Kothny fordert Gleichbehandlung wie TSV 1860 und FCB

Hier soll Türkgücüs Heimat entstehen - daran hapert es noch

Die Macher: Hasan Kivran (l.) und Max Kothny (r.) wollen Türkgücü vorantreiben.
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Die Macher: Hasan Kivran (l.) und Max Kothny (r.) wollen Türkgücü vorantreiben.

Türkgücü München fühlt sich wie das ungeliebte Kind der Stadt. Geschäftsführer Kothny fordert von der Politik gleiche Bedingungen wie der TSV 1860 und der FC Bayern.

München – Türkgücü München ist längst im Profifußball angekommen. Der Neuling spielt eine solide Saison in der 3. Liga. Von einer professionellen Infrastruktur sind die Münchner aber nach wie vor weit entfernt. Das liegt auch am zuweilen komplizierten Verhältnis mit der Stadt München.

Ende Februar teilte die Olympiapark München GmbH (OMG) – dessen Aufsichtsratvorsitzende die 3. Bürgermeisterin Verena Dietl ist – Türkgücü mit, dass die „Finanzierung für den Einbau der notwendigen Rasenheizung für das Olympiastadion München“ von der Landeshauptstadt München übernommen werde. Der Beschluss hierzu sollte in der Vollversammlung des Stadtrates am 24. März erfolgen. Dem Vernehmen nach lag aber für diese Sitzung nicht mal eine Beschlussvorlage zum Thema Rasenheizung vor. Das Heikle: Die OMG kann die Planungskosten, die sich im sechsstelligen Bereich befinden sollen, nicht ohne Stadtratsbeschluss stemmen. Daher kann die Rasenheizung nicht pünktlich zu Saisonbeginn eingebaut werden. Insbesondere weil dem DFB der Stadtratsbeschluss im März zugesichert wurde, erschwert dies nun den Erhalt einer Drittliga-Lizenz für Türkgücü München erheblich. Infolge dieser Komplikationen musste der Verein von Präsident Hasan Kivran beim DFB eine Ausnahmegenehmigung für das Olympiastadion einreichen.

Türkgücü München: Vier Spiele im Olympiastadion kosten 50.000 Euro mehr als im Grünwalder Stadion

Die Thematik Rasenheizung reiht sich in eine lange Liste von Problemen zwischen der Stadt München und Türkgücü ein. Zu Bayern- und Regionalliga-Zeiten durfte Türkgücü etwa nicht im Grünwalder Stadion spielen und musste stattdessen in den kostenintensiveren Sportpark Heimstetten ausweichen. In der aktuellen Saison laufen die Münchner zwar im Grünwalder Stadion auf, bestreiten jedoch auch acht Spiele im Olympiastadion. Nach Informationen des Münchner Merkur wurde Türkgücü versichert, die Kosten für den Spielbetrieb würden sich mit den Kosten für das Grünwalder Stadion decken. Obwohl die Miete beider Stadien identisch ist (bei Geisterspielen 2500 Euro), fallen im Gegensatz zum Grünwalder Stadion im Olympiastadion Zusatzkosten für Faktoren wie Stadionpersonal, Strom oder Reinigung an. 

Daher ergibt sich aus bislang vier Spielen im Olympiastadion ein Gesamtnachteil von etwa 50.000 Euro für Türkgücü im Vergleich zu den anderen Münchner Drittligisten. Dem ambitionierten Verein geht es um keine „Extrawurst“, sondern einfach um Gleichbehandlung. Im März teilte Dietl mit: „Die Stadt München ist stolz darauf, gleich drei Profi-Vereinen eine Fußball-Heimat zu geben. Das ist ein starkes Signal für die Sportstadt München.“ Von dem starken Signal spürt Türkgücü aber bislang noch recht wenig. Auf Nachfrage bei Türkgücü soll die zunächst konstruktive Kommunikation mit der Stadtspitze in den vergangenen Wochen wieder eingeschlafen sein.

Türkgücü München will bis 2023 in die 2. Liga - dort ist ein NLZ Pflicht

Auch das Thema Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) sorgt weiter für Konfliktstoff. Eines ist klar: Von der Stadt kann nicht erwartet werden, eine freie Fläche für ein solches Projekt auf Knopfdruck herzuzaubern. Erst recht nicht in einer Stadt wie München, in der die Flächenpotentiale sehr begrenzt sind. Türkgücü hat allerdings schon vor vier Jahren angekündigt, dass der Verein so schnell es geht in den Profifußball möchte. Eventuell hat die Stadt dem Klub den rasanten Aufstieg nicht zugetraut? Bis 2023 will Türkgücü in die Zweite Bundesliga aufsteigen. Spätestens dann wird ein NLZ zur Pflicht.

Aktuell trainieren die Münchner gemeinsam mit drei Amateurvereinen in der Heinrich-Wieland-Straße auf einer Bezirkssportanlage, die auch für regelmäßigen Schulsport genutzt wird. Im Winter ist der Platz oft unbespielbar, die Athletikeinheiten müssen häufig in der Kabine stattfinden. Profibedingungen? Fehlanzeige.

Türkgücü München: Geschäftsführer Max Kothny nimmt Stadt München in die Pflicht

Wo könnte also eine sportliche Heimat für Türkgücü entstehen? Nach Informationen des Münchner Merkur gab es schon fortgeschrittene Gespräche über eine neue Sportfläche an der Riemer Straße. Da die dortige Fläche von rund 2,5 Hektar für ein NLZ jedoch nicht ausreichen würde, müsste eine Erweiterung durch die angrenzenden freien Flächen stattfinden. So könnte eine Bezirkssportanlage, deren Fertigstellung für die kommenden Jahre geplant sein soll, eine langfristige und exklusive Heimat für den Drittliga-Aufsteiger darstellen. „Auch wir wollen nachhaltig für Profis und Talente eine Heimat bieten, und das möglichst zeitnah. Ich erwarte von der Sportstadt München, uns eine Sportfläche zu den gleichen finanziellen Konditionen wie unsere Mitbewerber TSV 1860 München und FC Bayern München zu stellen“, teilte Geschäftsführer Max Kothny dem Münchner Merkur mit.

Die Stadt und der Verein sind sich seit längerem einig, dass der Nachwuchs und die Profimannschaft von Türkgücü eine Heimat an einem Standort erhalten soll. Die Stadt zögert allerdings mit der Zusage für das Bauprojekt. Für Türkgücü haben die Planungen jetzt schon lange genug im Konjunktiv stattgefunden. Der Drittligist braucht klare Zusagen, um sich endlich wie ein gleichberechtigter Profiverein und nicht länger wie das ungeliebte Kind der Stadt zu fühlen.

(NICO-MARIUS SCHMITZ)

Quelle: Merkur.de

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