Kommentar von Günter Klein

DEL-Absage: Schmerzhaft, aber weise - und warum der Fußball sich überhöht

Die vorzeitige Beendigung der DEL-Saison ist die einzig richtige Entscheidung. Der Fußball könnte sich davon ein Stück abschneiden. Ein Kommentar von Günter Klein.

Gesundheit geht vor, Gesundheit ist das Allerwichtigste – das sind die Top-Geburtstagswunsch-Phrasen. Mit Wahrhaftigkeit erfüllen sie sich ja immer erst, wenn’s einem schlecht geht. Umso wichtiger, dass nun der erste große deutsche Mannschaftssport eine Entscheidung für das Gut Gesundheit getroffen hat. 

Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL und DEL2) hat ihre Saison für beendet erklärt. Obwohl es für sie viel schmerzlicher ist als für den Fußball. Nun hätten die Playoffs begonnen, die großartigste Plattform und vor allem die lukrativste Zeit des Jahres. 

Bei manchen Clubs in der DEL machen die Zuschauereinnahmen die Hälfte des Etats aus. Es werden also alle nicht auf ihre Kosten kommen – und das vor dem Hintergrund, dass die kommende Saison richtig ins Geld gehen wird: Die Beiträge zur Berufsgenossenschaft steigen massiv, der Hauptsponsorenvertrag der Liga wird dann ausgelaufen sein – ergibt im Schnitt einen Fehlbetrag von 400 000 Euro pro Verein.

Kommentar zur DEL-Absage: Schmerzhaft, aber weise

Man hätte natürlich spielen können – in leeren Hallen oder vor kleinem Publikum, aber nur fürs Fernsehen. Nur wäre das nicht Eishockey, das die Interaktion mit den Zuschauern intensiver lebt als jeder andere Sport. Und schon gar nicht hätte das noch was mit Playoffs zu tun. Und die Leute – was nach aktuellem Stand in einigen Bundesländern noch möglich wäre – reinlassen? 

Gesundheit geht vor, Gesundheit ist das Allerwichtigste - Ein Kommentar von Günter Klein über die Absage der DEL-Playoffs.

Der durchschnittliche Eishockey-Besucher wäre wohl nicht der typische Risiko-Patient – aber in den geschlossenen Hallen würde sich das Virus dankbar verbreiten, und wer beim Eishockey war, trüge es hinaus in seine Familie – zum Opa, der es dann vielleicht nicht überlebt.

Mit der Absage begegnet die DEL dann auch noch dem Fall, dass die Infektion eines Spielers festgestellt wird. Es müsste das komplette Team aus dem Betrieb genommen werden; auch das würde Playoffs auf den Kopf stellen.

Kommentar zur DEL-Absage: Warum der Fußball sich überhöht

Es gibt keinen Deutschen Eishockey-Meister 2020, auch das eine weise Entscheidung. Der EHC München als (verdienter) Hauptrundensieger hätte sich mit einem halben Titel auch nicht wohlgefühlt.

Das Eishockey bringt große Opfer. Der Fußball hat sich dazu noch nicht durchgerungen. Er erweist sich als vom Geld getrieben, er überhöht sich. 

Fußball ist wichtig, aber nicht systemrelevant. Es ist nicht gesund, was er macht. Wie man richtige Prioritäten setzt, kann er sich beim Eishockey abschauen.

Guenter.Klein@ovb.net

GÜNTER KLEIN

Rubriklistenbild: © dpa / Lino Mirgeler

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