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Türkgücü München: Vereins-Boss Kivran will verkaufen - Abstiegskampf schreckt Interessenten ab

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Von: Nico-Marius Schmitz

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Schwierige Zeiten: Präsident Hasan Kivran und Geschäftsführer Max Kothny (rechts).
Schwierige Zeiten: Präsident Hasan Kivran und Geschäftsführer Max Kothny (rechts). © Imago

Türkgücü München erlebt nicht nur sportlich derzeit eine schwierige Phase. Auch der geplante Börsengang funktioniert nicht nach Plan.

München – Vor dem Derby am Samstag sind viele Fragen offen. Wie präsentiert sich Türkgücü mit dem neuen Trainer Andreas Heraf? Können sich die Löwen in der Tabelle weiter nach oben arbeiten und gleichzeitig den Stadtnachbarn noch tiefer in den Abstiegskampf stürzen? Doch nicht nur die Sport-, sondern auch die Finanzwelt wird das Duell im Olympiastadion genau verfolgen. In den letzten Wochen war es still geworden um die großen Börsenpläne von Türkgücü.

Zwischen Ende August und Oktober 2021 konnten 666 666 neue Aktien zum Preis von 12 Euro gezeichnet werden. Geschäftsführer Max Kothny hoffte auf eine Summe von acht Millionen Euro, das Ziel wurde jedoch nicht ansatzweise erreicht. Und somit hat sich auch das Initial Public Offering (IPO) an der Bayerischen Börse vorerst erledigt. „Durch das IPO sind die Aktien an der Börse gelistet und handelbar. Es findet also eine tägliche Kursfeststellung statt, mit der man relativ einfach den Unternehmenswert bzw. die Marktkapitalisierung (Stückzahl der Aktien x Kurs) berechnen kann“, erklärt Michael Heimrich, Direktor bei der TOP Vermögen AG.

Türkgücü München: Abstieg in die Regionalliga wäre desaströs

Nach Informationen unserer Zeitung ist Vereinspräsident Hasan Kivran bereit, die meisten seiner Anteile zu verkaufen. Auch Interessenten an einer Mehrheit der Türkgücü München Fußball GmbH gab es, Gespräche wurden und werden weiterhin geführt. Zuerst hatte die „Börsen-Zeitung“ hierüber berichtet.

Doch nicht nur die sportliche Misere samt Abstiegskampf schreckt neue zahlungskräftige Investoren jedoch ab. „Bei Türkgücü gibt es viele auslaufende Spielerverträge. Bei Spielern, die nur noch ein Jahr Vertrag haben, macht das sogar die Hälfte des aktuellen Marktwertes aus“, sagt Heimrich. Hinzu kommen die Trainerentlassungen. Der Finanzexperte denkt daher, dass „das Geld, das durch die Zeichnung neuer Aktien eingenommen wurde, vermutlich erst mal nicht für neue Infrastruktur, sondern zum Stopfen von finanziellen Lücken genutzt werden wird.“ Mit einer Entscheidung, ob es doch noch zum Börsengang kommt, ist im Januar nicht mehr zu rechnen. Zunächst müssen sich die Münchner aus dem Tabellenkeller spielen, damit die Verhandlungen mit potenziellen Investoren wieder aufgenommen werden können. Das Ziel Aufstieg in die 2. Liga ist für die aktuelle Saison schon längst abgehakt, ein Rückfall in die Regionalliga wäre für das Projekt Türkgücü desaströs.

„Türkgücü hatte in den letzten Jahren rasant Erfolg. Wenn ein Unternehmen schnell und stark gewachsen ist und große Schritte plant, beispielsweise einen Börsengang, müssen aber alle Strukturen mitwachsen“, sagt Heimrich: „Das ist bei Türkgücü offensichtlich nicht der Fall.“ (Nico-Marius Schmitz)

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