Was macht eigentlich der ehemalige Wölfe-Chef Eckardt Kunert?

Rheinische Frohnatur: Als Chef der Wölfe-Fußballer von 1994 bis 2000 ließ Eckardt Kunert gerne mal die Puppen tanzen.

TSV Wolfratshausen – Als Eckardt Kunert ihr Chef war, umgab die Fußballer des TSV Wolfratshausen ein wenig von dem Flair eines Günter Siebert, dem früheren Schalker Boss. Kunert lebte den Wölfe-Präsidenten mit allem, was dazu gehört: schnelle Edelkarossen, großzügig bis zur Großspurigkeit und freche Schnauze.

Später sattelte er um, wurde Trainer und betreute – nun wesentlich ruhiger, seriöser und durchaus innovativ – Rot-Weiß Bad Tölz und den SV Ascholding. Sportredakteur Peter Borchers erwischte den inzwischen 67-Jährigen in seinem Wohnort Bad Tölz kurz vor der Abreise in den Skiurlaub.

-Herr Kunert, Ihrem ehemaligen Verein, dem TSV Wolfratshausen, geht es momentan nicht gut. Der erneute Abstieg in die A-Klasse droht. Verfolgen Sie das Geschehen noch?

Nur am Rande. Ich lebe seit 2004 in Tölz. Die Spielberichte lese ich noch. Und ich habe mit Andi Hacker Kontakt, er ist mein Steuerberater und hat seine Kanzlei hier. Er erzählt mir ein bisschen was. Ansonsten ist mein Draht zu den Wölfen so gut wie abgerissen.

-Ihr Name wird oft mit dem Niedergang des TSV, einst die Fußballmacht an der Loisach, in Verbindung gebracht. Ärgert oder kränkt Sie das?

Was macht eigentlich?

Wo sind sie geblieben, die ehemaligen Sporthelden unserer Region? Was machen sie heute? Der Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur begab sich auf die Suche. Das Resultat lesen Sie in lockerer Folge im Lokalsport.

Eigentlich nicht, denn ich kenne ja die Wahrheit. Und die ist eine andere. Der zeitliche Zusammenhang mit dem Anfang des Niedergangs und meinem Aufhören als Vorsitzender der Fußballabteilung mag da sein. Nur warum ich aufgehört habe, muss man natürlich auch wissen. Meine Frau und ich, wir haben uns damals getrennt. Und es war so, dass die Uli und ich wirklich so eine Art Eltern für die Spieler waren, und die Wölfe unsere Familie. Hinzu kam, dass ich mit meinem Arbeitgeber Philipp Morris eine Vorruhestandsregelung getroffen hatte und ich mich für die Firma noch einige Zeit in Berlin engagieren musste. So konnte ich nicht mehr die nötige Arbeit für den Verein leisten.

-Welche Arbeit litt denn in dieser Phase am meisten?

Sie wissen vielleicht, dass ich mich mit dem Jürgen (Keilwerth – damals Trainer der Wölfe, Anm.d.Red.) und anderen auch darum bemüht habe, Gelder zu sammeln. Ich habe sicher meinen Teil dazu beigetragen, dass am Ende eines Jahres genügend in der Kasse war. Das konnte ich dann nicht mehr leisten.

-Also ging’s mit den Wölfen bergab, als das Geld knapp wurde?

Hmm, ein Beispiel, ohne Namen zu nennen. Zu mir kam mal einer unserer Spieler, ein Student, und fragte mich, ob ich ihm ein paar tausend, damals waren es noch Mark, leihen oder besorgen könnte. Ich habe ihm gesagt: „Der Verein nicht, ich privat ja, zinslos. Musst es halt später abstottern.“ Sagt er zu mir: „Ich kenn’ einen Verein, da brauch’ ich’s gar nicht zurückzugeben.“ Da wissen Sie, was Sache ist.

-Von welchem Verein sprechen Sie?

Ach, das wissen wir doch alle. Ich werfe das denen gar nicht vor, so oder ähnlich läuft das im Fußball inzwischen überall. Ich besitze alte Kontakte zum TSV Großhadern, der heute ja auch rumkrebst. Na ja, der BCF war damals halt im Aufwind und wir im Sinkflug, das ist so.

-In der Öffentlichkeit kam Ihre Präsidentschaft – mit Verlaub – bisweilen aber auch etwas großspurig rüber. Wir erinnern uns an eine Saisonabschlussfeier der Landkreiskicker in Wackersberg, auf der Sie Ihre halbe Mannschaft öffentlichkeitswirksam mit einem Porsche fahren ließen.

Eckardt Kunert war erst Wölfe-Vorstand, dann Trainer in Ascholding.

Schlecht recherchiert, ich habe nie einen Porsche besessen. Mir war es durch meine Geschäftskontakte möglich, meine Jungs mit vielen schönen Dingen zu versorgen. Dazu gehörten durch die Meilensammlerei Freiflüge, dazu gehörte ein Mercedes, den ich für ein Wochenende bekommen habe. Mit dem Ding konnten die Jungs dann fahren. Ich habe die Jungs nicht mit Geld verwöhnt, sondern mit Naturalien. Ich persönlich bin ein großer Autofreak. Ich habe einen 350 SL mit Flügeltüren, das macht mir einfach Spaß. Wenn das jemand als großkotzig ansieht, dann steckt meistens etwas Neid dahinter.

-Nach Ihrer privaten Krise gab’s ein Comeback, mit dem wohl die wenigsten gerechnet haben: Sie wurden Trainer.

Ja, ich hatte bei Philipp Morris 2002 einen Vorruhestandsvertrag unterschrieben und durfte in dieser Zeit nicht arbeiten. Was also tun? Da hat mich der Andi Horwath von Rot-Weiß Tölz angehauen, ob ich nicht einsteigen möchte. Also bin ich nach Unterhaching auf die Sportschule, habe bei Thomas Roy meinen Trainerschein aufgemotzt und dann bei Rot-Weiß angefangen . . .

-... wo Sie knapp zwei Jahre blieben und – wenn wir uns recht erinnern – ein für diese Spielklasse und die damalige Zeit fast revolutionäres Kurzpassspiel einführten.

(lacht) Ja, ich hatte ja die Zeit und habe mich unglaublich sorgfältig vorbereitet. Sicher mehr als es in dieser Klasse üblich war. Ich habe im Internet geschaut, was der DFB für Lehrpläne anbietet und, und und.

-Dann war’s ja auch logisch, dass Sie auf Ihrer nächsten Trainerstation den SV Ascholding, einen A-Klassisten, mit Viererkette statt mit Libero operieren ließen.

Stimmt, ich habe mir Videos besorgt, mit Kollegen gefachsimpelt. Das Problem war nur, dass du für dieses System genügend Leute brauchst, die das spielen können. Und die hast du in dieser Liga im Training nie alle da.

-Trotzdem empfanden Sie diese Zeit in Ascholding, wie Sie mehrfach betont haben, sportlich als Ihre schönste.

Ja. Das heißt, man kann Wolfratshausen und den SV nicht vergleichen. Bei den Wölfen waren wir eine harmonische Einheit und wir waren erfolgreich. Wir sind ja in die Bezirksliga aufgestiegen. Wir haben mit der Skiabteilung den Fuschi-Ball aus dem Boden gestampft. Das war klasse, das hat mir richtig Spaß gemacht. Ich bin extra in die CSU eingetreten, um mit anderen den Bau des Sportheims voranzutreiben.

-Warum verließen Sie den SV?

In Ascholding hätte ich gerne weitergemacht. Aber 2005 durfte ich wieder arbeiten, und als mich jemand aus alter Zeit fragte, ob ich für Thyssen Krupp das Projekt Transrapid Shanghai betreuen könnte, habe ich das gemacht. Unter der Woche hat dann Ludwig Wolf für acht Monate das Training geleitet, und ich habe am Wochenende gecoacht. Das ging mehr schlecht als recht und so nicht weiter, auch wenn der Ludwig ein bissl traurig war.

-Und heute? Sollte ein Angebot eines Vereins kommen, würden Sie zugreifen?

Mittlerweile habe ich beruflich acht Projekte gemacht, zuletzt war ich vier Monate bei den Panzerbauern von Krauss-Maffei. Jetzt habe ich aufgehört, aber eigentlich auch wieder nicht. Diese Arbeit macht mir einfach Spaß, wahrscheinlich weil ich keine Kompromisse eingehen und keine Karriere mehr machen muss. Ich kann die Wahrheit sagen, und das schätzen die Leute erstaunlicherweise. Und ich bringe Ergebnisse und verdiene ’ne Mark nebenbei.

-... die Sie beim Skifahren wieder ausgeben können. Wo geht’s denn hin?

Nach Oberlech am Arlberg?

- Da dürfte es ja noch Schnee geben.

Na ja, ich habe gerade gehört, dass es da auch nicht mehr so dolle aussieht. Aber dann hocke ich mich halt eine Woche auf die Terrasse und lasse die Seele baumeln.

Quelle: fussball-vorort.de

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