Der neue Abwehrchef bei Türkgücü München

Sorge: „Ich bin eine Führungspersönlichkeit, das liegt mir im Blut“

Mister Zuverlässig: Türkgücüs Alexander Sorge (vorne), hier mit Furkan Kircicek.
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Mister Zuverlässig: Türkgücüs Alexander Sorge (vorne), hier mit Furkan Kircicek.

Alexander Sorge ist zum Abwehrchef bei Türkgücü München gereift. Der 27-Jährige will mit dem Verein nach oben  und träumt von einem besonderen Duell.

München – Bei Türkgücü gibt es ein Ritual. Nach Siegen wird in der Kabine posiert, auf der Anzeigetafel steht das Ergebnis, die Mannschaft jubelt frenetisch. Einer, der nicht nur auf den Jubelbildern, sondern erst recht auf dem Platz den Ton angibt, ist Alexander Sorge. Der 27-Jährige gehört bei den Münchnern mittlerweile zu den konstantesten Spielern, hat sich als Chef der Defensive etabliert.

„Nicht umsonst absolviert er mittlerweile jedes Spiel über 90 Minuten“, sagt Trainer Serdar Dayat über seinen Schützling, „Er übernimmt von Tag zu Tag mehr Verantwortung und seine Leistungen sprechen für sich.“

Alexander Sorge: Wechsel vom FSV Zwickau zu Türkgücü MÜnchen war Neuanfang

Sorge wechselte 2019 vom FSV Zwickau nach München. Von einem Drittligisten in die Regionalliga. Für den Abwehrspieler sollte Türkgücü auch ein Neuanfang sein. Die Zeit in Zwickau war von Verletzungen überschattet: 2016 erlitt Sorge einen Kreuzbandriss, ein Jahr später folgte nur kurz nach dem Comeback eine erneute Operation am Kreuzband.

Bei Türkgücü startet der Sportler wieder durch, hat in der aktuellen Drittliga-Saison 22 von 27 möglichen Spielen (zwei Tore, eine Vorlage) absolviert: „Ich freue mich, wieder so gebraucht zu werden und als Leader voranzugehen. Ich bin eine Führungspersönlichkeit, das liegt mir im Blut.“

Türkgücü München: Alexander Sorge musste als „Urgestein“ nicht vor der Mannschaft singen

Sorge will seine Mitspieler bei Türkgücü auf und neben dem Platz mit klaren Ansprachen mitreißen. Durch die hohe Fluktuation innerhalb des Teams sei es enorm wichtig, dass man schnell zusammenfinde: „Je mehr Erlebnisse du außerhalb vom Platz gemeinsam hast, desto besser harmonierst du auch während des Spiels. Unser großer Trumpf ist, dass wir eine Einheit sind. Wir leben das.“

Als erste Integrationsmaßnahme mussten neue Spieler vergangenes Jahr im Sommertrainingslager von Türkgücü Mannschaft und Trainerteam mit einer Gesangseinlage begeistern. Torwart René Vollath überzeugte etwa mit einem Schlagerlied von Mickie Krause. „Da ich schon ein Urgestein im Verein bin, musste ich im Trainingslager nicht vorsingen“ erzählt Sorge lachend, „Die Auswahl wäre aber auch schwer geworden. Von Queen über Rolling Stones bis Rap höre ich alles.“

Alexander Sorge: Sieben Jahre bei RB Leipzig ausgebildet - Ralf Rangnick hat ihn beeindruckt

Der gebürtige Leipziger fühlt sich wohl in München, besitzt innerhalb der Mannschaft und des Vereins einen hohen Stellenwert. Im Sommer läuft der Vertrag aus, einen Verbleib kann sich Sorge gut vorstellen. Der permanente Wirbel, der den Verein von Hasan Kivran in der Außenwahrnehmung umgibt, stört den Defensivspezialisten nicht: „Es gibt zwei Möglichkeiten mit der Situation bei Türkgücü umzugehen. Entweder man nimmt die Umstände als Druck und Hektik wahr, oder man akzeptiert die Vorgabe, dass sich hier niemand mit Mittelmaß zufrieden gibt.“

Sorge ist ja mittlerweile ohnehin ein Experte für Vereine, die bei vielen Fans in Ungnade gefallen sind. Er spielte sieben Jahre lang für RB Leipzig, erst bei den Junioren, dann bei der zweiten Mannschaft: „Natürlich merkst du den Hass, der dir entgegen schlägt. Ich bin ein sehr rationaler Mensch, gönne jedem seine freie Meinung. Aber bei RB wurden Grenzen überschritten, teilweise wurden Spieler attackiert. Das ging weit über Antipathie hinaus.“ Beeindruckt hat ihn während der Zeit in Leipzig die Person Ralf Rangnick, „mit ihm kamen 2012 auch die Strukturen und der Erfolg“: „Rangnick ist ein Perfektionist, er hat das gesamte Konzept auf den Kopf gestellt. Es gibt wenige Mannschaften in Europa mit so guten Trainingsbedingungen wie in Leipzig.“

Alexander Sorges Traum: Duell gegen Kumpel Stefan Ilsanker von Eintracht Frankfurt

Aktuell trainiert Sorge auf einer Bezirkssportanlage. Für Türkgücü wünscht er sich, dass der Verein in Zukunft positiver wahrgenommen wird. Viele würden vielleicht nicht verstehen, welche Geschichte der erste von Migranten gegründete Verein im Profifußball erzählt.

Auf eine persönliche Geschichte fiebert Sorge in seiner Fußball-Karriere auch noch hin. Auf ein direktes Duell mit Stefan Ilsanker von Eintracht Frankfurt: „Er ist mein bester Freund, da gibt es bestimmt ein paar Platzwunden, wenn wir aufeinandertreffen. Aber nach dem Abpfiff werden wir uns bestimmt in den Armen liegen.“

(NICO-MARIUS SCHMITZ)

Quelle: Merkur.de

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