Wolfratshausen will fünftklassig bleiben

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Gewinner der Vorbereitung: Lamine Guèye (re.) hat sich mit starken Leistungen im Training und den Testpartien in die Startelf gespielt. Für Trainer Steffen Galm ist der 21-Jährige Stürmer Nummer eins.

BCF Wolfratshausen - Ungern stimmten Farchets Verantwortliche dem Ansinnen des SB Rosenheim um eine Verlegung des Spiels zu. Nur zu gerne wäre der BCF Wolfratshausen in die neue Spielzeit mit einem Heimspiel gestartet.

So aber fängt das Abenteuer Bayernliga mit dreitägiger Verzögerung an, und dies fern der Heimat, im niederbayrischen Deggendorf. Nichtsdestotrotz freut man sich an der Kräuterstraße auf die neue Herausforderung, bei der sich alte Bekannte und neue Standorte die Waage halten. BCF-Reporter Oliver Rabuser nahm den aktuellen Kader kurz vor dem Saisoauftakt unter die Lupe.

Kommen und Gehen

Quantitativ bleibt alles beim Alten. Vier Abgängen stehen vier Neuzugänge gegenüber. Die Substanz des Kaders hat sich aber erhöht. Christian Duswald (siehe Interview unten) ist eine ernstfallerprobte und vielseitig einsetzbare Fachkraft für die rechte Flanke. Der ehemalige Pullacher dürfte sein Stammleiberl sicher haben. Sebastian Heid – vor seiner Hochzeit hieß er Dietze – ist eine gute Alternative in vorderster Front. Im Spätherbst kehrt zudem Franz Fischer mit rundumerneuerten Hüften und absolutem Hunger auf Spielpraxis zurück. Dann tobt auch in der Offensive der Konkurrenzkampf. Christopher Reitter konnte sein Talent wegen einer Leistenverletzung noch nicht zur Schau stellen, gilt aber als adäquate Alternative zu Michael Rauch auf der linken Abwehrseite. Tormann Stefan Schwinghammer genoss nicht die hochklassige Ausbildung wie Vorgänger Florian Daschil. Talent hat der 18-jährige Ohlstädter dennoch, dazu begleiten ihn Fleiß, Ehrgeiz und eine gesunde Selbsteinschätzung.

Der Abgang der Pföderl-Zwillinge schmerzt insofern nicht, da beide ihr zweifellos vorhandenes Potenzial aufgrund von Verletzungen zu selten einbrachten. Hannes Huber sucht in Geretsried eine neue sportliche Heimat. Jan Havarnka kennt seine Kollegen bereits von ersten Einsätzen im Saisonfinale. Jetzt rückt der Slowake fest in den Bayernliga-Kader auf.

Vorbereitung

Selten war eine Sommervorbereitung so kurz. Wohl dem, der nicht über die Relegation gehen musste. Die BCF-Kicker haben nach stetem Insistieren ihres Trainers Steffen Galm mittlerweile kapiert, dass sie nur über Einsatz auf und neben dem Platz erfolgreich sein kann. Die Trainingsbeteiligung ist unter Berücksichtigung der stattlichen Ausfallliste nicht zu beanstanden. „Die Mannschaft zieht gut mit, sie ist sehr fleißig“, goutiert Galm die zurückliegenden vier Wochen. Freundschaftsspiele dienen der Orientierung, deren Ergebnisse sind zweitrangig. Dennoch ist festzuhalten: Den Flößerstädtern gelang in ihrem Übungs-Zyklus nur ein Sieg, ein 3:1 gegen 1860 II. Beim Pokal-Aus in Raisting zeigte sich laut Galm, dass einige Kicker „noch zu grün“ sind. Speziell bemängelt der Coach die Chancenverwertung. „Wir brauchen noch den besseren Torabschluss.“ Auch in puncto Defensiv-Zweikämpfe sieht der Unterfranke Steigerungsbedarf. „Wir sind zu brav, müssen schärfer reingehen, um uns nicht zu verletzen.“

Wunschelf

Marco Höferth brachte es zuletzt auf den Punkt: „Es ist unsere Stärke, trotz der Ausfälle so eine hohe Qualität zu haben.“ Doch an Galms beiläufiger Bemerkung, er wünsche sich „generell mehr Substanz im Kader“, wird schon deutlich, wie sehr die Absenzen schmerzen. Keeper Franz Demmel wird bis Samstag fit, der Kapitän dürfte trotz Trainingsrückstands im Kasten stehen. Michael Rauch und Werner Schuhmann nehmen dieser Tage das Lauftraining auf. Christopher Reitter erwartet Galm „Mitte bis Ende August“ zurück. Gleiches gilt für Reber Akgül, der sich ebenfalls einem Eingriff an der Leiste unterziehen musste. Sebastian Heid flittert zwei Wochen mit der frisch Angetrauten. Franz Fischer würde so gerne eingreifen, unterliegt aber striktem ärztlichen Kontaktsport-Verbot. Was Lech Kaspereks Trümmerbruch am kleinen Finger betrifft, wartet Galm mit einer interessanten Aussage auf: „Null bis sechs Wochen“, nennt der Übungsleiter die mögliche Pause seines Routiniers.

Die Abwehrreihe steht dennoch fest, bis zu Rauchs Comeback wird Tobi Schattschneider den Part auf der linken Seite übernehmen. Im Mittelfeld geht die Tendenz zu Höferth und Jakob Taffertshofer. Oskar Kretzinger wurde in den Tests häufig ausgewechselt. Daniel Wildgruber spielte eine ordentliche Vorbereitung, auch Marley Amanquah darf sich Hoffnungen machen. Max Panholzer kommt nach längerem Aussetzen langsam in die Gänge. Stürmer Nummer eins ist bis auf weiteres Lamine Guèye. Und das hängt nur teilweise mit den Verletzungen der Konkurrenz zusammen. „Er hat Präsenz gezeigt“, lobt Galm den 21-Jährigen.

Fazit

Das Ziel ist eindeutig: Der BCF ist Neuling in der Bayernliga und möchte nicht nur für die Dauer einer Saison fünftklassig sein. „Der Klassenerhalt ist unser Anspruch“, stellt Galm klar. Fünf Teams werden unmittelbar mit dem Abstieg konfrontiert sein. Drei verschwinden auf direktem Wege, die besser Platzierten bekommen eine zweite Chance. Galm gibt zu bedenken, dass neben den bisherigen Bayernligisten nur Klubs am Start stehen, die „in ihren Ligen vorne waren“. Entsprechend schwer stuft der BCF-Coach das Vorhaben ein, ein Quintett hinter sich zu lassen. Aber: „Es ist machbar.“ Vieles hängt davon ab, wie „wir reinkommen und in welchen Sog wir geraten“.

Viele englische Wochen zu Beginn halten die Spannung aufrecht. Die schnelle Abfolge der Partien sei, so der Trainer, eine „Stimmungs-Geschichte“. Je nach Abschneiden eben. Andererseits setzt Galm auf die Qualität seines Teams und der Rückkehrer. „Egal wie wir starten, wir werden im Laufe der Saison kommen“, versichert er.

Prognose

Der BCF Wolfratshausen geht mit einem ausgewogenen und qualitativ guten Kader in die neue Spielzeit. Kommen die Rekonvaleszenten den Prognosen nach zurück, entwickelt sich auf allen Positionen ein gesunder Konkurrenzkampf. Die Mannschaft ist in ihrem Gros eingespielt, die Neuzugänge sind bestens integriert, der Team-Spirit tadellos. In Bestbesetzung steht in allen Mannschaftsteilen wenigstens ein gleichwertiger Ersatz zur Verfügung. Farchets Kicker kennen ihren Übungsleiter inzwischen und wissen, was er von ihnen verlangt. Der Trainerstab ist kompetent und ehrgeizig.

Die Bayernligisten aus dem Osten des Freistaats sind schwer einzustufen. Doch haben die Flößerstädter im Vorjahr gezeigt, dass sie mit finanziell potenteren Konkurrenten allemal mithalten können. Deswegen wird dem BCF Wolfratshausen der Klassenerhalt auf direktem Wege gelingen.

Quelle: fussball-vorort.de

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