BCF-Coach Galm im großen Interview  

Galm: "In Nordbayern hätten wir 500 Zuschauer"

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Ein fordernder Trainer ist Steffen Galm. Mit den Leistungen seiner Kicker in der Bayernliga ist der BCF-Coach bislang aber zufrieden.

BCF Wolfratshausen – Ein bewegtes Jahr liegt hinter dem BCF Wolfratshausen. Höhepunkt war die Qualifikation für die Bayernliga. Danach lief es lange Zeit weniger rund an der Kräuterstraße.

BCF-Coach Steffen Galm über fehlende Fans, die Nachwuchsarbeit im Verein und den möglichen Klassenerhalt. Unser Mitarbeiter Oliver Rabuser zog mit Cheftrainer Steffen Galm ein Resümee.

- Herr Galm, nach zuletzt relativ erfolgreichen Wochen geht es jetzt in die Winterpause. Kommt die Unterbrechung zur rechten Zeit, und wie verbringen Sie die fußballlose Zeit?

Pause ist immer wichtig. Man kann etwas mehr arbeiten und hat zusätzliche Zeit für die Familie. Ich werde das Mehr an Zeit nutzen.

- Die Hinserie war geprägt von einer abnormen Vielzahl an Verletzungen. Haben Sie zuvor einen ähnlichen Aderlass schon einmal erlebt?

Was die Dauer und die Schwere der Verletzungen betrifft, war das ungewöhnlich. Ich hoffe, es geht im neuen Jahr anders weiter und wird nicht zur Gewohnheit.

- Haben Sie eine Erklärung für diese Misere?

Viele Spieler mussten für den Aufstieg ans Limit gehen, danach aber gleich noch mehr machen. Daran muss man sich gewöhnen. Ich denke, dem ist vieles geschuldet. Alllerdings kann man durch diese Erfahrung auch robuster in Körper und Geist werden. Es kann nicht sein, dass immer nur eine Mannschaft den Kürzeren zieht.

- Ist der Zusammenhang zwischen Physis und Psyche so komplex?

Aus Fitness-Sicht waren wir den meisten Gegnern überlegen. Aber es war eine geistige Ermüdung zu sehen. Die Bayernliga erfordert sehr viel Aufwand. Hinzu kommt das vorangegangene Quali-Jahr, in dem jede Begegnung 100 Prozent verlangte. In dieser Hinsicht müssen wir eine gewisse Konstanz schaffen.

- Zu Beginn der Saison haben Sie oft auf mentale Defizite einiger Spieler hingewiesen, zuletzt nicht mehr. Sehen Sie in diesem Bereich einen Fortschritt?

Jeder Spieler versucht sich seinen Möglichkeiten entsprechend zu verbessern. Darüber bin ich schon mal froh. Einige bevorzugen grundsätzlich eine gewisse Komfortzone. Im Prinzip hat es die Mannschaft aber gut hinbekommen. Sie hat auch nie über die vielen Verletzten gejammert, sondern die jeweilige Situation gut kompensiert.

- Wenn Sie auf die vergangenen Monate zurückschauen: Was würden Sie eventuell anders machen?

Selbstkritik gehört natürlich immer dazu. Ich habe im Vorfeld schon befürchtet, dass die mentale Stabilität das Manko sein wird. Aber da gab es auch noch die Finanzen und den im Vorjahr erfolgreichen Kader. Einerseits hat es sich diese Mannschaft auch verdient, so weiterzuspielen.

Auf der anderen Seite waren bestimmte interessante Spieler für uns nicht darstellbar. Grundsätzlich müssten wir wohl 14 Mal die Woche trainieren, um die Spieler wirklich besser zu machen und Defizite anzugehen. Aber das ist ja bei jedem Fußballer so und im Amateursport einfach nicht möglich.

- Wen zählen Sie zu den positiven Überraschungen?

Das ist schwierig, Wenn ich jetzt einige nenne, werde ich anderen nicht gerecht, Auf jeden Fall stehen uns die Neuzugänge von Qualität und Charakter gut zu Gesicht. Ich finde, niemand ist groß abgefallen. Im Kollektiv haben wir es gut gemeistert.

- Wolfratshausen wird gerne ein Standort-Nachteil angedichtet. Macht sich das im Fußball-Alltag bemerkbar?

Eigentlich ist es doch ein Vorteil. Wir sind die einzigen in der Region auf diesem Niveau. Sicher haben wir keine Weltfirma im Rücken. Aber der wirkliche Nachteil ist doch der fehlende Unterbau. Mit funktionierender Jugend und zweiter Mannschaft bräuchtest du weniger Finanzmittel. So aber müssen wir alles und jeden von Außen zuführen. Wir arbeiten daran, das zu ändern.

- Was wiederum beim Publikum nicht zwingend honoriert wird.

Gegen Landshut waren um die 80 Zuschauer im Stadion. Und das nach drei Siegen am Stück. Da stelle ich mir schon manchmal die Frage: Was bringt das alles? Klar ist aber auch, dass der regionale Bezug wichtig ist. Damit sind wir wieder beim Unterbau. Das Leben muss aus dem Inneren des Vereins kommen. Aber dann würden wir vielleicht auch nur 50 Leute mehr anlocken. In Nordbayern hätten wir jedes Mal 500 Zuschauer.

- Ändert sich während der Pause etwas am Kader?

Matthias Hartmann hat sein Abitur fertig und reist jetzt ein halbes Jahr. Schade, dass er das jetzt aufgibt, wo er sich so reingebissen hat. Diesen Ausfall werden wir aus den eigenen Reihen rekrutieren. Stand jetzt bleibt alles unverändert.

- Zum Abschluss bitte ein Ausblick von Ihnen auf die verbleibenden 14 Partien.

Ich denke, wir haben neben einer großen Leidenschaft auch oftmals guten Fußball gezeigt, sind nur nicht immer dafür belohnt worden. Da haben wir uns zur Vorsaison schon deutlich verbessert. Klar geht es im Endeffekt nur um Punkte.

Wir müssen noch mindestens 20 Zähler holen. Dafür braucht es einen guten Start. Ein großes Zeichen von Klasse ist es, Woche für Woche etwas Ordentliches abzuliefern. Wir haben eine gute Möglichkeit, die Liga zu halten. Das ist aller Ehren wert.

Quelle: fussball-vorort.de

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