UMFRAGE: Video-Schiri nötig und nützlich?

VAR „light“ in den unteren Ligen: Quatsch oder Hilfe?

So könnte er eventuell aussehen der neue VAR „light“.

Zu teuer, zu aufwendig, zu personalintensiv. Der VAR „light“ kommt bei weitem nicht an den VAR der Topligen heran. Was sind die Meinungen der Trainer und Verantwortlichen?

Landkreis – An Entscheidungen der Schiedsrichter entzünden sich nicht selten hitzige Debatten bis hin zu handfestem Streit. Besonders bei einem Thema schlagen die Wellen bei den Beobachtern gerne hohe Wellen: War es abseits oder nicht? Ein Urteil lässt sich bei Spielen in den unteren Klassen, die ohne Schiedsrichter-Assistenten (früher Linienrichter genannt) ausgetragen werden, nie mit Sicherheit entscheiden. Das soll nun anders werden.

Selbst bei Spielen der Bundesliga reicht der Mann an der Seitenlinie nicht immer aus, eine Situation im hektischen Spielbetrieb eindeutig zu klären. Dafür gibt es seit der Saison 2017/18 den „Mann/Frau im Kölner Keller“, den Videoschiedsrichter. Dieser „Video Assistant Referee“ (VAR), seit 2019/20 auch in der 2. Bundesliga im Einsatz, soll klare und offensichtliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz korrigieren helfen. Bilder von rund 20 Kameras können dabei herangezogen werden.

VAR „light“ soll Fußball fairer und übersichtlicher machen

Was das mit dem Fußball der Amateure zu tun hat? Ganz einfach. Die FIFA arbeitet nach eigenen Aussagen mit Hochdruck daran, eine Art VAR „light“ einzuführen, der möglichst in allen Spielklassen, bis hinunter in die Buchstaben-Ligen eingesetzt werden kann. Damit soll den Schiedsrichtern im Amateur-Fußball das Leben erleichtert werden.

Spruchreif ist aber noch nichts. Mit der Technologie, die im bezahlten Fußball eingesetzt wird, hat das Vorhaben nichts zu tun. Zu teuer, zu aufwendig, zu personalintensiv. Gearbeitet wird an einer halbautomatischen Technologie, die die Identifizierung von Abseitssituationen so effizient wie möglich machen soll. Nach ersten Präsentationen zu den Möglichkeiten dieser neuen Technologie haben drei Anbieter laut FIFA ihr Interesse an der nächsten Entwicklungsphase angemeldet, die aufgrund der COVID-19-Pandemie verschoben wurde, im nächsten Jahr aber möglichst bald starten soll. In dieser Phase soll der Algorithmus der Systeme auf der Grundlage von Datensätzen mehrerer Hundert Abseitssituationen verbessert werden.

Was das letztlich kostet, wann es einsatzbereit sein könnte und wer es bezahlen soll, steht in den Sternen. 

Ludwig Auer, Abteilungsleiter TSV Poing.

„Das ist doch kein Thema für uns, macht wenig Sinn und ist eigentlich keiner Diskussion würdig. Mir ist wichtig, dass Kinder durch den Fußball einen Ausgleich zur Schule haben. Da ist es vollkommen egal, ob das jetzt abseits war oder nicht. Am Schlimmsten ist für mich, wenn bei harten Fouls kein Rot gezeigt wird. Die Treter gehören raus.“

Tobias Dengl, Vorsitzender des SV Bruck.

„Ehrlich? Ich find’s an Schmarrn. Es haut schon bei den Profis nicht richtig hin. Außerdem gehört die Diskussion über eine Schiedsrichter-Entscheidung doch dazu. Ich glaub’ nicht, dass das kommt. Der Aufwand würde sicher an den kleinen Vereinen hängen bleiben. Wie sollten wir so etwas stemmen können? Des braucht koa Mensch.“

Florian Harreiner, Trainer BSG Markt Schwaben.

„Ich habe mich nicht richtig damit befasst, aber über so etwas zu reden, ist in meinen Augen im Amateurbereich kompletter Schwachsinn. Wenn’s Erleichterung für die Schiris ist, ok. Aber jetzt eine Diskussion darüber zu führen, ist lächerlich. Darüber können wir uns Gedanken machen, wenn wir wieder vernünftig

Tobias Seiler, Trainer des TSV Moosach

„Video bei uns? Das wäre der Wahnsinn. Aber grundsätzlich warum nicht, wenn es zu gerechteren Entscheidungen führt, hätte ich nichts dagegen. Gerade im Amateurbereich habe ich das Gefühl, dass Schiris Unterstützung bräuchten. In der Praxis dürfte das Vorhaben aber extrem schwierig umsetzbar sein. Übertrieben ist es allemal.“

Jürgen Daser, Techn. Leiter TSV Grafing II.

Techn. Leiter TSV Grafing II. „Das ist ein absoluter Blödsinn. Was soll das? Das ist so was von unrealistisch. Die technischen Voraussetzungen dafür mit wahrscheinlich zig Kameras sind doch nicht darstellbar. Wer soll das kontrollieren? Da sieht man wieder einmal, wie weit die Oberen von der Basis weg sind. Die haben null Plan, was im Amateurfußball abläuft.“

(Wolfgang Herfort)

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