DAS SPORTGEFLÜSTER

Automusik für Fußballkinder:  Rammstein oder die drei lustigen Moosacher

Was Fußballer im Teambus seit über 40 Jahren hören und erleben hat Dieter Priglmeir in seinem Sportgeflüster fürs Wochenende zusammengetragen.

Viele Tennisteams werden heuer nicht an der Medenrunde teilnehmen . Auch weil Fahrgemeinschaften nur eingeschränkt möglich sind. Wir verstehen das. Denn auf den Touren erlebst du schon einiges. Das weiß auch jeder Fußballer aus den 1970ern und 1980ern, als in einen VW Käfer auch acht Kinder gepasst haben. Die Fahrten waren lustig – bis auf die Musikauswahl, die allein der Fahrer bestimmte. Nix Kim Wilde oder David Bowie – da brummte Bruce Low (Das alte Haus von Rocky-Docky), oder das Medium Terzett besang ein Loch im Eimer.Vielleicht reifte an diesen Tagen mein Wunsch,selbst Trainer zu werden. Leider hat inzwischen jeder Mitfahrer seine Playlist auf dem Handy, weshalb eine komplette Fahrt lang „Atemlos“ lief. Von Erding bis Berlin.

Gnadenloser war da Thomas Rademacher,als er die Wartenberger Handball-Mädchen zum Spiel nach Raubling chauffierte. „Im Multivan war eine Stunde Karaoke hin und eine Stunde Karaoke zurück. Am Anfang war die Musik unerträglich“, stöhnt er. Bei Helene Fischer habe er angehalten: „Nochmal so etwas, und der Motor streikt.“ Hat’s gewirkt? „Von da an ging es mit Summer of 69 & Co. weiter, und es wurde eine sehr lustige Fahrt.“

Der Klassiker der Wartenberger Odyseen: Buch am Buchrain oder Erlbach? Rademacher: „Das haben Spieler und Zuschauer öfter vertauscht. Also war ein Teil da und der andere dort.“ Oder die Partie in Unterbruck. „Meine Beschreibung war wohl dermaßen miserabel, dass die Jungs bei Freimann darauf gekommen sind, dass sie wohl besser umkehren sollten.“ Drei Minuten vor Anpfiff trafen sie ein.

Noch deutlich schwerer hatte es da Wojtek Wojciechowski. Als Spieler in der 2. polnischen Liga musste er sich nicht darum kümmern, wie er zum nächsten Stadion kam – als Finsinger Trainer dann schon. „2001 gab es noch keine Navis.“ Anfangs sei er immer alleine zu Auswärtsspielen gefahren und zu spät zur Besprechung. Seine Spieler wunderten sich: „Wojtek, du fährst doch immer eine halbe Stunde vor uns los.“ Von da an habe er immer zwei Spieler mit ins Auto gepackt, erzählt er. Und bei der Weihnachtsfeier bekam er eine große Karte, auf der alle Fußballplätze der Region eingezeichnet waren.

Die fehlende Ortskenntnis war 2011 nicht das Problem des SV Eichenried.Es war vielmehr die Festlaune, wie sich Wolfgang Föhringer erinnert. „Wir standen als Meister fest und sind deshalb mit dem Fragner-Partybus zum Spiel nach Moosen gefahren.“ Beim Treffpunkt fehlte allerdings Torwart Alex Simon – „aufgrund der Feierlichkeiten am Vortag“, erklärt Föhringer. Vom Bus aus telefonierte das Meisterteam mit Torwart-Legende Stefan Hirner. „Wir haben die Route geändert und ihn in Langengeisling abgeholt. Mit dem einen oder anderen Kaltgetränk ging’s nach Moosen.“ Und der SVE gewann 6:2.

Der SV Walpertskirchen hat immer erst nach dem Spiel gefeiert.Und das war in der Kreisliga nicht selten, wie sich Josef Heilmeier erinnert. „Gerade nach den langen Fahrten nach Unterbruck, Palzing oder Wolnzach haben wir selten verloren.“ Sein Problem: Er war der älteste Spieler, hatte einen Fiat Scudo, der stets mit neun Leuten gefüllt war. „Und ich war immer der Fahrer“, erzählt Heilmaier und fügt hinzu: „Und der Depp.“ Denn nach den Spielen wurde der Scudo zum Partybus. „Wir waren mehr beschäftigt, für weitere Getränke Tankstellen zu finden, als nach Hause zu kommen.“ Die Kreisliga sei ein großes Abenteuer gewesen“, meint der heutige WSV-Trainer. Vielleicht kommt sein Team da wieder hin. Das wäre schön, „aber ich werde mir keinen Scudo mehr kaufen“.

Einen anderen Grund hatte Heribert Kronthaler, bei der Heimfahrt jede Tankstelle anzufahren.Nach dem Bezirksliga-Spiel der Langengeislinger Fußballfrauen hatte jemand auf einer Straße hinter Rosenheim Nagelketten ausgelegt, in die das FCL-Auto prompt fuhr. „Mit Biegen und Brechen haben wir versucht heimzukommen“, erzählt der Trainer. Man habe sogar versucht, mit Kaugummi den Reifen zu retten. Letztlich blieb die einzige Rettung, von Tankstelle zu Tankstelle zu fahren und die Reifen aufzupumpen.

Und da wäre noch jener grüne Ford Transitvom Fischerbräu, den die Eittinger A-Jugend in den 1980ern an den Wochenenden umfunktionierte. Die Sitzbänke wurden auf Holzspanplatten verschraubt und bei Bedarf von den Kickern in den Bus gehievt. „Alle Mann rein, und schon war es ein Mannschaftsbus – einmalig im Umkreis“, schwärmt Kronthaler, der die Geschichten, die sich in dem Bus abspielten, nicht verraten will. Nur soviel: „Da wurde am Sonntag morgen – damals war das wirklich die Spielzeit der A-Jugend – schon mal ein Unterberg gegen den schlechten Magen getrunken. Vor dem Spiel.“

Etwas gewundert hat sich seinerzeit der viel zu früh verstorbene Günter Krzizok,der vor einem Spiel der Erdinger TSV-Jugend in Forstinning einen Abstecher bei einem Schiedsrichter in Altenerding machte. Krzizok war damals Spielgruppenleiter und erteilte dem Referee noch einen Auftrag. Als er ausstieg, stand da eine Schlange von fünf Autos. Die anderen Eltern waren ihm einfach hinterhergefahren – im tiefen Vertrauen, dass Krzizok nun mal jeden Sportplatz im Kreis kennt.

Nicht ganz so ortskundig waren auch jene Neuzugängeder Oberdinger AH. Vor dem Spiel gegen Eichenkofen fanden sie partout nicht „Neikof“ im Navi. „Mit Grünte-gernbach hatten sie ähnliche Probleme“, meint Mitspieler Wast Held, der auch noch einen Vorschlag zur Musikauswahl für eine F-Jugend hatte. Vor der Partie seiner F 3 ließ er im Auto Rammstein laufen. „Die Jungs hatten vorher nur Klatschen kassiert. In Taufkirchen haben wir dann ein 5:5 geschafft. Ob Rammstein pädagogisch wertvoll ist, weiß ich nicht, aber die Jungs hatten die richtige Einstellung“, meint Held.

Ganz andere Töne liefen im Mitsubishi von Friedl Ettenauer. Der Oberdinger Jugendleiter holte schon zu E-Jugend-Zeiten alle Kinder direkt von zuhause ab – „auch zu jedem Training“, erzählt Tobi Huber. „Friedl hat für seinen Kleinbus immer randvoll gemacht. Als Beilage im Bus gab es dann immer ,Die drei lustigen Moosacher’, ein Stammtisch-Trio, das Witze erzählte. Huber: „Wir kannten jeden einzelnen Witz der sechs Hörspielkassetten auswendig und erzählen sie uns noch 25 Jahre danach.“

Zum Schluss nochmal Wartenberg.Die TSV-Kicker saßen nach den Spielen gern mal etwas länger. Sie hatten dann keine Fahrgemeinschaft, sondern Extra-Fahrerinnen: „In Buch fuhr uns mal die Frau eines Bucher Spielers, in Lengdorf die Schwester eines Spielers. Bis mir eines Tages unser Wirt Hans Härtl anbot, wenn wir in Lengdorf festsitzen würde er uns immer abholen“, erzählte Willi Pöppel. Das habe immer geklapt – sogar nachts um 1.

 

Quelle: Merkur.de

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