Interview mit dem EHC-Ehrenpräsidenten

Bochanski: "Bei Red Bull geht's eben schneller..."

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EHC-Ehrenpräsident Jürgen Bochanski mit dem DEL-Trikot aus der Saison 2011/2012.

München - Jürgen Bochanski, Ehrenpräsident des EHC Red Bull München, spricht im Interview über die Playoffs, den Sponsor über kaputte Schläger.

Entspanntes Lächeln, leichter Händedruck, EHC-Ehrenpräsident Jürgen Bochanski (61) wirkt entspannt, als er uns in seinem Büro in der Hanauer Straße empfängt. Kann er auch, „sein“ EHC, den er als Präsident zehn Jahre aus der Bayernliga in die DEL begleitet hat, spielt erstmals in den Playoffs.

Herr Bochanski, die Playoffs, ist das der größte Erfolg der Vereinsgeschichte?

Jürgen Bochanski: Davon haben wir in unseren Anfängen nicht annähernd geträumt. Alleine über die Aufnahme in die DEL haben wir uns wahnsinnig gefreut. Unter den früheren Voraussetzungen war jede Meisterschaft toll, aber de facto ist es der größte Erfolg, das stimmt.

Sie haben sich 2012 aus dem Verein zurückgezogen, haben Sie das mal bereut?

Jürgen Bochanski: Nein, der Schritt war unausweichlich. Privatpersonen können einen Verein in der DEL nicht auf Dauer über Wasser halten, wir hatten schon 2006 Probleme, damals hat uns der Einstieg von Michael Philipps und Waldemar Jantz geholfen. Heute sieht man, was mit den nötigen Background möglich ist. Die Vereinsstrukturen haben sich geändert, es gibt bald ein neues Stadion, die Jugend wird mehr gefördert. Das Geasmtkonzept stimmt.

Werden Bayerns Talente bald alle bei den EHC-Jugendteams spielen?

Jürgen Bochanski: Glaube ich nicht. Solange sie in die Schule gehen, werden sie an ihren Standorten bleiben. Aber danach ist der EHC ein attraktiver Verein. Die EHC-Jugendmannschaften waren in dieser Saison übrigens sehr erfolgreich.

Wenn Sie mittlerweile in der Eishalle sind…

Jürgen Bochanski (lacht): …bin ich lockerer, weil ich die kaputten Schläger nicht mehr bezahlen muss. Aber ich freue mich umso mehr, wenn sie gewinnen. Und ich freue mich auf die neue Halle, darüber habe ich vor Jahren schon mit Dieter Reiter, damals Wirtschaftsreferent, gesprochen, bald können 10.000 Zuschauer Eishockey in München live sehen.

Wie viele waren es in der Bayernliga?

Jürgen Bochanski: Bei meinem ersten Bayernligaspiel gegen Fürstenfeldbruck, das wir 11:0 gewonnen haben, waren etwa 1000 Zuschauer da. Später, als wir gegen Landsberg um den Aufstieg gespielt haben, waren es noch mehr.

Ist die Meisterschaft möglich?

Jürgen Bochanski: Mannheim sehe ich einen Tick stärker, mit allen anderen kann es der EHC aufnehmen. Das Halbfinale sollten sie packen. In den nächsten drei Jahren ist der Titel möglich, wenn sich der Verein so weiterentwickelt. Die Chancen werden sicher jedes Jahr größer.

Aber nicht, dass es so endet, wie bei den Barons.

Das letzte Hauptrundenspiel gegen Köln gewann der EHC mit 4:2.

Jürgen Bochanski: Das wird nicht passieren, die Barons waren privat finanziert. Eishockey ist ein teurer Sport, es braucht jemanden, der das Budget absichert. Die TV-Gelder sind nicht so hoch, die Zuschauereinnahmen im Vergleich zum Fußball begrenzt. Eine andere lukrative Einnahmequelle, außer Sponsoren, hat man aber nicht. Eine Meisterschaft kostet Geld, man muss Prämien und Reisen zahlen. Wir haben zum Beispiel bei unserem Derbyspiel 2012 gegen Augsburg in der ausverkauften Olympiahalle draufgezahlt.

Die letzten Spiele konnte der EHC relativ entspannt angehen. Eine neue Situation, oder?

Jürgen Bochanski: Zu meiner Zeit waren die letzten Spiele die wichtigsten, weil wir die Pre-Playoffs erreichen wollten. Auch sonst hat sich einiges verändert. Man hört und liest nur von Trainer Don Jackson und den Spielern. Das ist eine klare Linie, das macht sich bezahlt, das bringt Ruhe in den Verein.

Selbst Christian Winkler musste sich zurücknehmen, hätten Sie sich das vorstellen können?

Jürgen Bochanski: Nur schwierig, aber das war früher auch nicht das Thema. Christian und ich waren das Sprachrohr des Vereins. Aber für das Bild des Vereins ist es so vielleicht jetzt besser.

Warum hat das sportliche Bild vergangene Saison noch nicht gepasst?

Jürgen Bochanski: Ein neues System kann man eben nicht wie einen neuen Hut aufsetzen, da muss alles passen. Gut Ding braucht Weile, bei Red Bull geht es nur eben ein bisschen schneller.

Interview: Mathias Müller

Die tz im Bochanski-Büro

2012 hat sich Jürgen Bochanski aus dem Verein zurückgezogen, sein Herz schlägt aber immer noch für den EHC München, das merkt man sofort, wenn man ins Büro des EHC-Ehrenpräsident tritt. Wie früher, hängt auch heute noch das erste DEL-Dress der Münchner an seiner Vitrine. Auf der Rückseite steht sein Nachname. Auch einige EHC- und WM-Pucks finden sich in der Auslage. „Heute kann ich die Spiele entspannt verfolgen, aber ich freue mich umsomehr, wenn sie gewinnen“, so Bochanski.

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