Interview mit Holzkirchens Sportlichem Leiter

Wagner: „Schaden wird auf keinen Fall harmlos sein“

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Ein Spiel bestritt der TuS Holzkirchen nach der Winterpause in der Landesliga Südost. In Kirchheim gewannen die Holzkirchner 2:1. Seitdem ruht der Ball.

Michael Wagner, Sportlicher Leiter des Landesligisten TuS Holzkirchen, spricht über die Auswirkungen des Coronavirus.

Holzkirchen – Auf Profiebene können viele Fußballvereine noch nicht abschätzen, wie sehr die Corona-Krise auf deren Existenz auswirken wird – oder eben auch nicht. Fest steht, dass den Klubs in der Bundesliga hohe Millionenbeträge an Einnahmen fehlen. Doch wie sieht es ein paar Ligen tiefer aus? Im Gespräch erzählt Michael Wagner, neuer Sportlicher Leiter des TuS Holzkirchen, wie sein Stab und die Mannschaft mit der aktuellen Situation umgehen und welche Möglichkeit es gibt, die Saison zu retten.

Herr Wagner, Sie haben derzeit sicherlich viele Gespräche zu führen. Geht es im Verein allen soweit gut?

Ja, danke. Es geht allen soweit gut, und bisher habe ich nichts von einem positiven Fall gehört.

Was haben Sie den Spielern für die kommenden Wochen mit auf den Weg gegeben?

In erster Linie haben wir den Jungs einen Trainingsplan mitgegeben. Sie sollen verschiedenste Übungen für beispielsweise Ausdauer und Kraft machen. Uns bleibt ja erst einmal nichts anderes übrig, als am Ball zu bleiben, um für den wünschenswerten, aber unwahrscheinlichen Fall, dass alles bald wieder läuft, bereit zu sein. Des Weiteren soll sich jeder an die Vorgaben, die wir aus Zeitung, Internet und Fernsehen mitbekommen, halten.

Die ersten Bundesliga-Profis spenden einen Teil ihres Gehalts. Wie sieht es in dieser Hinsicht bei Ihrer Mannschaft aus?

Auch wir sind nicht nur mit diesem Thema bereits in Gesprächen mit den Spielern, wobei hier schon der eine oder andere Solidarität dem Verein gegenüber angedeutet hat. Man muss auch wissen: Es kann auch zum Beispiel nur um die Bezahlung der Fahrtkosten gehen – also eine Aufwandsentschädigung – und wenn man sowieso nicht fahren muss, verzichtet man auf dieses Geld.

Entsteht für den TuS ein finanzieller Engpass oder sehen Sie diesen im Vergleich als nicht so schwerwiegend an?

Naja, der Schaden, der entstehen wird, wird auf keinen Fall harmlos sein. Die Einnahmen, die wir aus Kiosk und Zuschauereintritt generieren, dürfen niemals vernachlässigt werden. Außerdem werden auch viele unserer Sponsoren harte Zeiten durchleben – wir sind schon mit einigen Partnern in Kontakt. Ich hoffe sehr, dass kein Sponsor abspringen muss, aber ausschließen kann man es derzeit nicht.

Auszuschließen ist auch nicht, dass die laufende Saison beendet ist. Wie gehen Sie mit den verschiedenen Möglichkeiten um, und welche halten Sie aktuell für die beste?

Es ist unmöglich zu sagen, ob wir die Spielzeit fortsetzen können. Aber meine Erfahrung zeigt: Vielleicht können wir die Spiele hinten dran hängen und einfach länger spielen und die neue Saison dann später starten – im Dezember herrschte bei uns zuletzt immer wieder fußballtaugliches Wetter. Eventuell müsste dann auch über eine mindestens verkürzte Version der Relegation diskutiert werden. Das ist aber alles reine Spekulation, denn momentan ist nicht viel vorstellbar.

Auch wenn es derzeit alles andere als wichtig ist: Immerhin stünden Sie im Fall der Fälle auf einem gesicherten Tabellenplatz.

Das ist richtig. Wir sind über dem Strich, was auch unser Ziel war. Andererseits wäre es auch ziemlich unfair gegenüber den anderen Mannschaften, die jetzt noch mal richtig angreifen wollten, auch in der oberen Tabellenregion. Es gibt einfach keine perfekte Lösung.

Welche Dinge können Sie nun versuchen, schon für die Zukunft zu planen?

Grundsätzlich muss ich als Sportlicher Leiter für alle Fälle vorbereitet sein und habe verschiedenste Pläne. Ich darf mir ja gar nicht erlauben, jetzt noch nicht an die neue Saison zu denken. Wir führen viele Gespräche, in denen sich herauskristallisiert, welche Spieler gewillt sind, auf lange Sicht alles für den Verein zu geben, und wie es weitergeht.

In Sachen Neuverpflichtungen wird es vermutlich noch eine Stufe schwieriger sein.

Was unumgänglich ist, ist, dass man mit Spielern spricht und denen vermittelt und das Signal sendet, dass man sie haben will. Priorität haben aber zunächst unsere eigenen Spieler, auf die wir bauen wollen. Ohnehin spüre ich auch bei allen Spielern eine gewisse Verunsicherung im Zuge dieser ganzen Krise.

Gibt es abschließend möglicherweise schon Eindrücke oder Lehren, die der Verein aus so einer unvergleichlichen Situation ziehen kann?

Was wir daraus als Verein lernen können, wird sich alles noch herausstellen. Aber wir können festhalten, dass die ganzen Abläufe – sei es Platzsperrung oder andere Organisationen – bei uns sehr, sehr gut kommuniziert wurden und alles sehr glatt lief. Jetzt muss sich jede Person an die Regeln halten, und am Ende kommen wir hoffentlich alle gut und gesund durch diese Zeit.

Quelle: Merkur.de

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