HALLENFUSSBALL DER JUNIOREN

Wegen Corona fallen in diesem Winter die beliebten Hallenturniere der Nachwuchsfußballer aus

Keine jubelnden Nachwuchskicker, keine Einnahmen für die Vereine: Die Fußball-Turniere – wie etwa das Hallenmasters des SV Bad Tölz – entfallen in dieser Wintersaison. Foto Patrick Staar
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Keine jubelnden Nachwuchskicker, keine Einnahmen für die Vereine: Die Fußball-Turniere – wie etwa das Hallenmasters des SV Bad Tölz – entfallen in dieser Wintersaison.

Für die meisten Vereine sind die Hallenturniere vom Fußballnachwuchs eines der wichtigsten finanziellen Standbeine. Ohne diese Einnahmen drohen Einbußen im fünfstelligen Bereich.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Für die Fußballvereine sind sie alljährlich ein Highlight: die Hallenturniere für Kinder- und Jugendmannschaften. Doch wie so vieles, verdirbt heuer die Pandemie den Kindern und Trainern, Eltern und Fans auch diesen Spaß. Aber es ist nicht nur die Freude am sportlichen Kräftemessen der jungen Kicker, auf die verzichtet werden muss: Den ausrichtenden Vereinen fehlt auch viel Geld für die Jugendabteilungen in der Kasse.

Seit 25 Jahren sind die „Hallenmasters“ der Höhepunkt im Terminkalender des SV Bad Tölz. In den Weihnachtsferien rollt der Ball gewöhnlich vier Tage am Stück bei Turnieren von der F- bis zur A-Jugend. Letzten Januar erstmals garniert mit einem reinen Mädels- und Damentag. „Das ist eine Institution“, sagt Jugendkoordinator Thomas Wilka. Für die jungen Kicker sei es „immer eine Freude, mal im Scheinwerferlicht zu stehen“. Und finanziell, da macht Wilka kein Geheimnis draus, sei das Turnier für die Jugendabteilung „schon das größte Standbein“, in einer Größenordnung von „mehreren tausend Euro“. Deshalb habe man sich die Absage gründlich überlegt. „Aus heutiger Sicht würde es vielleicht gehen, aber die Auflagen sind zu extrem“, erläutert der Tölzer Jugendleiter. Maximal 115 Personen wären in der Halle zugelassen, inklusive Spieler. Das bedeutet: Maximal fünf, sechs Mannschaften, keine Eltern. „Das kannst du vergessen“, so Wilka. „Und für ein abgespecktes Turnier lohnt sich der riesige Aufwand nicht.“

Fußball-Freunde streichen zehn Turniere

Noch weniger, nämlich rund 70 Personen, sind laut Patrick Verbaast in der Gymnasium-Sporthalle in Geretsried zugelassen „Das kann man vergessen, darüber braucht man gar nicht weiter zu reden“, sagt der Vorstand der Fußball-Freunde Geretsried zu den Vorschriften. Deshalb habe man sich „nach vielen Diskussionen im Vorstandskreis und viel Kontakt mit dem Landratsamt“ dazu entschieden, die rund zehn Turniere, die die Fußball-Freunde in der Vergangenheit an vier Wochenende im Winter organisiert haben, abzusagen. „Das tut weh, weil es ein richtiger Batzen Geld ist“, sagt Verbaast. Er habe die Befürchtung, dass die Hallensaison diesen Winter komplett ausfalle, also auch das Training der Fußballer. „Das hielte ich für bedenklich, weil es eine riesen Lücke wäre bis März. Aber die Gesundheit geht natürlich vor.“

Uns fehlen mindestens 10 000 Euro plus X.“

Norbert Junius, 2. Abteilungsleiter TuS Geretsried

Schon relativ früh, „lange vor dem neuen Lockdown“, so Bernd Meier, habe der TuS Geretsried entschieden, die Hallensaison „für dieses Jahr komplett zu canceln“. Hauptgrund sind auch hier die massiven Auflagen. Eventuell gehe ja im Februar kurzfristig noch was, mag der TuS-Jugendleiter die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. „Aber im Dezember und Januar geht definitiv nichts.“ Außerdem hätten die meisten Vereine, die gewöhnlich Stammgäste bei den TuS-Turnieren waren, „bereits von sich aus abgesagt“, ergänzt der stellvertretende Abteilungsleiter Norbert Junius, der die entgangenen Einnahmen aus den Hallenturnieren mit „mindestens 10 000 Euro plus X“ beziffert.

Mehrfache Einbußen muss die JFG Wolfratshausen verkraften. Der fehlt laut Jugendleiter Florian Graf nicht nur die Einnahme aus den Hallenturnieren. Auch der jedes Jahr im Advent vom BCF Wolfratshausen organisierte Christkindlmarkt an der Farcheter Mehrzweckhalle wurde dieses Jahr abgesagt. Zwar sei es grundsätzlich (sofern die aktuellen Corona-Maßnahmen es zuließen) möglich, in der Dreifachturnhalle am Hammerschmiedweg, die heuer für Turniere reserviert wurde, Fußball zu spielen. Aber nur mit so vielen Mannschaften, wie es Kabinen gibt, nämlich sechs. Das wäre womöglich noch zu verkraften gewesen. „Aber die sonstigen Vorschriften sind heftig“, erläutert Graf. „Die Zuschauer wären stark reglementiert und der Verkauf dürfte nicht in der Halle stattfinden, sondern draußen. Das ist im Januar nicht machbar.“

Beim TSV Benediktbeuern befürchtet man: Womöglich hunderte Pokale umsonst bestellt

An den Strohhalm, womöglich im Frühjahr Turniere veranstalten zu können, mag sich der TSV Benediktbeuern nicht klammern. „Wir hätten zwar ein Hygienekonzept für die Halle“, sagt Jugendleiter Harry Schneider. „Aber es ist viel zu riskant irgendwas zu organisieren.“ Circa 60 Mannschaften sind gewöhnlich im Winter beim Benediktbeurer Turnier dabei. Hinterher seien womöglich hunderte Pokale umsonst bestellt. „Das ist nicht mehr planbar“, so Schneider, der ebenfalls einräumen muss: „Finanziell tut uns als kleinem Verein das brutal weh.“ Zumal der Verein (wie berichtet) gerade eine neue Flutlichtanlage erhalten habe. „Wir klammern uns an jede Einnahmequelle.“ Weshalb man sich viele Gedanken um Alternativen mache, nachdem Corona ihnen das Jahr gehörig verhagelt hat. Die neue Vorstandschaft habe „alte Zöpfe abschneiden, sich mit vielen Events öffentlich wieder stärker präsentieren wollen“, erzählt Schneider. Covid 19 hatte etwas dagegen.

Viele Klubs, die auf ihre Hallenturniere verzichten müssen, spielen mit dem Gedanken, stattdessen im Sommer Freiluft-Turniere zu organisieren. „Unter der Prämisse, dass es draußen wieder möglich ist, wäre das eine schöne Alternative“, spekuliert beispielsweise FFG-Vorstand Verbaast mit einem Turnier „zwischen Pfingsten und den Sommerferien“. Möglicherweise ergänzt um ein Gaudi-Firmenturnier, das diesen Winter ebenfalls ein Corona-Opfer geworden ist. „Wir werden versuchen, das irgendwann komprimiert nachzuholen“, stellt auch JFG-Jugendleiter Graf ein entsprechendes Event in Aussicht.

Eine Premiere wäre ein Sommerturnier für den SV Bad Tölz. „Wir haben derzeit alle möglichen Überlegungen, wie man das finanzielle Loch auffangen kann“, sagt Jugendkoordinator Wilka. „Aber man muss das wohl realistisch sehen: Den Gedanken an ein Sommerturnier haben nächstes Jahr viele Vereine.“

Beim LSC bleiben die treuen Sponsoren bei der Stange

Da nimmt sich der Lenggrieser SC nicht aus. „Das ist möglich“, sagt Juniorenleiter Stephan Janning. Er hatte bereits vor einigen Wochen das traditionelle Februar-Turnier für Bambini bis D-Junioren abgesagt – auch ohne Lockdown. „Das kann ich derzeit mit dem Gewissen nicht vereinbaren“, sagt Janning. „Das Turnier veranstalten wir in erster Linie für den Spaß der Kinder.“ Aus finanzieller Sicht sei der Verzicht auf die Hallengaudi kein Problem. „Wir stehen finanziell gut da und sind nicht auf Turniere angewiesen“, so der LSC-Juniorenleiter. „Wir haben Gottseidank einen großen Kreis von Sponsoren, die auch in der Pandemie bei der Stange geblieben sind“, freut sich Janning. „Es ist großartig, was die Sponsoren da geleistet haben.“

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