Kickboxen

Tutzinger Top-Talente

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Zwei Weltmeister und ihr Trainerteam: Carl Sperber, Max Reiser, Andreas Oswald, Tobias Winterholler, Viola Partheymüller, Walter Oswald und Nikolas Plaschke (v.l.).

Der Kampfsportclub Tutzing blickt auf sein bislang erfolgreichstes Jahr zurück. Sogar zwei Kickbox-Weltmeister sind in dem Verein beheimatet.

Tutzing – „2019 war unser bisher erfolgreichstes Jahr“, sagt Walter Oswald. Der Vorsitzende des KampfsportclubsTutzing ist stolz auf seine Kickboxer. Ob regionale, nationale oder internationale Wettkämpfe – fast immer kehrten seine Athleten mit Medaillen um den Hals an den Starnberger See zurück. Absoluter sportlicher Höhepunkt war allerdings im November der WMAC World Cup in Bregenz: Dort holten zwei Kämpfer des KSC Tutzing den Weltmeistertitel des Verbandes World Martial Arts Commitee. Viola Partheymüller, die im Oktober bereits Vizeweltmeisterin der WKU (World Kickboxing and Karate Union) geworden war, gewann in der Klasse bis 60 Kilogramm, Tobias Winterholler holte Gold in der Gewichtsklasse bis 85 Kilogramm (wir berichteten).

Bei Leichtkontakt sind K.o.-Schläge tabu

Die Meisterschaft wurde in der Wettkampfform Leichtkontakt ausgetragen. Dabei sind im Gegensatz zum Vollkontakt K.o.-Schläge tabu. Die Kämpfer führen ihre Schläge und Fußkicks nicht mit voller Kraft aus. „Es wird vor allem auf eine saubere Technik geachtet“, erklärt Oswald. Punktrichter zählen die Treffer und bewerten Technik und Taktik.

Tobias Winterholler begann erst vor zweieinhalb Jahren mit dem Kickboxen

Tobias Winterholler scheint ein außerordentliches Talent dafür zu sein. Denn der 21-Jährige, der momentan auf der Berufsoberschule Weilheim auf sein Abitur hinarbeitet, hat erst vor zweieinhalb Jahren mit dem Kickboxen begonnen. „Ich habe früher Fußball gespielt. Nachdem ich damit aufgehört hatte, habe ich einen Sport zum Ausgleich gesucht“, erzählt Winterholler. Und er landete beim KSC Tutzing. Die Trainer erkannten schnell sein Talent und förderten ihn entsprechend. „Eines Tages kam Tobias zu mir und sagte, er will kämpfen“, erzählt Walter Oswald. Und ab da ging es steil bergauf. Der 21-Jährige ist amtierender Deutscher Meister und derzeit die Nummer zwei in der deutschen Rangliste.

Viola Partheymüller im Nationalkader

Ähnlich verlief der Werdegang von Viola Partheymüller. Zunächst betrieb sie Ju-Jutsu, aber „dann wollte ich etwas Anspruchsvolleres machen“. Sie schloss sich vor vier Jahren dem KSC an. Mittlerweile gehört die 23-Jährige, die derzeit eine Ausbildung zur Feinwerkmechanikerin in Böbing macht, dem deutschen Nationalkader an.

Talentiert und erfolgreich: Tobias Winterholler und Viola Partheymüller vom KSC Tutzing.

Zweimal pro Woche Training, vor Wettkämpfen viermal

Zweimal pro Woche trainieren die beiden frisch gebackenen Weltmeister in Tutzing. „Technik, Kondition und Reflexe“ sind die Hauptvoraussetzungen für einen erfolgreichen Kickboxer, erklärt Oswald. Auch wenn ein Kampf nur über zwei Runden mit je zwei Minuten geht, ist körperliche Fitness das A und O. „Das ist sehr anstrengend, zwei Minuten können ganz schön lang werden“, sagt Trainer und 2. Vorsitzender Nikolas Plaschke. Vier bis sechs Wochen vor einem wichtigen Wettkampf wird das Trainingspensum auf viermal pro Woche erhöht. Doch jetzt haben die beiden Champions erst einmal wohlverdiente Pause. „Jetzt werden Plätzchen gebacken“, sagt Viola Partheymüller und lacht. Ab Februar geht es dann wieder los, um das nötige Wettkampfgewicht zu erlangen und sich auf die anstehende Saison vorzubereiten – mit dem großen Ziel: Titelverteidigung im Herbst.

Kickboxer sind tadellose Sportler, keine primitiven Schläger

Partheymüller und Winterholler sind zwei hervorragende Beispiele dafür, wie ungerechtfertigt manche Vorurteile gegenüber dem Kickboxen sind. „Wir werden oft in die falsche Ecke gestellt“, sagt Walter Oswald. Der 51-jährige Tutzinger kann glaubhaft darlegen, dass es sich bei den Kickboxern nicht um primitive Schläger handelt, sondern um tadellose Sportler, die ihrem Gegner mit Respekt und nach einem strengen Regelwerk gegenübertreten. Um Verletzungen möglichst zu vermeiden, ist eine Schutzausrüstung, bestehend aus Handschuhen, Fuß- und Schienbeinschutz, Kopfschutz, Tiefschutz, Brustschutz bei Frauen und Gebissschutz, obligatorisch. „Bis auf ein paar blaue Flecken passiert bei uns eigentlich nie etwas“, versichert Plaschke. Weltmeisterin Viola Partheymüller kann das bestätigen: „Ich war eigentlich nie wirklich verletzt.“

Eltern können beim Training dabei sein

Der KSC Tutzing, der sich 2011 aus dem Sportclub Tutzing gelöst und selbstständig gemacht hat und im weiteren Umkreis der einzige Kickboxverein ist, hat derzeit 125 Mitglieder. Davon sind 30 Kinder, die zu Beginn unter Anleitung qualifizierter Trainer hauptsächlich Selbstverteidigungstechniken erlernen. Um den Eltern das Konzept des Vereins nahe zu bringen und Vorurteilen entgegenzutreten, lädt der KSC die Väter und Mütter regelmäßig zu Versammlungen ein. „Außerdem können die Eltern jederzeit beim Training dabei sein“, sagt Plaschke.

Quelle: Merkur.de

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