1:4 und 1:8 – doch der Meistertrainer lächelt

Debakel für den EHC beim Test-Turnier - Mauer: „Wir werden daraus unsere Lehren ziehen“

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Im Schwitzkasten: Prags Petr Kalina nimmt sich den Münchner Keith Aulie zur Brust.

„Für Gewinnen gibt es kein Limit“, meinte Don Jackson. Sein Team vom EHC Red Bull München muss dafür aber eine andere Leistung zeigen als beim Red Bulls Salute.

Garmisch-Partenkirchen - Viele der Anhänger, die die ersten beiden Vorbereitungsspiele des EHC München in Garmisch-Partenkirchen verfolgten, waren im Meister-Outfit angereist. Auf T-Shirts und Kappen war die Siegesserie des Eishockey-Clubs festgehalten. Champion 2016, 17 und 18, drei Titel in Folge, da passt eine 3 ja irgendwie statt des e an vorletzter Stelle in das Wort Meist3r.

Folgt 2019 der vierte Titel? Der Geldgeber aus Österreich, der Red-Bull-Konzern, ist anspruchsvoll, Trainer Don Jackson, Amerikaner, sagt gerne: „Für Gewinnen gibt es kein Limit.“ Heißt: Der EHC München muss/soll/will Deutscher Meister werden, und in der Champions Hockey League ist erwünscht, dass nicht wieder im Achtelfinale Schluss sein wird (EHC-Kampfansage im Video: „Werden nicht aufhören, bis die europäische Krone uns gehört“).

Die Saison wird im Idealfall für die Münchner bis Ende April gehen, da könnte man, was sich jetzt, achteinhalb Monate zuvor, abspielt, als irrelevant abtun. Darum lächelt Don Jackson gütig in die Kamera seines Arbeitgebers, wenn er über die ersten beiden Tests im immer noch prallen Sommer spricht. Allerdings ist schon markant, dass diese zwei Spiele ganz anders gelaufen sind als in den früheren Jahren. Der EHC München verlor bei seinem eigenen Einladungsturnier am Freitag gegen den SC Bern 1:4 und am Samstag gegen Sparta Prag 1:8 (0:3, 0:0, 1:5). Und das ist weder meister- noch meist3r-like.

Gegen Prag kassierte der EHC zwei Tore in eigener Überzahl

„Die Special Teams haben nicht funktioniert“, sagt Jackson. Das ist in der Tat etwas, das Spiele entscheiden kann. Gegen Prag, trainiert von Uwe Krupp, mit Berlin DEL-Finalgegner 2018, war die Überzahl der Münchner so schlecht, dass sie dabei sogar Gegentore kassierten. Zwei. Zum 0:2 und 0:3. Powerplay übte der EHC in beiden Matches ausgiebig, da Jackson jeweils Minuten vor der Schlusssirene den Torhüter vom Eis nahm und durch einen Feldspieler ersetzte. Bei 1:4 (Bern) kann man das noch als sinnvoll erachten, bei einem 0:6 (Prag) vielleicht als albern und unangemessenes Zeichen von Ergebnis-Wurstigkeit. „Durch die Empty-Net-Tore ist die Niederlage zu hoch ausgefallen“, sagte Stürmer Frank Mauer. Dem aber klar war: „Wir haben an beiden Turniertagen nicht das Eishockey gespielt, das wir spielen können. Wir werden daraus unsere Lehren ziehen.“

Abgänge von Kahun, Aucoin und Matsumoto reißen Lücke 

Trainer Don Jackson wird nicht anders arbeiten als sonst, mit acht Meisterschaften hat er ja gezeigt, dass er weiß, wie es geht. Seine Aufgabe ist diese Saison aber anspruchsvoller. Vor allem mit den Mittelstürmern Kahun (Chicago), Aucoin (Karriereende) und Matsumoto (Iserlohn) ist Spielkunst verloren gegangen, die neuen Angreifer Parkes, Shugg, Mitchell und Voakes sind kein typgleicher Ersatz. Personell kann München nachlegen, sucht nach einem weiteren ausländischen Stürmer. In der Verteidigung täte Verstärkung auch gut, in der DEL wundert man sich eigentlich, dass der EHC sich Dennis Seidenberg, Yannics älteren Bruder, 37, noch nicht geangelt hat. Dennis Seidenberg wartet, ob sich in der NHL weiter was für ihn ergibt.

Pre-Season ist zu Ende - jetzt kommt die Champions League

München hat mit den missglückten Auftritten in Garmisch-Partenkirchen seine „pre-season“ bereits abgeschlossen, am 31. August geht es in der Champions League los – gegen Yunost Minsk aus Weißrussland; zwei Tage später kommt TPS Turku aus Finnland. Außerdem in der Vorrundengruppe ist Malmö/Schweden. „Eine reiseintensive Gruppe“, so EHC-Sportmanager Christian Winkler.

Und eine schwere Gruppe, in der die Münchner sich keine Garmisch-Form leisten dürfen. „Wir werden unsere Lehren daraus ziehen“, verspricht Frank Mauer.

Das Turnier in Garmisch-Partenkirchen gewann der SC Bern durch ein 2:1 nach Verlängerung gegen den EC Salzburg.

von Günter Klein

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