BCF Wolfratshausen: Mannschaft auf dem Prüfstand

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Ein Typ, der abgeht: Ohne seinen dauerverletzten Kapitän Lech Kasperek (li.) fehlen dem BCF Wolfratshausen Ruhe und Abgeklärtheit in der Abwehr. Mit ein Grund für die zuletzt mageren Ergebnisse der Farcheter.

Vor dem Gastspiel beim TSV Landsberg (14 Uhr, Hacker-Pschorr-Sportpark) redet Reiner Leitl nicht groß um den heißen Brei herum. Der Chefcoach des BCF Wolfratshausen ruft den Abstiegskampf aus. Und während der Winterpause will er sein Team einer TÜV-Prüfung unterziehen.

Anfangs waren es nur kleinere Betriebsunfälle. Der BCF befand sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – stets mindestens auf Augenhöhe mit seinen Gegnern. Die fehlenden Ergebnisse ließen sich zunächst mit einer Schwäche bei Standardsituationen ergründen, später mit fehlender Konsequenz in entscheidenden Situationen. Das Credo damals: Wird schon wieder.

Schließlich hatte nahezu die identische Mannschaft im Vorjahr einen beachtlichen Galopp durch die Liga bis hinauf auf den siebten Tabellenrang hingelegt. Doch spätestens nach der herben 2:4-Abfuhr neulich gegen den keineswegs übermächtigen FC Unterföhring muss man sich an der Kräuterstraße Augenwischerei eingestehen. Besser geworden ist nichts – der BCF kassierte in der Vorwoche drei Tore nach Standards. Im Gegenteil: Die Wolfratshauser haben massive Probleme, Begegnungen in die richtige Richtung zu lenken. Die Fehlerketten nehmen im eigenen Angriff ihren Anfang und setzen sich zwangsläufig in anderen Bereichen des Spielfelds fort. Der ratlose Leitl stellt seiner Elf ein ernüchterndes Zwischenzeugnis zum Rückrundenbeginn aus: „Wir sind nicht mehr in der Lage, Qualität und Routine auf den Platz zu bringen.“

Bei genauem Hinschauen deckt sich die Mannschaft allenfalls beim Gros der Namen mit dem Kader des Vorjahres. Entscheidende Stabilisatoren fehlen jedoch. Lech Kasperek, der dauerverletzte Kapitän, zum Beispiel als weitsichtiger Ruhepol in der Abwehr; auch Dominik Putzke als Kontrolleur des eigenen Spiels geht ab. Und nicht zuletzt Lamine Guèye, die vielseitige Kraft- und Kampfmaschine. Kurzum: Der Mannschaft fehlt es an Typen. Leitl merkt außerdem an, dass im Vorjahr jeder für den anderen gekämpft habe. Heuer aber haben sich seine Kicker kreativen Werten unterworfen, „wollen alles spielerisch lösen“. Dazu fehlt dem Team aber zu weiten Teilen die Kompetenz. Deswegen steht es jetzt an der Schwelle zum Bayernliga-Keller. „Der Kampf um den Ligaverbleib hat begonnen“, sagt auch Leitl unmissverständlich. Der Trainer glaubt zudem, im Mannschaftsgefüge diverse Störstellen erkannt zu haben: unzufriedene Ersatzspieler, Dauernörgler. Und das alles soll jetzt auf den Prüfstand kommen. Zwar räumt der 55-Jährige ein, dass seine Kicker abseits des Spielfeldes gut miteinander harmonieren. Jedoch fehle es ihnen bisweilen an Selbstreflexion und Kritikfähigkeit. „Es sind wenige, die sich etwas sagen lassen.“

Vor der heutigen Dienstreise zur heimstärksten Equipe der Liga (sechs Spiele, 18 Punkte), lassen sich derlei Defizite nicht beheben. Doch Leitl kündigt unmissverständlich an, im Winter „zu handeln, wenn es nicht funktioniert“. Eigentlich sind keine nennenswerten Transferaktivitäten geplant, auch wenn sich Yusuf Catal vor einer Woche wegen Perspektivlosigkeit von der Mannschaft verabschiedet hat. Aber Leitls Warnung dürfte bei seinem kickenden Personal angekommen sein.

Quelle: fussball-vorort.de

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