HANDBALL-WM

Werbung mit den mitreißenden Bildern der Weltmeisterschaft

+
Prächtige Stimmung auf den Rängen: Die Mercedes-Benz-Arena in Berlin ist bei den deutschen Spielen stets ausverkauft.

Die Hallen bei der Handball-WM sind rappelvoll, Millionen von Fans verfolgen die Auftritte der deutschen Nationalmannschaft an den Fernsehschirmen. Von dieser Euphorie wollen auch die Handball-Vereine in der Region profitieren.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Hallen sind rappelvoll, Millionen Zuschauer verfolgen die Spiele vor den Fernsehschirmen – die Handball-Weltmeisterschaft, die zurzeit in zwei dänischen und vier deutschen Städten ausgetragen wird, ist der Knüller. Auch in München, wo es seit dem Niedergang der einst ruhmreichen Vereine MTSV Schwabing (Konkurs 1989) und TSV Milbertshofen (1993 pleite) keinen Profi-Handball mehr gibt, brummte die Olympiahalle während der Gruppenspiele. Doch schwappt die Euphorie aus der Landeshauptstadt auch heraus in die ländlichen Gefilde? Wie machen sich die hiesigen Handballvereine die gute Stimmung zunutze?

Packende Szenen auf dem Spielfeld: Jannik Kohlbacher trifft gegen Kroatien.

Peter Seemann, Erster Vorstand der HSG Isar-Loisach, hat rund 200 Nachwuchshandballer in seinem Verein, die Landesliga (männl. B-Jugend) und sogar Bayernliga (männl. C-Jugend) spielen. „Wir haben Karten für die Spiele in der Olympiahalle besorgt, um unseren Kindern und Jugendlichen den Handballsport näherzubringen. Sie sollten die tolle Stimmung unmittelbar erleben und sehen, welche Leistung die Topsportler bringen.“ Das Angebot fand regen Anklang; bei einigen Vorrundenspielen in München war eine HSG-Delegation vor Ort. Doch die WM-Euphorie selbst ist nur eine der Erfolgskomponenten für die Nachwuchsakquise. „Wir organisieren regelmäßig Handballtage in unseren Kindergärten und Schulen“, berichtet Seemann. Die Arbeit an der Basis zahlt sich mittelfristig aus. „Wir sind im Nachwuchs zurzeit ohnehin gut aufgestellt.“

Georg Clarke: Präsident Bayerischer Handball-Verband

Ebenfalls recht gut sieht es beim größten Verein im Südlandkreis aus, beim TV Bad Tölz. Spartenleiter Christopher Jochem jedenfalls ist zufrieden mit seinen „rund 200 Nachwuchsspielern“. Dennoch erhofft er sich einen weiteren Impuls durch die Welttitelkämpfe, die die Tölzer Handballer regelmäßig gemeinsam in ihrem Vereinsheim verfolgen. „Schon 2007 haben wir etwas mehr Zulauf als sonst üblich gehabt.“ Doch überwiegend rekrutiert der Turnverein den Nachwuchs bei den alljährlichen Grundschulaktionstagen. „In Tölz stehen wir immer etwas in Konkurrenz zum Eishockey und zum Fußball. Deshalb schauen wir, dass wir schon in der Altersstufe unter den Minis, also bei den vier- und fünfjährigen Buben und Mädchen Interesse wecken. Das ist vergleichbar mit dem Mutter-Kind-Turnen. Wir nennen es die Bällchen-Gruppe.“

„Wir waren vomHandball-Boom 2007total überfordert“

Georg Clarke, Präsident beim Bayerischen Handball-Verbands (BHV) und Vize-Präsident beim Deutschen Handball-Bund, ist von der derzeitigen Euphorie begeistert, betrachtet sie aber gleichzeitig mit einem Schuss Skepsis. Diese fußt auf den negativen Erfahrungen von 2007, als die WM schon einmal in Deutschland ausgetragen wurde und die Gastgeber prompt den Titel holten. „Vom Handball-Boom damals waren wir total überfordert“, blickt der Tölzer zurück. „Wir hatten nicht genügend ehrenamtliche Mitarbeiter und Trainer, um dem Andrang der Kinder Herr zu werden. Da müssen wir den Hebel ansetzen, um künftig an der Basis die Voraussetzungen zu schaffen.“ Den Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg sieht der Chef vom Landesverband zum einen in den Schulen, zum anderen in der Kooperation der Vereine miteinander. „Wenn der TV Bad Tölz bei den Männern schwächer aufgestellt ist, dann sollten die Talente eben zur HSG Isar-Loisach wechseln, oder in bestimmten Altersgruppen in die andere Richtung. Jedem Spieler muss sich ein adäquates Angebot bieten. Das darf keine Einbahnstraße sein.“

Die derzeitigeFußball-Müdigkeitausnutzen

Eine ganz konkrete Maßnahme, wie man an den Schulen präsent sein kann, hat Martin Haider. Haider spielte ebenso wie Clarke lange Jahre beim TV Bad Tölz Handball und weiß wie der Sport in der Region tickt. Nun ist der 55-jährige Lenggrieser beim BHV für die Mitgliederentwicklung und Projektorganisation zuständig und war am Standort München maßgeblich für die WM-Organisation zuständig. Um den Schwung der WM nachhaltig zu nutzen, hat er eine Flyer-Aktion in petto. „Der BHV stellt jedem interessierten Verein 1000 Flyer kostenlos zur Verfügung“, wirbt er für seine Aktion, die unmittelbar nach dem Finale am Sonntag starten soll. „Vereinslogo, wenig Text und die packendsten Bilder dieser WM, damit kann sich der Verein an den Schulen präsentieren und Werbung für unseren Sport machen. Wir sollten die derzeitige Fußball-Müdigkeit in Deutschland ausnutzen.“

Martin Haider: Mitgliederentwicklung und Projektorganisation

Dass derartige Aktionen bei den Unter-Zwölfjährigen verfangen, hat Haider bei der Mini-WM im Vorfeld der Weltmeisterschaft erkannt. 48 Vereine oder Spielgemeinschaften – jeweils 24 bei den Buben und 24 bei den Mädchen – wurden mit Trikots und Flaggen ausstaffiert und spielten ihre Mini-Champions aus. „Die Sieger wurden bei einem WM-Spiel in München vor 12 000 Zuschauern geehrt. Grandios“, schwärmt Haider noch immer.

Beim SC Gaißachwartet man seit 30Jahren auf eigene Halle

Der SC Gaißach ist personell traditionell etwas dünner aufgestellt, aber mit dem bisherigen Mitgliederstand durchaus zufrieden. „Etwa 60 Kinder spielen bei uns in der C- und E-Jugend sowie bei den Minis“, sagt Spartenleiter Uli Gilgenreiner. Klar, dass auch im Ostheim der Fernseher läuft, wenn Uwe Gensheimer und Co. auflaufen. „Sollte es mit dem Finale klappen, dann habe ich schon eine Eingabe um Spielverlegung beim BHV gemacht“, berichtet Gilgenreiner. Die Gaißcher Frauen spielen am Sonntagnachmittag zu selben Zeit gegen Weßling, wenn in Herning der neue Weltmeister gekürt wird. „Das lassen wir uns nicht entgehen“, so Gilgenreiner.

Christopher Jochem: Abteilungsleiter TV Bad Tölz

Den großen Boom erwartet sich der Gaißacher Handball-Chef allerdings nicht direkt von der WM. „Seit 30 Jahren warten wir auf eine eigene Halle. Wenn die kommt, dann geht’s in Gaißach mit dem Handball voran.“ Derzeit müssen sich die Gaißacher Handballer fürs Training und für die Spiele noch auf vier Hallen verteilen.

Beim finalen WM-Tipp sind sich die Funktionäre uneins, auch wenn der Optimismus überwiegt. Doch alleine die Euphorie und der Enthusiasmus haben Deutschland dank Handball ein wahres Wintermärchen geschenkt.

Quelle: Merkur.de

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Überragender Torwart Luca Titze - TSV Gräfelfings U17 ringt TSV Dachau nieder
Überragender Torwart Luca Titze - TSV Gräfelfings U17 ringt TSV Dachau nieder
Stefan Weitzl vom SCBV: „Wir starten mit einem Traktor in der Formel 1“
Stefan Weitzl vom SCBV: „Wir starten mit einem Traktor in der Formel 1“
Zivanovic formt FC Unterföhring 2 wieder zum Team
Zivanovic formt FC Unterföhring 2 wieder zum Team
Spielabbruch bei Phönix Schleißheim nach schwerer Verletzung
Spielabbruch bei Phönix Schleißheim nach schwerer Verletzung

Kommentare