Die Brüder über Ziele, Fußball-Karriere und Familienerlebnisse

Welzmüller-Brüder im Interview: „Ich bin stolz, Kapitän dieser Elf zu sein“

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Familientreffen am geliebten Ammersee: Dort sind die Welzmüller-Drillinge (v.l.) Josef, Maximilian und Lukas aufgewachsen. Nach ersten gemeinsamen Stationen haben sich ihre fußballerischen Wege getrennt.

Unterhaching/Inning – Im Garten der Eltern haben die Inninger Drillinge Maximilian, Lukas und Josef Welzmüller in ihrer Kindheit einst zusammen auf Fußballtor gespielt.

Nach gemeinsamen Stationen beim örtlichen SV Inning und SC Fürstenfeldbruck hat es das Ammersee- Fußballer-Trio in verschiedene Richtungen verschlagen. Maximilian spielt aktuell in der 3. Liga beim VfR Aalen. Josef spielt, wie sein Bruder Maximilian zuvor, in der Regionalliga Bayern bei der SpVgg Unterhaching. Und Lukas beim schwäbischen Landesligisten SV Mering.

Mit dem Münchner Merkur haben sich die 26-jährigen Fußball-Drillinge in Ihrer Heimat am Ammersee zu einem gemeinsamen Interview getroffen. Ein Dreier-Gespräch über fußballerische Gemeinsamkeiten und Unterschiede, über unterschiedliche Karriereverläufe und Ziele sowie über Heimatgefühle.

Maximilian, Sie sind der Älteste und waren bei der Geburt der Schnellste. Haben Sie auch heute noch das Recht des Ältesten?

Maximilian Welzmüller: Im Bauch war ich von uns der Schnellste, das stimmt. Aber einen Ältesten oder Jüngsten gab und gibt es bei uns in dieser Hinsicht nicht.

Lukas Welzmüller: Genauso sehe ich das auch. Es ist vom Alter her egal.

Josef Welzmüller: … zumal die Geburt ein Kaiserschnitt gewesen ist. Bei einer normalen Geburt hätte ich ja vielleicht der Schnellste sein können.

Foto: Reger

Ihre fußballerischen Karrieren verliefen lange synchron. Erst Sie, Maximilian, haben dann den ersten Schritt weg von Ihren Brüdern gewagt, oder?

Maximilian: Ich habe von der F-Jugend bis zur C-Jugend bei meinem Heimatverein SV Inning gespielt. Dort haben wir alle Drei lange Zeit zusammen verbracht. Im zweiten C-Jugend-Jahr bin ich dann zusammen mit meinen Brüdern zum SC Fürstenfeldbruck gegangen, wo ich bis zur A-Jugend war. Im zweiten A-Jugend-Jahr bin ich mit 17 Jahren zum TSV 1860 München gewechselt. Danach ging es über die zweiten Mannschaften vom FSV Frankfurt und von der SpVgg Greuther Fürth zur SpVgg Unterhaching. Von dort bin ich dann vor knapp zweieinhalb Jahren zum VfR Aalen gewechselt, wo ich aktuell in der 3. Liga spiele.

Josef: Erstmals haben sich unsere Wege in Fürstenfeldbruck getrennt. Ich habe dann in Heimstetten in der Regionalliga gespielt, bevor ich nach Unterhaching gekommen bin, als Maxi gerade wieder gewechselt ist.

Lukas: Ich bin im Herrenbereich noch lange in Fürstenfeldbruck geblieben. Im Sommer 2015 hat es mich dann zum Landesligisten SV Mering verschlagen, wo gerade 1860-Spieler Sascha Mölders mein Trainer ist.

Zeichnete es sich bereits in der Jugend ab, dass Maximilian von euch Dreien am Schnellsten den Sprung nach oben schafft?

Josef: Wenn es darum ging, wer von uns Profi wird, habe ich ehrlich gesagt immer nur an Maxi gedacht. Er war früher mit Abstand der Beste von uns.

Lukas: Das ist so nicht ganz korrekt. Ich war schon immer der beste Torwart (lacht). Spaß beiseite: In Sachen Arbeit und Ehrgeiz würde ich Seppi dem Maxi gleichstellen.

Maxi: Das stimmt. Seppi hat im Laufe der Jahre mit seinem Ehrgeiz und starken Willen viele überholt, die früher besser waren.

Wie haben es denn Eure Eltern mit dem Zuschauen gehalten, als Ihr alle Drei in unterschiedlichen Vereinen gespielt habt?

Josef: Am Anfang habe sie es versucht, sich aufzuteilen. Am Samstag der, und am Sonntag ein anderer. Sie waren vielleicht einmal im Monat bei Maxi und dreimal bei Lukas und mir, weil das nicht so weit weg war.

Foto: Leifer

Lukas, Sie haben zuletzt den Bayernliga-Aufstieg nur knapp verpasst. Wie läuft es bei Ihnen?

Lukas: In der Relegation haben wir den Aufstieg knapp verpasst. Das neue Jahr ist dann schleppend losgegangen. Vor der Saison haben uns gute Spieler verlassen und einige der Neuen haben noch nicht so recht Fuß fassen können. Momentan haben wir wieder einen Aufwärtstrend. Allerdings konnte ich seit sechs Monaten nicht trainieren, weil ich mir einen vierfachen Gelenkbruch im Finger mit zusätzlichem Sehnen- und Bänderriss zugezogen habe. Erst ab Januar kann ich wieder einsteigen.

Sie spielen in der untersten Klasse von allen. Stört Sie das, wenn Sie bei Ihren vermeintlich erfolgreicheren Brüdern zuschauen?

Lukas: Überhaupt nicht. Ich schaue gerne bei meinen beiden Brüdern zu. Ich habe es ihnen immer gewünscht, dass sie es in den Profibereich schaffen. Sie hatten immer zu 100 Prozent den Ehrgeiz. Das war bei mir nicht immer so. Irgendwann war mir klar, dass es bei mir für das ganz große Geschäft nicht reichen wird. Damit habe ich mich bestens arrangiert. Ich habe Hobbys wie Fischen und Jagen, die ich als Profifußballer so nicht haben könnte.

Liegen Ihre persönlichen Ziele dementsprechend dann eher außerhalb der fußballerischen Karriere?

Lukas: Ich möchte in die Fußstapfen meines Vaters treten und seinen Raumausstatter-Betrieb in Inning übernehmen. Das erfordert viel Zeit, die mir zum Fußballspielen fehlt. Dreimal die Woche trainieren ist da schon schwierig genug. Ich würde mich dennoch freuen, wenn wir den Bayernliga-Aufstieg mit Mering schaffen würden.

Josef, holen Sie sich gelegentlich Ratschläge von Ihrem Bruder Maximilian, der manche Dinge schon vor Ihnen erlebt hat?

Josef: Klar hole ich mir gelegentlich Ratschläge. Maxi hat in dem Fußball-Metier noch mehr Ahnung als ich es habe.

Maximilian, welche wichtigen Ratschläge können Sie Josef denn gegeben?

Maximilian: In meinem ersten Drittliga-Spiel war ich zum Beispiel anfangs nervös gewesen. Da ist es hilfreich, wenn man die ersten drei Pässe sicher zum Mitspieler spielt, dann kommt das Selbstbewusstsein. Und umso selbstbewusster man wird, desto einfacher läuft es. Das habe ich ihm vor seinem ersten Drittliga-Spiel gesagt.

Josef: Das ist für mich natürlich cool, dass ich einen Bruder habe, der diesen Weg schon mal gegangen ist. Dass er hilfsbereit ist, dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Wie geht es bei Ihnen nach Ihrer Knieverletzung und erfolgter Operation bei der SpVgg Unterhaching weiter?

Josef: Ich bin megaheiß, wieder einzusteigen. Ab Januar werde ich in der Rückrundenvorbereitung wieder dabei sein. Ich bin zuversichtlich, dass es wieder gut klappt. Ich habe nach der Operation die Reha fast jeden Tag in Unterhaching verbracht und gute Fortschritte gemacht.

Dann haben Sie ja auch weiterhin bestens verfolgen können, dass Ihre Mannschaft in der Regionalliga weiter nicht zu schlagen ist. Wie ist für Sie der Erfolgslauf der bis dato ungeschlagenen Hachinger zu erklären?

Josef: Es ist sensationell, was wir für Leistungen abliefern. Ich habe selten so viel Qualität in einer Mannschaft gesehen. Ich hoffe, dass wir den hohen Standard auch in der Rückrunde halten können. Wenn der Aufstieg am Ende klappen sollte, bin ich glücklich. Und stolz, Kapitän dieser Mannschaft zu sein.

Stolzer Kapitän von Regionalliga-Spitzenreiter SpVgg Unterhaching: Josef Welzmüller. Foto: Leifer

Wie lauten längerfristig Ihre fußballerischen Ziele?

Josef: Ich habe in Haching noch Vertrag bis 2019 mit Option. Ich fühle mich dort wohl und mache gerade noch mein Master-Studium im Fach Betriebswirtschaftslehre. Das ganze Paket passt gerade super für mich.

Maximilian, wie läuft es bei Ihnen eine Etage höher in der 3. Liga?

Maximilian: Es läuft in Aalen sehr gut und es sieht danach aus, als ob wir auf jeden Fall die Liga halten können. Es ist in Aalen eine ähnliche Situation wie in Unterhaching, als ich dort in der 3. Liga gespielt habe: Es zählt primär der Klassenerhalt. Vielleicht können wir ihn dieses Jahr etwas früher schaffen als vergangene Saison. Alles darüber hinaus ist ein Bonus.

Ihr Vertrag in Aalen läuft im Sommer aus. Gibt es eine Aussicht, dass zumindest zwei Welzmüller-Drillinge nächstes Jahr in der 3. Liga gemeinsam spielen? Vielleicht ja sogar bei der SpVgg, wenn sie den Aufstieg schafft?

Maximilian: Ich kann nichts ausschließen. Aber ich muss schauen, was bis zum Sommer passiert. Im Moment läuft es sowohl für uns als Team als auch für mich persönlich ganz gut.

Welchen Bezug haben Sie zu Ihrer Heimat am Ammersee?

Maximilian: Ich glaube, wir sind uns einig, dass wir irgendwann hier wieder leben wollen, oder?

Josef: Ja. Wir sind sehr heimatverbunden. Ich wohne in München und fahre sehr oft raus. Da gibt es am Sonntag dann ein Familienessen und wir fahren zum Heimspiel vom SV Inning.

Lukas: Ich wohne ja bis heute schon immer in Inning. Das ist für mich ein Ort, wo man sich einfach sicher aufgehoben fühlt.

Wird dann auch das Weihnachtsfest traditionell in der Familie gefeiert?

Maximilian: Ja, das läuft sehr traditionell ab. Unsere Onkel und Tanten sind da und es gibt ein Weißwurst-Frühstück. Am Abend gibt es dann ein Essen und eine Bescherung.

Stichwort Bescherung. Haben Sie denn immer das Gleiche zu Weihnachten geschenkt bekommen, damit es keine Streitereien gab?

Josef: Als Kinder haben wir, glaube ich, immer das gleiche Weihnachtsgeschenk bekommen. Ich kann mich noch daran erinnern, als wir einmal Skihelme bekommen haben. Die hatten halt dann alle eine andere Farbe, damit uns unsere Eltern auf der Skipiste erkennen. Unsere Eltern haben immer darauf geachtet, dass zwischen uns alles im Gleichgewicht ist.

Foto: Reger

Wie lauten Ihre Wünsche für das neue Jahr?

Maximilian: Ich wünsche mir, dass meine Familie und ich gesund bleiben.

Josef: Ja, das ist das Wichtigste. Lukas und ich haben es gerade erlebt, dass es einem mit Sportverletzungen auch mal nicht so gut gehen kann. Ich bin glücklich, dass wir so eine gute Familie haben. Ich hoffe, dass wir weiter so gut harmonieren wie bisher.

Lukas: Das ist jetzt etwas gemein, dass ich als Letzter Antworten darf. Maxi und Seppi haben nämlich eigentlich schon alles gesagt, was ich mir auch wünsche. Aber da fällt mir noch was ein, was bisher noch nicht gefallen ist: Ich wünsche mir, dass ich mit dem Fanclub der Inninger Toreros noch einmal einen Aufstieg des SV Inning feiern kann, wie ich es schon einmal erleben durfte. Die Feier des bis dato letzten Kreisklasse-Aufstieges war sensationell.

Das Interview führte Robert M. Frank

Quelle: fussball-vorort.de

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