Edeltechniker spricht über Aufstiegskampf

XXL-Interview: Yilmaz kontert Kritik an Türkgücü-Ataspor

Erfolgsduo: Andreas Pummer und Yasin Yilmaz schafften mit dem FC Unterföhring den Aufstieg in den Regionalliga. Foto: Bro

Yasin Yilmaz ist ein Ausnahme-Kicker in der Landesliga Südost. In 19 Spielen hat er 20 Mal getroffen. Regelmäßig entscheidet er Spiele im Alleingang. Im großen Interview spricht der 29-Jährige unter anderem über den Titelkampf, die Sticheleien des SE Freising und die Kritik am SV Türkgücü-Ataspor.

Yasin, am vergangenen Wochenende hast du wieder doppelt getroffen. Reicht dieses kurze Glücksgefühl aus, dass du auch nach Jahren noch an diesen Tag zurück denkst?

Nein, da habe ich andere Situationen in meiner Karriere erlebt. Mit 21 Jahren durfte ich mit der SpVgg Unterhaching ins Trainingslager. Im Testspiel gegen Sparta Rotterdam habe ich von der Mittellinie ein Tor geschossen. Das war der wichtigste Moment meiner Karriere. Damit kann kein Erlebnis im Amateurfußball mithalten. Nach diesem Tor war ich in der Mannschaft anerkannt. Ich hatte ein anderes Standing. 

Dein Trainer bei Haching war damals Ralph Hasenhüttl. Warum hat es für die große Karriere nicht gereicht?

Ich könnte ich mir heute noch jeden Tag in den Hintern beißen. Ich habe mit Spielern wie Roman Tyce oder Robert Zillner in einer Mannschaft gespielt. Ich war im Kopf sehr schnell. Aber ich habe mit 21 Jahren nicht hart genug gearbeitet.

Hast du noch Kontakt zu Spielern aus der damaligen Zeit?

Bei der SpVgg Unterhaching habe ich Stephan Thee kennengelernt. Wir saßen im Bus nebeneinander, haben vieles gemeinsam gemacht. Wir sind beste Freunde. Als klar war, dass er den zeitlichen Aufwand in der Regionalliga nicht mehr packt, habe ich ihn gefragt, ob er sich vorstellen kann, für Türkgücü Ataspor zu spielen.

Dein Wechsel vom FC Unterföhring zum SV Türkgücü Ataspor hat für Gesprächsstoff gesorgt. Bereust du deine Entscheidung heute?

Es gibt kein richtig oder falsch. Für mich war es eine gute Entscheidung. Mit 29 war es mir nicht mehr wichtig, noch einmal in der Regionalliga zu spielen. Ich habe mich vor meiner Entscheidung auch mit Andi Pummer ausgetauscht. Beim SV Türkgücü Ataspor konnte ich nochmal mit anderen Spielern zusammen spielen. Hier erlebe ich nochmal einen anderen Druck.

Yilmaz: "Es würde mir heute nichts mehr geben, in der Regionalliga zu spielen"

Warum wolltest du dich nicht mit den besten Amateurspielern Bayerns in der Regionalliga messen?

Die Leute fragen sich, warum ich nicht in der Regionalliga spiele. Ich frage mich dagegen, warum ich nicht alles dafür getan habe, es ganz nach oben zu schaffen. Es würde mir heute nichts mehr geben, in der Regionalliga zu spielen. Im Gegenteil. Wenn man gegen Mannschaften wie 1860 oder den FC Bayern II spielt und merkt, dass man mithalten kann, stellt man sich nur wieder die Frage: Hättest du nicht viel höher spielen können?

Mit deinem Doppelpack gegen den ASV Dachau hast du erneut ein Spiel entschieden. Wie wichtig war der Sieg für die Mannschaft?

Der Sieg war brutal wichtig. Für die Mannschaft und für unser Umfeld. Nach der Nullnummer gegen Töging kommen die Spieler wieder mit einem Lächeln ins Training. Der Sieg wird uns einen zusätzlichen Motivationsschub geben. Die Frage bleibt, wie viel es am Ende wert ist. Ich bin stolz, wenn ich einen Teil zum Sieg beitragen kann. Aber was bringt mir jedes einzelne Tor, wenn wir am Ende nicht aufsteigen? Dann war alles für die Katz.

Woran liegt es, dass ihr ausgerechnet in den entscheidenden Spielen wie Freising oder Töging Punkte liegen lasst?

Töging hat gegen uns mit Mann und Maus verteidigt. Gegen uns hauen die Mannschaften alles raus. Ich behaupte, dass jede Mannschaft motivierter ist, wenn sie gegen uns spielt.

Ihr liegt hinter den Erwartungen zurück. Was ist aus eurem Ziel geworden, den direkten Aufstieg zu packen? Immerhin habt ihr auf eurem Terminkalender bei eurem Sportplatz das Wort "Aufstiegsfeier" neben das letzte Spiel gegen Geretsried geschrieben.

Wir wissen nicht, wer das dort hin geschrieben hat. Aber dafür gab es bereits intern Kritik. Das hat den Medien natürlich in die Karten gespielt, dass sie etwas zum Schreiben haben. Aber da kann kein Spieler etwas dafür. Es wurde immer von außen an uns heran getragen, dass wir mit dieser Mannschaft durchmarschieren müssen. Jeder im Verein wünscht sich den Aufstieg. Aber es gab nie eine Vorgabe. Nicht vom Trainer und auch nicht vom Umfeld.

Yilmaz: "Jeder Verein würde das Geld mit Handkuss nehmen"

Der Druck kam von selbst, da die Mannschaft mit vielen sehr guten Spielern automatisch der Hauptfavorit um den Aufstieg war.

Dazu möchte ich etwas sagen, was mich schon sehr lange nervt. Angenommen es kommt ein Investor, der einem Amateurverein zusagt, dass er fünf Millionen Euro in den kommenden acht Jahren in den Club investiert. Dieses Angebot würde jeder sofort mit Handkuss nehmen. Jeder wäre glücklich, wenn es Personen gibt, denen ein Verein so wichtig ist, dass er Geld investiert. Ich frage mich, was die Leute davon haben, wenn sie laufend schlecht über unseren Verein sprechen. Jeder spricht immer vom Star-Ensemble. Aber wir müssen uns als Mannschaft erst finden. Wenn wir alle so gut wären, würden wir höher spielen. Nicht in der Landesliga. Wenn wir Freising noch einholen, wäre das ein Wunder.

Freising betont stets, dass dein Team der Favorit ist.

Ich finde das Verhalten vom SC Eintracht Freising kindisch. Sie schieben uns die Favoritenrolle zu. Dabei sind sie klar der Top-Favorit auf die Meisterschaft. Ich kann mich doch nicht als Tabellenführer hinstellen und Woche für Woche behaupten, dass der Tabellenzweite mit einem deutlichen Punkte-Rückstand der Titel-Favorit ist. Das machen sie aus taktischen Gründen, um den Druck von der Mannschaft zu nehmen. Freising wird keinen Punkt mehr abgeben.

Was macht die Freisinger Mannschaft so stark?

Freising hat eine sehr gute Defensive. Vorne haben sie zwei Knipser, die nur zwei bis drei Chancen brauchen. Diese Mannschaft ist brutal effektiv. Der entscheidende Vorteil ist aber: Sie haben einen Lauf. Es spielt keine Rolle, welche Mannschaft die besseren Einzelspieler hat. Die Mannschaft zählt. Ich kenne diese Situation noch aus Unterföhring, als die Mannschaft mit jedem Sieg mehr zusammengewachsen ist. Wer einmal solch einen Lauf hat, verliert nicht mehr. Du fährst zu den Spielen, haust alles raus. Dich kann als Team nichts mehr aufhalten. Man entwickelt ein unglaubliches Team-Spirit und gewinnt auch die unmöglichen Spiele in der 90. Minute.

Deisenhofen und Töging liegen neuen Punkte hinter euch. Können euch diese Teams beim Kampf um die Relegationsplätze noch gefährlich werden?

Da habe ich keine Angst. Wir müssen nur auf uns schauen. Den zweiten Platz lassen wir uns nicht mehr nehmen. Wir haben keinen Druck, Erster zu werden. Das kann unsere Chance sein.

Das Interview führte Christoph Seidl.

Neue SERIE - Momente für die Ewigkeit: Das beste Erlebnis der Karriere

Yasin Yilmaz ist einer von vielen Spielern, die in der neuen Serie von Fussball Vorort über die besten Momente ihrer Karriere sprechen. Wenn Ihr einen Vorschlag für ein Interview oder Portrait habt, meldet euch bitte unter info@fussball-vorort.de

Bereits erschienen sind:

Manuel Eisgruber (VfR Garching): „Es gibt keinen schöneren Moment im Amateurfußball, als vor 12.500 Zuschauern im Grünwalder Stadion ein Tor zu schießen."

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Meistgelesen

Andrea Gallert: „Bei der Bayerischen ist es mit Bande was ganz anderes“
Andrea Gallert: „Bei der Bayerischen ist es mit Bande was ganz anderes“
LSC auf der Suche nach der einstigen Leichtigkeit
LSC auf der Suche nach der einstigen Leichtigkeit
TSV Gräfelfing II: „Vier plus X“
TSV Gräfelfing II: „Vier plus X“
TSV Neuried will die Favoriten ein zweites Mal ärgern
TSV Neuried will die Favoriten ein zweites Mal ärgern

Kommentare