Türkgücü-Geschäftsführer zieht ein Saisonfazit

Kothny über Präsident Kivran: „Wollen von der Abhängigkeit wegkommen“

Immer auf Ballhöhe: Türkgücüs Geschäftsführer Max Kothny (24). 
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Immer auf Ballhöhe: Türkgücüs Geschäftsführer Max Kothny (24). 

Türkgücü München hat nach dem Aufstieg in die 3. Liga ein turbulentes erstes Jahr im Profifußball erlebt. Geschäftsführer Max Kothny zieht ein Fazit.

München –Ein Urgestein verlässt Türkgücü München*. Nach vier Jahren im Verein wirdCo-Trainer Andreas Pummer seinen Vertrag nicht verlängern, um eine „neue Herausforderung anzunehmen“. Auch Ex-Löwe Kilian Fischer wird in Zukunft nicht mehr für den ambitionierten Drittligisten spielen und schließt sich dem 1. FC Nürnberg an. Türkgücüs Geschäftsführer Max Kothny zieht in unserer Zeitung sein Saisonfazit und blickt voraus auf die kommende Spielzeit.

Herr Kothny, wie lautet ihr Saisonfazit, welche Schulnote gibt es jetzt für Türkgücü?

Wenn ich die ganze Saison mit allen Facetten betrachte, u. a., dass wir überhaupt am Spielbetrieb der 3. Liga teilnehmen konnten, würde ich eine Zwei geben. Der sportliche Erfolg lag zwischen der Note Eins bis Fünf. Ich denke als Mittelwert können wir uns auf eine Drei einigen.

Was in den letzten Wochen auf dem Platz passiert ist, ging dann eher in Richtung fünf.

Definitiv. Wir sind seit Jahren ein Verein voller Ambitionen. Wie wir uns teilweise auf dem Platz präsentiert haben, hatte nichts mit der Spielphilosophie von Türkgücü zu tun. Aber, wenn man sich anschaut, dass Bayern II als Meister abgestiegen ist und wir vor Clubs wie dem MSV Duisburg oder 1. FC Kaiserslautern stehen, relativiert das vieles. Wir haben gelernt: diese 3. Liga ist absolut verrückt. Es braucht enorm viele Komponenten, um erfolgreich zu sein und oben mitzuspielen.

Max Kothny zur Trennung von Alexander Schmidt: „Wollten interne Unruhen damit schlichten“

Hat man sich den Negativtrend der vergangenen Wochen und Monate selbst zuzuschreiben? Der Rauswurf von Alexander Schmidt, die Posse um Serdar Dayat ...

Bei der Trennung von Alexander Schmidt kamen viele Faktoren hinzu, die von außen im ersten Moment vielleicht nicht so wahrzunehmen waren. Dazu gehören auch interne Unruhen, die wir damit schlichten wollten, der Trainerwechsel war grundsätzlich keine falsche Entscheidung. Mit Serdar Dayat lief es daraufhin sportlich leider nicht rund. Ebenfalls kam er auf mich und den Präsidenten zu und klagte über anhaltende Beschwerden. Diese haben wir extra in den Auflösungsvertrag aufgenommen. Dass er die Beschwerden im Nachhinein dementiert, ist der Wahnsinn. Aber: ich will gar nicht groß nachtreten. Wir haben für die kommende Saison dazugelernt. Manche Situationen hätte man anders lösen können. Weniger Schnellschüsse, durchdachtere Entscheidungen, mehr Ruhe im Verein – aber all das, ohne irrelevant zu werden. Wir stehen für etwas und polarisieren halt auch mal.

Sie haben „knallharte“ Entscheidungen nach den Leistungen in den letzten Wochen angekündigt. Wer muss noch gehen?

Einige Spieler haben ihre Vertragsverlängerung ja bereits unterzeichnet. Nächste Woche findet eine intensive Analyse des Kaders statt. Dann wird entschieden, welche Spieler den Verein verlassen werden und welche Verträge verlängert werden.

Gerüchte um Präsident Hasan Kivran? „Was da reingedichtet wird, ist der Wahnsinn“

Der Kader muss verstärkt werden. Wer hat nach all dem Wirbel um den Verein denn überhaupt noch Lust auf einen Wechsel zu Türkgücü?

Erst mal macht uns die Ligenzugehörigkeit interessant. Dann haben wir mit Petr Ruman einen Trainer, der Spieler begeistern kann. Vielleicht denkt sich der ein oder andere, der uns nur von außen betrachtet, dass hier Chaos herrscht. In Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen merken wir das aber überhaupt nicht. Wir haben hohe Ziele, das macht uns attraktiv. Wer mit den ambitionierten Zielen nicht umgehen kann, ist bei uns sowieso fehl am Platz.

Haben Sie Petr Ruman schon empfohlen, dass er sein Handy während des Spiels auslässt?

(lacht) Was da reingedichtet wird, ist teilweise der Wahnsinn. Hasan Kivran ist ein Vollblutfußballfan. Dass der Präsident aber während des Spiels den Trainer anruft, halte ich für eine vage Behauptung. Ruman wird das Handy jedenfalls aus haben und sich Woche für Woche voll auf das Spiel konzentrieren.

Die erste Bewährungsprobe für den neuen Trainer wird der Totopokal sein. Mit der Ansetzung am 19. Juni sind Sie nicht zufrieden.

Die Ansetzung ist höchst unglücklich. Ich habe das Gefühl, dass man versucht, uns den Weg zum DFB-Pokal erheblich zu erschweren. Spieler, die uns nach dem 30.06. verlassen, müssen beim Pokal noch mitspielen. Unsere Neuzugänge sind hingegen noch nicht spielberechtigt. Man hätte seitens des Verbands ein anderes Modell aufziehen können. Am Samstag spielen 13 Landesverbände ihr Pokalfinale und halten den Zeitplan ein.

Präsident Hasan Kivran bleibt bei Türkgücü München

Bei der Mitgliederversammlung vor ein paar Wochen wurde einem möglichen Formwechsel in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien zugestimmt. Ein Zeichen dafür, dass sich in Zukunft mehr Investoren an Türkgücü beteiligen sollen?

Das GmbH-Modell ist zu starr. Die Umwandlung eines Profivereins ist allerdings nicht so simpel, da gibt es aktuell noch viele Sachen zu klären. Grundsätzlich ist es aber unser Ziel, dass wir wegkommen wollen von der Abhängigkeit, von der One-Man-Show, wie es medial gerne dargestellt wird. Gleichzeitig öffnen wir uns für potenzielle externe Investoren.

Ist das auch ein Signal dafür, dass Hasan Kivran längerfristig bei Türkgücü bleiben wird?

Hasan Kivran steckt so viel Zeit und Geld in den Verein. Was macht es denn für einen Sinn, wenn der Kapitän das Schiff jetzt verlassen würde? Das ist nicht seine Art als Geschäftsmann und Fußballliebhaber.

Wie blicken Sie persönlich auf die vergangenen Monate zurück?

Ich bin sehr viel reifer geworden. Es gab so viele Sondersituationen in dieser Saison bedingt durch die Corona-Pandemie. Es war eine harte und gute Schule. Ich habe Fehler gemacht, da bin ich selbstkritisch und stehe meinen Mann. Ich weiß aber auch, dass wir uns als Verein enorm weiterentwickelt haben. Eins ist sicher, es soll nicht die letzte Saison im Profifußball gewesen sein.

(Interview: Nico-Marius Schmitz)

Quelle: Merkur.de

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