Marc Hindelang im tz-Interview

DEB-Vize-Präsident ermahnt EHC- und Adler-Fans: „Es sollte langsam gut sein“

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Marc Hindelang, Vizepräsident des Deutschen Eishockeybundes (DEB).

Marc Hindelang findet im Interview mit der tz deutliche Worte zu den Vorkommnissen rund um das Duell zwischen dem EHC Red Bull München und den Adler Mannheim.

Die Emotionen kochen hoch im Duell zwischen dem EHC Red Bull München und den Adlern Mannheim im Playoff-Halbfinale. Derzeit führt München mit 2:1-Siegen in der Best-of-seven-Serie, doch dabei gerät das Sportliche fast ein wenig ins Hintertreffen. Die tz hat bei Marc Hindelang, dem Vizepräsidenten des Deutschen Eishockeybundes (DEB), nachgefragt, wie er das durchaus spannende, aber eben auch kontrovers diskutierte Duell auf und neben dem Eis wahrnimmt.

Herr Hindelang, wie sehen Sie den bisherigen Verlauf der Playoffs aus sportlicher Sicht?

Marc Hindelang: Die Play-Offs sehen hochklassige und enge Spiele – das ist eine absolute Werbung für das Eishockey. Man könnte es sich kaum besser wünschen (Playoffs der DEL 2018: Termine, Spielplan, Ergebnisse und Regeln im Überblick).

Wie schade ist es, dass die sportliche Klasse des Duells München vs. Mannheim gefühlt von dem Pinizzotto-Plachta-Wirbel überdeckt wird?

Hindelang: Sehr schade, denn jetzt sollte es nach drei Spielen langsam gut damit sein. Denn es ist ja nicht nur die sportliche Klasse beider Mannschaften, die im Vordergrund stehen sollte, wenn ich mit die herausragenden Leistungen von Spielern wie z. B. Yannick Seidenberg oder Dominik Kahun (Zehn NHL-Teams wollen EHC-Star Kahun) ansehe, die viel zu kurz kommen. Dazu sind Red Bull München und die Adler Mannheim Vorzeigeorganisationen, was die Professionalität auch um das Eis herum betrifft. Hier stimmt das Gesamt- Ereignis, die Atmosphäre ist super und damit ebenfalls ein Aushängeschild für den Sport. Gerade in München habe ich das Gefühl, dass der Hunger der Menschen in der Region nach Spitzeneishockey groß ist und noch weiter wachsen kann.

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Hindelang warnt: Vorkommnisse können positive Stimmung beschädigen

Wie erleben sie die Emotionen und die Atmosphäre, die derzeit in diesem Duell hochkocht - auf Münchner und auf Mannheimer Seite?

Hindelang: Emotionen gehören natürlich gerade in den Play-Offs dazu, das war ja schon immer so. Aber es gab zuletzt ein paar Vorkommnisse, die unschön sind und die positive Stimmung, die um das Eishockey herum herrscht, beschädigen könnten. Wenn - wie ich gehört habe - der Münchner Mannschaftsbus in Mannheim von Leuten zu einer Vollbremsung gezwungen wird und es Morddrohungen gegen Steve Pinizzotto gibt, kann man das genauso wenig gut heißen, wie Beleidigungen gegen einen deutschen Nationalspieler wie Matthias Plachta, bei dem man ja froh sein sollte, dass er wieder spielen kann. Vor ein paar Wochen Silberheld, jetzt Buhmann und das ohne, dass er sich etwas zuschulden hat kommen lassen, will mir nicht in den Kopf. Da sollte manch einer einmal kurz innehalten und überlegen – was mach ich hier eigentlich. Es geht um Sport und es geht um Menschen.

Was wünschen Sie sich für den weiteren Serien- und Playoff-Verlauf?

Hindelang: Dass der Sport im Vordergrund steht und anstatt den Gegner zu verunglimpfen, die eigene Mannschaft und die eigenen Spieler gefeiert werden.

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