„Wir bauen einen Stuhl mit fünf Beinen“

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Erich Meidert will sich nicht lange mit "Gestern" aufhalten.

Unterhaching – Beim SC Baldham erhielt Erich Meidert einst die Silbermedaille „25 Jahre beispiellose Ära“. Als neuer Manager der SpVgg Unterhaching peilt der frühere Löwen-Vize Ähnliches an.

„So etwas macht mich an“, sagt der 54-Jährige, „der Verein soll mal so funktionieren, dass er auch läuft, wenn wir alle längst nicht mehr sind.“

Herr Meidert, es ging alles schnell mit Ihrer Installation. Wie lief das ab?

Ich diskutiere schon seit Jahren mit Peter Grosser (SpVgg- Vize/d.Red.), kein Tag ist da vergangen, an dem ich nicht nach Haching gefragt habe. Ich war immer bestens informiert, und Kontakt gibt es schon ewig; ich habe mit Norbert Hartmann (Ex-Manager/ d.Red.) in der Hochschulauswahl gespielt, vor 25 Jahren.

Und mit Schatzmeister Anton Schrobenhauser beim FC Bayern . . .

Ja. Aber er war schon a bisserl besser als ich. Auge (SpVgg- Trainer Augenthaler/d.Red.) und Schrobenhauser waren Olympia-Amateure, ich habe mein Geld bei den Amateuren als Student nebenbei verdient. Aber es ist nicht so, dass das jetzt ein Klüngel seit Jahrzehnten ist. Man kennt sich halt. Und als mich der Toni vor einigen Monaten gefragt hat, was ich so über Haching denke, hat er ein paar schockierende Antworten bekommen. Da hat er sich vielleicht gedacht: Der hilft uns.

Sie waren bis 1997 beim TSV 1860, dann sind sie aus der Szene verschwunden. Was ist denn genau Ihre Qualifikation?

Zunächst mal: In Wahrheit war ich nie weg. Ich war immer dabei. Ich bin ’82 bei den Löwen als Jugend-Geschäftsführer eingestiegen und habe da über Jahre viel aufgebaut. Im Nachgang haben sich alle meine Entscheidungen als wegweisend bewiesen. Bei Haching ist das Grandiose: Schrobenhauser, Augenthaler, Grosser, Hartmann, Copado – du hast lauter kompetente Fußballfachleute in der Spitze. Alles Leute, die meine Sprache sprechen. Eigentlich ist es hier leicht, viel zu bewirken – bei dieser Kompetenz.

Dennoch fiel Ihre Analyse schockierend aus.

Weil hier ein großes Potenzial brach liegt und seit Jahren verwaist. Nach 25 Jahren haben sich Dinge eingefahren. Das ist kein Vorwurf an Hartmann – ich bin froh, dass er weiter mit Rat zur Seite steht, den kann ich nachts um elf Uhr anrufen – aber ich muss wieder Leben reinbringen. Aus der Milch Butter machen – oder besser: Schlagsahne.

Meiderts Handynummer endet noch mit 1860

Wie gehen Sie das an?

Ich sehe mich als Bindeglied. Ich habe Kompetenz, weiß, was zu tun ist – und auch, was man lassen sollte. Und das kommuniziere ich gnadenlos.

Mehr als alles andere benötigt die SpVgg Geld. Können Sie da helfen?

Definitiv. Dass der Hauptsponsor aufhört, ist auch eine Chance. Generali hat ja alles: Stadionrechte, Vermarktung etc. Wie kann ich das auf mehrere Beine verteilen? Ein Stuhl auf einem Bein steht nicht so stabil wie einer mit vier. Wir brauchen am besten sogar einen mit fünf. Und den zu bauen, halte ich in der jetzigen Situation für möglich.

Woher die Zuversicht?

Wir haben einen glänzenden Ruf, was Solidität und Seriosität betrifft. Der FC Bayern steht in München natürlich über allem. Aber viele Fans hier sind hungrig nach gutem, familienfreundlichem, nahem Fußball. Und den bieten wir.

Weniger familienfreundlich war, dass Sie Urgestein Ralf Bucher aus dem Amt gedrängt haben.

Das ist yesterday. Wir können uns gestern nicht mehr erlauben. Wir brauchen heute und morgen. Und Sie brauchen am Tag 25 Stunden Einsatz. Ich kann die Skepsis nur mit Taten entkräften. Nicht durch schöne Briefe oder sonstwas. Der Klub darf nicht untergehen, sondern muss die Chancen, die sich bieten, nutzen.

Haching balanciert seit Jahren am Abgrund. Was ist drin in der Zukunft?

Alles. Das hat die Vergangenheit bewiesen. Warum nicht sogar Erste Liga? München hat sehr viel Potenzial. Ich sehe die SpVgg als superseriöse Adresse. Manche sehnen sich danach. Es gibt viel zu tun, weil hier vieles eingeschlafen ist. Um Erfolg zu haben, braucht man das Motto: Go the extra-mile! Geh’ immer einen Extra-Schritt weiter! Und ich lebe diesen Extra-Schritt.

Haben Sie Ihre Handy- Nummer schon geändert? Ihre endet auf „1860“.

Nein, da hatte ich einfach noch keine Zeit. Aber das kommt noch. Versprochen.

Interview: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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