Die Bullen auf Auswärtstour

Eine Deutschland-Reise, auf der für den EHC München Gefahren lauern

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Seriensieger: Der EHC gewann die ersten sechs Saisonspiele.

Tabellenführer EHC München hat drei Auswärtspartien vor der Brust. Irgendwann wird das Team wieder ein Spiel verlieren, doch wann wird das passieren? Coach Jackson sagt: „Für Siege gibt es kein Limit.“

München – Das 4:1 gegen die Nürnberg Ice Tigers am Sonntag war das letzte Wiesn-Spiel für den EHC. Heimtermine während des Oktoberfests sind Kassengift, normal müssten zu einem Derby mehr als 4410 Zuschauer kommen. Lieber treten die Münchner auswärts an – wie in den kommenden Tagen. Sie haben die Deutsche Eishockey-Liga um eine stimmige Reiseroute gebeten. Und eine zugewiesen bekommen: Mittwoch (19.30 Uhr) in Schwenningen, Freitag (19.30 Uhr in Köln), Sonntag (17 Uhr) in Bremerhaven. Süd – West – Nord. „Ein echter ,road trip’“, sagt Trainer Don Jackson, „wir fahren das mit dem Bus“. Mal was anderes: Der EHC München gehört sonst zu den Teams im Miles-and-more-Programm.

Am Sonntag hat er sein sechstes DEL-Spiel in dieser Saison gewonnen, Nürnbergs Coach Kurt Kleinendorst wähnte sich nahe an der Überraschung („Bis ins letzte Drittel hinein dachte ich, wir können das gewinnen“), musste dann aber die Klasse des Spitzenreiters anerkennen, den er – obwohl es Meister Mannheim ja auch noch gibt – „das stärkste Team in der Liga“ nennt.

Sechs Siege jedenfalls sind DEL-Vereinsstartrekord, das passt zum Credo von Don Jackson: „Für Siege gibt es kein Limit. Man kann immer noch besser werden.“ Auch wenn er weiß: Irgendwann wird der EHC ein Spiel verlieren. Vielleicht sogar auf seiner Auswärtsreise? Er tritt an beim Neunten, Zehnten und Dritten – und überall lauert die Gefahr.

Die kommenden Gegner des EHC München in der Analyse

Schwenningen: Die Wild Wings haben den EHC schon einige Male auf dem falschen Fuß erwischt. So etwa im November 2018, als Paul Thompson sein Debüt als Trainer in der DEL gab: 4:3 nach Verlängerung gewann Schwenningen damals. Thompson ist Engländer. SERC-Manager Jürgen Rumrich erinnert sich: „Es dachte jeder: Nicht die große Eishockeynation, doch mir ist, als ich auf Trainersuche war, sein Lebenslauf aufgefallen. Er hat in England einen Verein aus dem Nichts aufgebaut und zur Meisterschaft geführt. Ich bin richtig glücklich mit ihm.“

16 Spieler sind neu beim Schwarzwald-Club. Rumrich sagt: „Wir haben unsere Identität Richtung Nordamerika und physisches Spiel verändert. Die Mannschaft ist jetzt nach den Vorstellungen des Trainers.“ Star: Jamie MacQueen, dem bei seinem vorigen Verein Berlin mit „God Save MacQueen“-Shirts gehuldigt wurde.

Köln: Ist enttäuschend gestartet. Wieder mal. Ursächlich sind auch Verletzungen – etwa bei Kapitän Moritz Müller am Knie. Der Nationalspieler musste operiert werden und fällt zehn Wochen aus. Der neue Trainer Mike Stewart kommt gar nicht dazu, die Mannschaft sein Power-Eishockey aufziehen zu lassen.

Doch die Personalie Stewart macht die Haie für den EHC München gefährlich. Vergangene Saison trainierte der Austrokanadier die Augsburger Panther, die den EHC im Halbfinale, das über sieben Spiele ging, fast entnervt hätten. Und ein Spieler freut sich besonders auf den EHC: Jon Matsumoto, der als Final-MVP vor über einem Jahr von den Münchnern kein neues Vertragsangebot bekommen hatte. Letzte Saison brillierte er in Iserlohn, nun führt er die Kölner Haie an.

Bremerhaven: Bei den Fischtown Pinguins ist der EHC trotz aller aktueller Meriten Außenseiter. In der Saison 2018/19 verlor München alle vier Spiele gegen seinen geografisch und finanziell am weitesten entfernten Konkurrenten. 2:6 und 3:4 in Bremerhaven, 2:3 und 1:4 zuhause. In den Fan-Prognosen vor der neuen Saison wurde Bremerhaven tendenziell außerhalb der Playoffs getippt. Argumentation: Irgendwann müssen die Pinguins doch mal fällig sein.

Ihr Manager, der im Norden als ehemaliger Marine-Soldat sesshaft gewordene Oberpfälzer Alfred Prey, wirkt auch ein wenig traurig, als er sagt: „Es wird für uns jedes Jahr schwieriger.“ Die Konkurrenten lästern gerne, wenn Prey wieder einen Kanadier oder Tschechen mit deutschen Wurzeln gefunden hat, scheuen aber nicht davor zurück, diese Spieler abzuwerben.

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„Wir werden weiter gut scouten“, sagt Prey und verwahrt sich gegen den Verdacht, es ginge in seiner Stadt nicht mit rechten Dingen zu. Sein neues Beispiel: Christian Hilbrich, Stürmer, vor zwei Jahren einer der besten Scorer in der East Coast Hockey League. Deutscher. „Seine Eltern und Geschwister sind in Frankfurt geboren, der Vater ist beruflich nach Amerika gegangen und Christian dort aufgewachsen. An der Sache ist nichts Verwerfliches.“

In den bisher drei Jahren erreichten die von Thomas Popiesch trainierten Bremerhavener immer die Playoffs, die Begeisterung in Fischtown ist stabil. „Eishockey in der Stadt gibt es seit 1948 und seit 1973 durchgehend auf dem mindestens zweithöchsten Level, der in Deutschland möglich ist“, erklärt Prey. Die Stadionauslastung betrug in der DEL 96 Prozent. Prey: „Wir sind keine Retorte, wir sind eine Eishockeystadt.“ München soll das zu spüren bekommen. GÜNTER KLEIN

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