Der „Macher“ vom Ersten der Regionalliga Türkgücü München im Interview

Kadir Alkan über Türkgücü München: „Wir hatten nie wieder Kontakt“

Inzwischen sind Andy Pummer (l.) und Kadir Alkan (r.) beide kein Teil mehr von Türkgücü München. Alkan spricht im Interview über seine Zeit beim Regionalliga-Erstplatzierten.
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Erfolgsduo: Trainer Andy Pummer (l.) und Kadir Alkan (r.) führten Türkgücü München nach oben. Alkan spricht im Interview über seine Zeit beim Regionalliga-Erstplatzierten.

Kadir Alkan war einer der wichtigen Stützen von Türkgücü München. Im Interview spricht der 40-Jährige über die Anfänge und Entwicklung von Türkgücü München.

Im September 2018 sorgte der Rückzug von Kadir Alkan bei Türkgücü München für Aufsehen. Zwei Jahre arbeitete Alkan als Manager für den Verein und maßgeblich am sportlichen Aufschwung beteiligt.  Zum Zeitpunkt des Rückzugs war es ein offenes Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen Vereinspräsident und Geldgeber Hasan Kivran und Kadir Alkan nicht mehr das beste war. "Hasan Kivran ist die wichtigste Person im Verein, alle anderen Leute sind ersetzbar", sagte Alkan damals. Wir haben mit Kadir Alkan über den Aufstieg von Türkgücü München, seinen Anteil am Erfolg und seine Zukunftspläne gesprochen

Yasin Yilmaz hat dich als großen Garanten für den Erfolg von Türkgücü München betitelt. Wie siehst du deinen Anteil?

Es ist immer schwierig seine Arbeit selbst zu bewerten. Es hat mich natürlich trotzdem gefreut, dass der Yasin bei dem ganzen Erfolg an mich gedacht hat. Denn egal, ob man ein Haus baut oder einen Fußball-Verein aufbaut, der Rohbau ist immer entscheidend. Das Fundament von Türkgücü gab es ja schon sehr lange. Allerdings haben wir dieses wiederbelebt. Es waren extrem turbulente und schwierige Zeiten. An dem Erfolg haben nicht nur ich und der Präsident unseren Anteil gehabt, sondern auch die Spieler und alle Leute rund herum. Damals haben alle ihre Arbeit gut gemacht, obwohl wir mit Vorurteilen kämpfen mussten und obwohl niemand an das Projekt geglaubt hat. 

Bist du stolz auf dieses Fundament?

Absolut. Als ich gegangen bin, hat sich das Image schon verbessert, sportlich hat alles gepasst und die Mannschaft war bereits etabliert. Auch die Infrastruktur haben wir damals schon in die richtige Richtung gelenkt. In den letzten 14 bis 15 Monaten hat man nur von den Verantwortlichen gesprochen, die jetzt da sind. Diejenigen, die eigentlich für vieles Verantwortlich sind, wurden öffentlich dann kaum bis gar nicht mehr erwähnt.

„Erst mit mir kam Schwung in das Projekt“

Kann man somit sagen, dass du mit dem Präsidenten mitverantwortlich für das Gerüst bei Türkgücü München warst?

Definitiv! Ich bin fünf oder sechs Monate nach ihm gekommen. Erst dann kam der richtige Schwung. Nach der schwierigen Anfangsphase konnten wir das Ruder herumreißen und in die Erfolgsspur finden. Das Baby war dann auf dem Weg und hat gelernt, selber zu laufen. 

„Türkgücü zu verlassen, war die richtige Entscheidung“

Wie war es für dich, nach der erfolgreichen Zeit kein Teil mehr von Türkgücü zu sein? 

Als es zu Ende ging, war es von meiner Seite aus schon sehr schwer, los zu lassen. Wenn ich jetzt allerdings auf die Jahre zurück blicke, muss ich sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Das Projekt hat mich sehr viel Kraft gekostet. Es ist anstrengend neben dem normalen Beruf und der Familie für Türkgücü an allen Fronten zu kämpfen. Deshalb war die Trennung vom Verein eine wahre Erleichterung.

Was überwiegt? Der Stolz auf das, was du geschafft hast oder die Trauer, kein Teil des Vereins mehr zu sein?

Ich bin wirklich stolz darauf, was wir alles mit dem Verein erreicht haben. Ich finde es nur schade, dass wir oft vergessen werden. Deshalb fand ich es so cool, dass Yasin auch in Zeiten des Erfolgs an die Macher der Vergangenheit gedacht hat. Ein Robert Hettich oder die aktuellen Spieler wären ohne uns gar nicht gekommen. Man sollte, egal wo man ist, immer auch die Arbeit der Anderen wertschätzen. Diese Wertschätzung habe ich bei der Trennung vermisst. Man hat so getan, als wäre nichts gewesen. Einen gewissen Dank hätte ich erwartet. Es ist immer wichtig, dass man sauber und mit Stil auseinander geht.

„Ich habe nie ein Danke oder eine positives Feedback bekommen“

Hast du dich nicht genug wertgeschätzt gefühlt?

Wir hatten tatsächlich seit der Trennung nie wieder Kontakt. Ich bin keiner der jeden Tag Streicheleinheiten braucht. Wenn ich aber die letzten 13 bis 14 Monate sehe und merke, wie wenig die Arbeit von mir oder auch meinem Nachfolger gewürdigt wurde, dann enttäuscht mich das. Ich habe nie ein „Danke“ oder ein positives Feedback bekommen. Im Endeffekt muss man jeden Mitarbeiter wertschätzen.

Was hältst du von dem Aus deines Nachfolgers Robert Hettich trotz des sportlichen Erfolges?

Ich kenne seine tägliche Arbeit nicht und kann diese nicht beurteilen. Nach außen hin zählt der sportliche Erfolg und den hatte er. Pauschal kann man als Außenstehender nicht sagen, ob die Entlassung gerechtfertigt war oder nicht. Man hat zu wenig Informationen. Die Spieler, Mitarbeiter oder auch die Verantwortlichen, die aktuell dort sind, können das besser beurteilen. Allerdings sehe ich da auch gewisse Parallelen zu meinem Abschied. 

„Der Erfolg war für uns damals eine Bestätigung“

Türkgücü gilt als Personal-Karussell. Viele Personalien werden dort schnell und oft ausgewechselt. Wie siehst du das?

Das liegt insgesamt in der Natur der Fußballs. Der Fußball ist schnelllebig und undankbar. Je höher es geht, desto extremer wird es. Oft sind die Spieler selber für ihr Schicksal verantwortlich. Ein Verein hat Ziele und das Personal muss man immer den Zielen entsprechend anpassen. Wenn ich auf eine Rallye-Strecke gehe, brauche ich ja auch das richtige Auto. Es wird immer Wechsel geben und die brauchst du auch, um erfolgreich zu sein.

Rechtfertigt der Erfolg die Personalwechsel?

Zu meiner Zeit hat uns der Erfolg recht gegeben. Die Verantwortlichen müssen immer Entscheidungen treffen und an den richtigen Stellschrauben drehen. Allerdings gibt es auch im Profibereich Manager, bei denen ich mir denke: „Oh mein Gott! Was macht der?“. Jeder hat seine eigene Meinung. Als Außenstehender ist es deshalb oft schwer, Entscheidungen nachzuvollziehen und zu beurteilen.

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