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Vertragsverlängerung: Trainer Johannes Franz verlängert beim Bezirksligisten SV Raisting

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Von: Christian Heinrich

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Haben mit den Fußballern einiges vor: (vl.) Spielertrainer Johannes Franz, SVR-Chef Rüdiger Herrmann, Abteilungsleiter Florian Heinrizi und der zweite Abteilungsleiter Markus Hutter. Das Foto entstand bei der Pressekonferenz nach dem letzten Saisonspiel.
Haben mit den Fußballern einiges vor: (vl.) Spielertrainer Johannes Franz, SVR-Chef Rüdiger Herrmann, Abteilungsleiter Florian Heinrizi und der zweite Abteilungsleiter Markus Hutter. Das Foto entstand bei der Pressekonferenz nach dem letzten Saisonspiel. Foto: Roland Halmel © Roland Halmel

Der SV Raisting verlängert mit Trainer Johannes Franz. In einem fruchtbaren Austausch mit den Verantwortlichen konnte sich die Parteien letztendlich einigen.

Raisting – Es war nicht nur ein Gespräch, das Rüdiger Herrmann mit seinem Trainer führte. Der Präsident des SV Raisting tauschte sich intensiv mit Johannes Franz über den Zustand und die Perspektive der Fußball-Abteilung aus. Dem Coach hatten manche Entwicklungen beim Tabellenvierten der Bezirksliga Süd eher verstört, was er sich nicht scheute, auch öffentlich kundzutun. Weil er auch noch andere Offerten besaß, ließ er sich deshalb Zeit mit einer Vertragsverlängerung am Ammersee und vertraute sich in seiner Not seinem Präsidenten an.

„Es war für mich ein Hilferuf, den ich auch verstanden habe“, räumte der Vorsitzende ein, dass er die Motive des 25-jährigen Übungsleiters nachvollziehen konnte. Der fasste nach dem gemeinsamen und fruchtbaren Austausch das Vertrauen, das ihm vorher offenbar gefehlt hatte, und entschied sich für eine weitere Saison bei seinem Klub, was sein Chef bei einem extra anberaumten Pressegespräch mit einigem berechtigten Stolz verkündete: „Wir freuen uns sehr, dass Johannes Franz Spielertrainer beim SV Raisting bleibt.“

Dass Herrmann als Chef des Gesamtvereins bei dieser Personalie die Initiative ergriff und nicht die Abteilungsleitung, sagt manches aus über den Zustand der Sparte. „Ich musste das Vakuum ein bisschen ausfüllen“, sprach der Boss von gewissen Leerständen bei den Fußballern, die er später konkretisierte. „Die Tatsache, dass ich mich gezeigt habe, hängt damit zusammen, dass Florian Heinrizi allein gelassen wurde“, stellte er klar.

SV Raisting: Vakuum soll gefüllt werden - Markus Hutter kommt als Stellvertreter

Damit dies nicht länger der Fall ist, haben die Kicker ihrem Abteilungsleiter mit Markus Hutter einen Stellvertreter zur Seite gestellt. Thomas Müller, der mit der Reserve um den Klassenerhalt in der Kreisklasse bangt, wird sein Traineramt nach der Saison an Roland Perchtold abgeben und als Beisitzer innerhalb der Spartenleitung tätig sein. „Wir brauchen Leute, die Aufträge haben und sie erfüllen“, erklärte Herrmann, dass demnächst Mitarbeiter gefordert sind und nicht nur Wortführer.

Irgendwie scheint Herrmann erkannt zu haben, dass er mit Franz den Schlüssel für die Zukunft des SV Raisting in Händen hält. „Er ist ein ungeschliffener Rohdiamant“, schwelgt der Präsident in den höchsten Tönen. Solche Lobeshymnen auf einen Angestellten hat sich der Verein früher eher verkniffen, sich eher zurückhaltend ausgedrückt. Herrmann stammt jedoch aus Gelsenkirchen, hat in der Jugend von Schalke 04 gekickt und später das Marketing von „K&L Ruppert“ geleitet. Da werden sich die Fußballer in Zukunft an werbewirksame Sprüche des Zugroasten aus dem Kohlenpott, der seit nunmehr fast vier Jahrzehnten in Raisting lebt, gewöhnen dürfen. Sein Slogan „die DNA von Johannes Franz und dem SV Raisting passen zusammen“, erinnert nicht von ungefähr an den feststehenden Begriff vom „Bayern-Gen“, der sich dem Schalker spätestens seit der „Meisterschaft der Herzen“ tief ins Gedächtnis eingebrannt haben dürfte.

Ein bisschen mehr westfälisches Selbstbewusstsein und Trommeln muss ja nicht schaden im urbayerischen Verein, der berechtigterweise stolz ist auf seine Bodenständigkeit und seine Wurzeln. Herrmann hat jedoch erkannt, „dass da ein anderer Drive rein muss“. Der neue Schwung macht sich nicht nur dadurch bemerkbar, dass die Verantwortung bei den Fußballern neuerdings auf mehrere Schultern verteilt wird, was allen nur gut tun kann. Der Präsident verfolgt auch ehrgeizige Ambitionen, die ein Funktionär des SV Raisting in der Vergangenheit selten so freimütig geäußert hat. „Mein Ziel ist es, 2030 klimaneutral und in der Bayernliga zu spielen“, verkündet Herrmann im Brustton der Überzeugung.

SV Raisting: „Wir haben nicht den größten Etat, aber den größten Support.“

Es wird spannend sein, wie der ökologische Umbau des Vereins in den kommenden acht Jahren vonstatten geht. Er könnte jedoch einen nachhaltigen Effekt auf den gesamten Ort ausüben, denn von den 2000 Einwohnern sind fast die Hälfte Mitglieder des Klubs. Was so gesehen aber auch eine Wirkung auf die Fußballer besitzt, wie der Präsident erkannte. „Wir haben nicht den größten Etat, aber den größten Support.“ Mit der Unterstützung der Mitglieder, des Dorfes und der treuen Sponsoren nimmt Herrmann jedoch erst einmal mittelfristige Ziele in Angriff. In zwei Jahren feiert der Verein sein 100-jährigen Bestehen. Der Vorsitzende hätte nichts dagegen, wenn bis dahin der Aufstieg in die Landesliga als Teiletappe absolviert wäre. „Das wäre der Big Bang, den wir schaffen können“, spricht er von nichts weniger als vom Urknall am Ammersee.

Die Aufbruchstimmung, die Herrmann entfacht, muss jetzt nur noch den ganzen Verein und seine Verantwortlichen erfassen. Der Präsident spricht von einer „Vision“, die er als gesundes Phänomen und nicht als Krankheit im Sinne des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt begreift. Der hatte Visionären einst empfohlen, zum Arzt zu gehen. Der SV Raisting geht nun mit einer Vision, mit einem verstärkten Vorstand sowie einem gestärkten Trainer in die neue Saison.

Nach Rang vier in der abgelaufenen Runde ist zwar der Aufstieg in der nächsten Saison noch nicht das erklärte Ziel, doch die Verantwortlichen unternehmen einiges, um der finanzkräftigen Konkurrenz aus München Paroli zu bieten. Die Mannschaft bleibt zusammen. Vier neue Spieler hätten bereits ihre Zusage erteilt, ein weiterer sei relativ sicher. Gesucht wird noch nach einem Torhüter und einem Außenverteidiger. Interessenten können sich gerne melden. Denn im Schatten der Erdfunkstelle wollen sie in den nächsten Jahren hoch hinaus. (Christian Heinrich)

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