Porträt

Von der Krise zum Erfolgsmodell: Wie Michael Jacobi den TV Miesbach Basketball neu erweckte

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In Aktion: Bis zu vergangenen Saison spielte Michael Jacobi (am Ball) selbst in der Herren-Mannschaft des TV Miesbach. Jetzt konzentriert sich der 25-Jährige auf seine Tätigkeit als Trainer beim FC Bayern München.

Vor zehn Jahren stand die Sparte Basketball des TV Miesbach kurz vor dem aus. Michael Jacobi fasste sich ein Herz und erweckte die Abteilung zu neuem Leben. Jetzt musste er seine Aufgaben im Verein weitestgehend aufgeben.

Miesbach – Entweder es gibt in Miesbach kein Basketball mehr oder es kümmert sich jemand darum, die Abteilung wieder auf Vordermann zu bringen. Genau vor dieser Entscheidung stand der TV Miesbach vor etwa zehn Jahren. Michael Jacobi fasste sich damals ein Herz, hatte Ideen und Visionen, war motiviert, die Sparte zu neuem Leben zu erwecken – und steckte viel Herzblut und Zeit in den Neuanfang der Basketball-Abteilung. Vor Kurzem hängte der 25-Jährige seine Basketballschuhe an den Nagel. Und auch die Vereinsarbeit beim TV Miesbach musste er nach einem Umzug nach München weitestgehend aufgeben.

Mit elf Jahren kam Jacobi zum Basketball. Seine ältere Schwester Steffi hatte ihn mit dem Basketball-Fieber angesteckt. Im Laufe seiner aktiven Zeit als Spieler hat sich Jacobi immer wieder bei den höherklassigen Vereinen in Holzkirchen und Bad Aibling versucht. „Ich hab’ gemerkt, dass ich Basketball über alles liebe, aber als Spieler nicht talentiert genug bin“, sagt er heute. „Und, dass ich dem Team auf dem Platz nicht helfen kann.“ Deshalb hat er seine Karriere als aktiver Spieler nach der vergangenen Saison auch beendet. Trotzdem stand für ihn schon seit vielen Jahren fest: „Ich wollte meine ganze Leidenschaft reinstecken, um ein guter Trainer zu sein.“ Das hat der 25-Jährige geschafft. Mittlerweile trainiert er die Frauen-Mannschaft des FC Bayern München in der Bayernliga.

„Wir haben versucht, jedes Kind in den Verein zu bringen“

Bis dahin hat Jacobi schon einige Baustellen in Miesbach beseitigt. Nur rund 20 Kinder und die Herren-Mannschaft gab es vor zehn Jahren beim TV. „Ganz viele wussten gar nicht, dass sie in Miesbach Basketball spielen können“, erzählt er. „Wir haben versucht, jedes Kind in den Verein zu bringen.“ Zusammen mit seiner Schwester Franziska, die nach wie vor beim TV sowohl als Spielerin als auch in der Vereinsarbeit tätig ist, und dem heutigen Abteilungsleiter Martin Lobinger ist er in die Grundschulen gegangen, hat eine Woche mit den Kindern Basketball gespielt, sie von seinem Sport überzeugt. Mittlerweile umfasst die Abteilung 150 Mitglieder, einige Nachwuchsspielerinnen haben es sogar in die Auswahlmannschaften des Verbands geschafft. Ein Verdienst, das zum Großteil dem 25-Jährigen zuzuschreiben ist.

Eine Aktion, die Jacobi mit am stolzesten macht, wie er selbst sagt,ist die Ernennung des TV Miesbach zum Stützpunkt für Integration vor fünf Jahren, für die es auch einen Preis gab. „Es kommen so viele unterschiedliche Kulturen hier zusammen“, sagt der 25-Jährige. „Wir haben viele türkischstämmige und kroatische Kinder.“ Das beste Beispiel, wie Integration funktioniert, sei ein syrischer Flüchtling, der beim TV Anschluss gefunden hat und mittlerweile an der LMU studiert.

Auch ihn selbst haben die Aufgaben beim TV vorangebracht. „Ich wäre jobtechnisch nicht da, wo ich jetzt bin“, meint Jacobi, „wenn ich nicht so viele Erfahrungen im Ehrenamt gemacht hätte.“ Und das hat sich ausgezahlt: Wie berichtet, bekam Jacobi im Jahr 2016 den Handelsmanagement-Award der Hochschule für Angewandtes Management Erding.

Machte den TV Miesbach Basketball zu dem, was er heute ist: Michael Jacobi

Doch sein Job brachte ihn auch dazu, sein Engagement beim TV einzustellen. „Du kannst nur was leisten und voranbringen, wenn du präsent bist“, sagt der 25-Jährige. Nach einem Berufswechsel in den Norden Münchens hat er sich nun entschieden, zu seiner Freundin in den Süden Münchens zu ziehen. „Ich dachte, ich kann pendeln“, sagt er. „Aber irgendwann geht das einfach nicht mehr.“

Die Folge: Er gab seine Aufgaben beim TV ab, konzentriert sich jetzt auf seinen Trainerposten beim FC Bayern. „Ganz ohne Basketball geht es nicht“, sagt der Münchner. „Das wäre sonst wie ein kalter Entzug gewesen.“ Zwei Mal pro Woche trainiert er nun mit seinen Damen. Hinzu kommt ein Spiel am Wochenende. „In Miesbach hatte ich keinen einzigen hallenfreien Tag“, erzählt Jacobi. Er war nicht nur als Spieler aktiv, sondern war auch Abteilungsleiter, später dann Sportlicher Leiter. Und trainierte teilweise drei Nachwuchsmannschaften gleichzeitig.

In der Jugendarbeit liegt laut Jacobi seit einigen Jahren auch der Schwerpunkt bei den Basketballern des TV Miesbach. Die Ziele: gute Spieler, Trainer und Schiedsrichter ausbilden. Ein besonderes Augenmerk gilt da den Mädchen, die gute Erfolge verbuchen. „Der weibliche Nachwuchs ist uns extrem wichtig“, sagt er. „Da sind wir mittlerweile eine Marke in Bayern.“

Im Hintergrund bleibt Jacobi dem TV weiterhin erhalten

Auch wenn Jacobi nun in München wohnt, ist ihm die Nähe zur Heimat und seiner Familie – er ist das jüngste von zehn Kindern – nach wie vor wichtig. „Ich fahre mindestens jede zweite Woche raus“, erzählt er, „gehe in die Berge, besuche meine Familie oder gehe in die Bar von meinem Bruder Martin.“ Auch die Basketball-Abteilung des TV lieg ihm nach wie vor am Herzen. „Im Hintergrund bleibe ich noch erhalten“, sagt er. „Und unterstütze weiterhin.“

Die großen Aufgaben musste er jedoch an seine Schwester Franziska sowie Lobinger abgeben. „Zu dritt waren wir immer unterschiedlich, aber haben gut zusammengearbeitet.“ Dass das Vereinsleben auch weiterhin vorangetrieben wird, darüber macht sich der 25-Jährige keine Sorgen. Sein Ziel war es in den vergangenen Jahren, dass die Basketball-Abteilung nicht nur von ihm lebt. „Das haben wir jetzt, glaube ich, geschafft“, meint er. „Ich bin jetzt rausgegangen, und es ist keine Lücke entstanden.“

Quelle: Merkur.de

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