Ex-Teammanager im Interview

Alkan: „Türkgücü steht vor einer Grundsatzfrage“

Kadir Alkan war zu Landesliga-Zeiten Teammanager bei Türkgücü München.
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Kadir Alkan war zu Landesliga-Zeiten Teammanager bei Türkgücü München.

Nach seinem Ende bei Türkgücü München war es ruhig um Kadir Alkan geworden. Im Interview spricht der Ex-Teamamanger über die Perspektive seines Ex-Vereins und persönliche Ziele.

Nachdem Kadir Alkan im ersten Teil des Interviews ausführlich über seine Arbeit bei Türkgücü München gesprochen, blickt der 40-Jährige im zweiten Teil in die Zukunft. Alkan glaubt nicht, dass die Stadionfrage im Moment das größte Problem seines Ex-Vereins ist. Außerdem verrät er seine persönlichen Ziele und liebäugelt mit einem Engagement in  der Regionalliga Bayern. 

Ist das Grünwalder-Stadion mit dem bevorstehenden Aufstieg in die dritte Liga noch bzw. wieder ein Thema bei Türkgücü München?

Das kann ich nicht beantworten, weil ich intern nicht dabei bin. Momentan geht es glaube ich nicht nur um das Thema Aufstieg und die 3. Liga, sondern es entsteht eine Grundsatzfrage durch Corona: Wie geht es überhaupt weiter? Ohne Zuschauer fehlen natürlich Einnahmen und auch Sponsoren können in dieser Zeit wegbrechen. Dadurch hat man eine ganz andere Budgetplanung. In der Haut der Verantwortlichen möchte ich aktuell nicht stecken, die ohne sichere Ligazugehörigkeit den Kader planen müssen. Das sind für mich im Moment die größeren Probleme als die Frage um das Grünwalder Stadion.

Alkan: „Die 3. Liga ist finanziell undankbar“

Hältst du den Aufstieg unter diesen Bedingungen für möglich?

Man hat jetzt so lange auf das Ziel hingearbeitet. Der Verein möchte die gute sportliche Ausgangsposition natürlich nutzen und den letzten Schritt gehen. Die 3. Liga ist finanziell allerdings undankbar. Zudem hat Türkgücü kaum Fans und auch keine funktionierende Jugendarbeit. Das ist bei vielen Mannschaften in der 3. Liga anders. Spieler aus der eigenen Jugend kannst du verkaufen und der Verein hat neben den Sponsoren eine weitere Einnahmequelle.

Wie schwer ist es, eine funktionierende Jugendarbeit aufzubauen?

Sehr, ich habe selbst in der Jugend des TSV 1860 München gespielt, als die 1. Mannschaft noch in der Bundesliga war. Zurzeit haben sogar die Löwen Probleme, weil der TSV 1860 im Jugendbereich nicht mehr aus den Bayernligen rauskommt. Eine Jugendarbeit von Grund auf zu entwickeln ist natürlich nochmal schwieriger. Da fehlt dir als Verein dann ein Stück weit die Basis.

Alkan über seine Zukunft: Wenn ich einsteige, muss das Projekt Hand und Fuß haben“

Wie sieht es mit deiner persönlichen Zukunft aus?

Ich habe nach Türkgücü eine Auszeit gebraucht und diese sehr genossen. Danach hatte ich einige Gespräche, war aber eher Ratgeber. Die Anfragen, die dann kamen, waren für mich leider nicht interessant. Ich war Verantwortlicher in einem aufstrebenden Verein in höherklassigen Ligen. Danach war es für mich schwierig, mich zu motivieren, um woanders quasi von vorne anzufangen. In letzter Zeit war ich im Austausch mit einigen Vereinen, es gab aber auch coronabedingt nichts konkretes. Wenn ich wieder einsteige, muss das Projekt Hand und Fuß haben. Ich möchte nicht wieder einen kompletten Neuanfang starten.

Hast du wieder richtig Lust auf eine neue Aufgabe?

Grundsätzlich habe ich schon wieder Lust, etwas zu bewegen. Am liebsten würde ich in einer neuen Liga arbeiten, das wäre dann zum Beispiel die Regionalliga. Da ich aber nicht im unterklassigen Bereich arbeiten möchte, sind die Optionen natürlich etwas begrenzt. Ich gehe mit der Einstellung rein, dass ich nichts machen muss.

„Ich möchte immer Spielertypen mit Charakter und Qualität“

Wenn du auf deine Zeit bei Türkgücü zurückblickst, gibt es Sachen, die du anders machen würdest bzw. zukünftig anders machen wirst?

Anders machen ist immer so eine Sache. Man muss sich zuerst immer den Status-Quo von Mannschaft und Verein anschauen. Der bedingt natürlich ein Stück weit die Entscheidungen, deshalb kann ich das so pauschal nicht sagen. Was ich aber unbedingt beibehalten möchte, sind Disziplin, klare Strukturen und kurze Prozesse innerhalb des Vereins. In einer Mannschaft möchte ich immer Spielertypen mit Charakter und Qualität haben.

Vielen Dank für das Gespräch und gesund bleiben!

Interview: Florentin Reif

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