb nur als Interimslösung einspringen. 
  • Als Coach führte der 38-Jährige Türkgücü von der Landes- bis in die Regionalliga und assistierte anschließend seinen beiden Nachfolgern Reiner Maurer und Alexander Schmidt.

München – Zeit zum Durchatmen gibt es bei Türkgücü München nicht. Nach zuletzt fünf Spielen ohne Sieg wurde am Dienstag Trainer Alexander Schmidt entlassen. Das war das Ergebnis einer „internen Analyse“, wie der Verein mitteilte. Geschäftsführer Max Kothny gab die „negative sportliche Entwicklung“ als maßgeblichen Grund für den Rauswurf an. Schmidt übernahm Türkgücü zur aktuellen Saison von Reiner Maurer, konnte die hohen Erwartungen der Verantwortlichen aber nicht erfüllen.

Türkgücü München: Alexander Schmidts Entlassung war eigentlich für Mittwoch geplant

Intern versuchen die Münchner mit Hochdruck die Lizenzierungsunterlagen für die 2. Bundesliga zu erfüllen, sportlich wurden die Aufstiegshoffnungen aber in den letzten Wochen erheblich gedämpft. Fünf Punkte Rückstand sind es bereits auf die drittplatzierten Rostocker, bei zwei Spielen mehr. Schmidt schaffte es zwar die Defensive zu stablisieren, dies ging jedoch völlig auf Kosten der eigentlich so starken Sturmreihe um Petar Sliskovic und Sercan Sararer. Gerade mal einen Treffer erzielte Türkgücü in den letzten fünf Partien. Ein Trend, der auch Präsident und Investor Hasan Kivran missfiel, der sich selbst als Macher und eben nicht Verwalter bezeichnet. Nach Informationen unserer Zeitung sollte die Entlassung eigentlich erst am Mittwoch offiziell verkündet werden, nach der Verabschiedung Schmidts vom Team. Die Spieler erfuhren aber dann am Dienstag schon aus Gesprächen mit Schmidt von der Freistellung.

Die Mannschaft übernimmt mit Andreas Pummer nun einer, der Türkgücü bestens kennt. „Es ist natürlich eine Umstellung vorübergehend wieder als Cheftrainer zu fungieren“, sagte der bisherige Co-Trainer unserer Zeitung, „Aber ich kenne den Verein und die Trainingsabläufe schon lange und werde mich selbstverständlich auch dieser Aufgabe annehmen.“

Türkgücü München: Andreas Pummer seit dem Durchmarsch von der Landesliga in die 3. Liga an Bord

Pummer hat seit 2017 jeden Schritt bei Türkgücü mitgemacht, jeden Schritt von der Landesliga bis ins Olympiastadion. Dabei hatte Pummer sein Glück doch eigentlich schon gefunden, beim FC Unterföhring. Dort war er jahrelang Trainer, führte den Verein in der Saison 2016/2017 sogar überraschend in die Regionalliga. Trotzdem folgte im Sommer 2017 der Wechsel zu Türkgücü, wieder zwei Spielklassen runter. „In Unterföhring hatte ich alles“, sagt Pummer. „Viele Leute haben nicht verstanden, warum ich den Verein verlasse. Freunde haben mich gefragt, ob ich verrückt sei.“

Doch der 38-Jährige wollte sich nicht zu wohl fühlen, sagt er, sonst kann es sein, dass man nachlässig wird. Maßgeblich für die Entscheidung pro Türkgücü war auch die Überzeugungskraft von Kivran: „Er hat mich zusammen mit Kadir Alkan (damaliger Teammanager, Anm. d. Red.) in den Gesprächen für Türkgücü begeistert. Kivran hat immer hinter mir gestanden, hat mich gefördert.“

Türkgücü München: Andreas Pummer von Hasan Kirvans Akribie beeindruckt

Pummer lebt nach dem Credo, dass man ständig mehr investieren muss als andere, sonst kommt man im Leben nicht weiter. Dem Familienvater war klar, was ihn bei dem neuen Projekt erwartet. Alles andere als der Aufstieg in die Bayernliga wäre nicht akzeptabel gewesen. „Natürlich war es nicht immer leicht. Jeder hat von uns den Durchmarsch in den Profifußball erwartet, zunächst musst du aber in der Landesliga in Töging oder Freilassing bestehen. Du spielst auf einer Bezirkssportanlage, der Rasen wurde nur einmal in der Woche gemäht.“ Pummer führte Türkgücü München mit 24 Siegen souverän in die Bayernliga, dann mit 21 Siegen in die Regionalliga. Jedes Mal mit einem neuen Kader. Über die Zusammenarbeit mit Mäzen Kivran sagt der Fußballlehrer: „Kivran ist kein Verwalter, sondern ein Macher. Es ist beeindruckend, wie akribisch er arbeitet. Natürlich ist Druck da, er spornt einen zu Höchstleistungen an.“

Seit Pummer sich dem Verein angeschlossen hat, gab es 82 Neuzugänge und 71 Abgänge: „Es ist brutal hart Spielern mitzuteilen, dass sie gehen müssen. Und das, obwohl man gerade Erfolg hat. Aber ich kann sagen: Ich war zu jedem einzelnen Spieler immer ehrlich.“

Türkgücü München: Andreas Pummer wegen fehlender Fußballlehrer-Lizenz nur Interimstrainer

Einer der das bestätigen kann, ist Efkan Bekiroglu. Der Ex-Löwe, aktuell beim türkischen Erstligisten Alanyaspor unter Vertrag, spielte in Unterföhring unter Pummer als Coach. „Ihn zeichnet aus, dass er dir immer die Wahrheit ins Gesicht sagt, egal worum es geht. Aber er weiß genau, in welchem Ton er es dir sagen muss, mal rauer, mal als Kumpel“, sagt der 25-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Besonders ein Spiel aus der gemeinsamen Zeit ist Bekiroglu in Erinnerung geblieben. 2014 war es, beim FC Pipinsried. Pummer ließ „Effe“ zunächst auf der Bank sitzen, damit er das Feld von hinten aufrollen kann. In der 62. Minute eingewechselt, steuerte Bekiroglu noch drei Treffer zum 4:1-Sieg bei. Doch der gebürtige Dachauer sagt mit einem Lachen: „Hätte er mich von Anfang an spielen lassen, hätte ich vermutlich fünf Dinger gemacht.“

Bei Türkgücü wechselte Pummer 2019 in die Rolle des Co-Trainers, erst von Reiner Maurer, dann von Alexander Schmidt. Für den Profibereich fehlt dem gebürtigen Hachinger noch die Fußballlehrer-Lizenz, er warte nun schon seit einem Jahr darauf, dass er endlich anfangen kann. Deshalb wird Pummer am kommenden Montag beim Spiel gegen den 1. FC Magdeburg auch nur als Interimstrainer an der Seitenlinie stehen.

Statt eines Denkmals gab’s eine Torte: Andi Pummer nach dem Regionalliga-Aufstieg mit Unterföhring.

Türkgücü München: Durchmarsch von der Landesliga für Andreas Pummer „wie ein Traum“

Pummer liebt die Details, die Feinheiten des Fußballs. Bei Türkgücü kümmerte er sich bislang um die Spielformen und Standards. Für ihn fühlen sich die Jahre von Spielen in der Landesliga in Töging bis zur 3. Liga im Grünwalder ohnehin schon „wie ein Traum“ an. Nun folgt mit dem Duell gegen Magdeburg der nächste Schritt als Cheftrainer im Profifußball, wenn auch erst mal nur vorübergehend.

(NICO-MARIUS SCHMITZ)

Quelle: Merkur.de

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